Beim 2:0 gegen Wales darf Deutschlands neuer Regisseur Bastian Schweinsteiger seine Liebe zum Ball ausleben und ist der Mann des Abends.
Fachlich betrachtet, hätte ein großer Teil der Anerkennung Thomas Hitzlsperger gebührt. Aber die Stimmung unter den Betrachtern im Millenniumstadion war halt nicht danach, fachlich abzuwägen. Lieber wollte man von Bastian Schweinsteiger schwärmen, der mit Absatzkicks und Soli und Hakenläufen die auffälligste Erscheinung im deutschen Spiel gewesen war, der den Rhythmus im Vorwärtsgang bestimmt hatte und in der Mittelfeldzentrale wie ein Magnet auf die Mitspieler wirkte. Schweinsteiger trug die Sieben auf dem Rücken, aber er spielte wie ein Zehner der alten Schule, im Kerngebiet des Spielfeldes besaß er Macht wie ein Diktator, und obendrein fand er so viel Spaß daran, dass es ansteckend war. "Der Schweinsteiger", schwelgte DFB-Präsident Theo Zwanziger, "ist endlich mal wieder ein richtiger Fußballer. Es war ein Genuss, ihm zuzuschauen. So ein Spieler macht einfach Spaß." In allen Ecken der Arena wurde so geredet, Bastian Schweinsteiger war der Mann des Abends.
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Nur ein paar Besserwisser legten leise Einspruch ein: Schweinsteiger habe auch deswegen so geglänzt, weil sein Nebenmann Hitzlsperger ihn so sorgfältig abschirmte und unterstützte. Der Besserwisser, der darauf am meisten Wert legte, war Schweinsteiger, der über Hitzlspergers wichtige Rolle sprach, sobald er über den eigenen großen Auftritt reden sollte - was oft vorkam. Am Samstagvormittag hatte Bundestrainer Joachim Löw die beiden unterrichtet, dass sie die Doppelbesetzung in der Mitte übernehmen sollten, und Schweinsteiger wusste sofort, dass es keine Probleme geben würde: "Thomas ist ein intelligenter Spieler. Mir war klar, dass das funktioniert."
Ohnehin war ihm die Lobhudelei eher peinlich, denn Schweinsteiger ist zwar auf dem Platz eine Art darstellender Künstler und jenseits des Rasens offen für Extravaganzen, aber ein Selbstdarsteller ist er trotzdem nicht. Wesentliche Strategiefragen wurden an ihn gerichtet, als ob er das Großhirn des deutschen Fußballs wäre, woraufhin er irgendwann verzweifelt erwiderte: "Das sind alles Fragen für den Trainer, ich will nur gut Fußball spielen." Das war ihm in Cardiff unbestritten gelungen, wenngleich schon wieder ein Einwand unvermeidlich ist, den zum Glück ebenfalls Schweinsteiger selbst unablässig betonte: "Es war nicht Italien oder Tschechien auf dem Platz, es war nur Wales." Die Waliser erlaubten Schweinsteiger ein Spiel, in dem er seinen Erfindungsreichtum und seine Liebe zum Ball ausleben durfte. Sie hielten so viel Abstand zu ihm, wie er es selbst in einem Jubiläumskick mit den Bayern auf einem Dorfplatz selten erlebt. Manchmal dachte man, er mache gerade sein Abschiedsspiel und werde deswegen ständig von den Mitspielern mit Ballbesitz beschenkt und vom Gegner in Ruhe gelassen. "Es gibt Spiele, wo es enger und härter zugeht", stellte er fest und sinnierte, dass er wohl zuletzt im Jugendteam so viele Ballkontakte gehabt habe.
Schweinsteiger gefällt der Platz im Mittelpunkt
Unabhängig von Hitzlspergers stummen Diensten und den erleichternden Umständen wird aber nicht nur Löw froh darüber sein, dass Schweinsteiger seinen erklärten Ambitionen die richtigen Taten folgen ließ. Auch bei den Bayern, wo man Schweinsteiger die Unstetigkeit austreiben und für die wirklich schweren Aufgaben präparieren möchte, werden seine Chefs gern gesehen haben, dass er seinen Anspruch einlöste. Als der Bundestrainer den Münchner vor der Begegnung ausdrücklich öffentlich zum Chef des Mittelfeldes beförderte, hatte sich Schweinsteiger sofort zu der Aufgabe bekannt, indem er seine 44 Länderspiele als verpflichtende Qualifikation bezeichnete. In Cardiff räumte er aber auch ein, dass er sich zügig wieder auf den Außenposten verziehen werde, sobald die eigentlichen Mittelfeldherrscher Ballack und Frings ins Team zurückkehren - obwohl ihm der Platz im Mittelpunkt gut gefällt. "Kein Problem", meinte er, "ich weiß, dass dort" - in der Zentrale - "irgendwann mein Platz sein wird." Vielleicht sogar mit Thomas Hitzlsperger im Rücken.
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(SZ vom 10.9.2007)
war gut, aber so überragend habe ich ihn auch nicht gesehen. insgesamt bin ich aber positiv von der deutschen mannschaft überrascht. damit meine ich vor allem die geschjlossene mannschaftsleistung und nicht einen einzelnen spieler. auch wenn der gegner wales heisst, muss man ihn erstmal schlagen.
@susi: man braucht sich nur mal in europa umschauen, wie dort die so genannten "großen" schwächeln, und das tut deutschland im moment nicht. und das obwohl man deutlich ersatzgeschwächt ist. im spiel gegen england hat das gesamte mittelfeld gefehlt, das muss man erstmal kompensieren, auch wenn es nur ein freundschaftsspiel war und man etwas glücklich gewonnen hat. es macht wieder spaß der dfb-elf zuzuschaúen, war meiner meinung nach lange nicht der fall...muß man dem klinsi und auch löw zugestehen, auch wenn ich ersteren nicht ausstehen kann.
Agil, immer anspielbar, Ball verteidigend, Löcher reißend, tw. gefährlich (Latte).
Es gab nichts auszusetzen, vor allen Dingen wenn man bedenkt, dass er diese Position normalerweise nicht spielt und gerade erst 23 geworden ist. Und bekanntermaßen sind Deutsche noch nicht so früh fußballerisch reif wie bspw. die Südamerikaner.
"ich glaube, das sieht dann anders aus, wenn ihn mal ein gattuso beim spuelaufbau hindert."
die italiener müssen sich erst mal noch qualifizieren.
sieht bisher nicht sehr prickelnd aus was der weltmeister momentan zu bieten hat.
fakt ist dass deutschland in den letzten 13 spielen eine bilanz von 11-1-1 gespielt hat... eine bilanz die kein anderes europähisches top-team zustande bekommen hat nach der wm, und das trotz der unzähligen ausfälle!
Gehe gerade den Pressespiegel bei "Indirekter Freistoss" durch und wundere mich ebenfalls über die ganzen Lobhudeleien über Schweinsteiger.
Ich frage mich die ganze Zeit warum dieser für sein Ball vertändeln, Spiel langsam machen und ständigem zu spät abspielen so gelobt wird??
Wir haben das Spiel am Samstag zu Acht geschaut: Am Lautesten und die emotionalsten Momente gab es immer sobald Schweinsteiger am Ball war und diese sich mal wieder nicht trennen konnte und seine sinnlose und ineffiziente Ego-Kickerei durchgezogen hat.
meinen beiden Vor-Kommentatoren kann ich nur recht geben. Es ist zwar schön, wenn die dt. Mannschaft auch wieder solche Spiele gegen sog. Kleine gewinnt, aber überragend oder auch nur besonders gut fand ich Schweinsteigers Leistung nicht unbedingt.
Meist hat Schweinsteiger das Spiel langsam gemacht. Er war zwar oft anspielbar, aber dann hielt er den Ball (zu) lange oder er drehte sich zig-mal um die eigene Achse. Dabei kam ihm entgegen, dass die Waliser immer gehörigen Abstand hielten.
Sympatisch von Schweinsteiger ist, dass er den immer sensationsgierigeren Medien entgegen hielt, es handle sich schließlich "nur" um Wales. Bei Gegnern von anderem Kaliber bin ich mal gespannt, wie es dann läuft.
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