Wahl zum Sportler des Jahres Harting schlägt Vettel

Diskus-Olympiasieger Robert Harting setzt sich bei der Wahl zum Sportler des Jahres überraschend gegen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel durch. Nach ihrem Karriereende gewinnt Magdalena Neuner zum dritten Mal diesen Preis und bei den Mannschaften siegen Ruderer vor Beachvolleyballern.

Zwei Olympiasieger von London und die zurückgetretene Biathlon-Queen Magdalena Neuner sind Deutschlands Sportler des Jahres 2012. Robert Harting wurde am Sonntag in Baden-Baden als erster Diskuswerfer in der 66-jährigen Geschichte der Sportlerwahl als Sieger gefeiert. Magdalena Neuner dominierte nach zwei WM-Titeln und dem Gesamtweltcup-Gewinn wie schon 2007 und 2011. Und zum sechsten Mal seit 1959 ging bei den Mannschaften wie bei Olympia in London der Deutschland-Achter als Erster durchs Ziel. Rund 1500 Sportjournalisten wählten dieses Trio bei der 66. Abstimmung der Internationalen Sport-Korrespondenz (ISK) mit großem Abstand auf Platz eins.

Rücktritt vom Rücktritt ausgeschlossen

Selbst als Sport-Rentnerin sorgt sie noch für Furore. Magdalena Neuner ist Monate nach ihrem Karriereende zur "Sportlerin des Jahres" gekürt worden. Ihre dritte Ehrung am Sonntag in Baden-Baden jedoch war definitiv ihre letzte. Ein Rücktritt vom Rücktritt ist bei einer wie ihr ausgeschlossen. "Wenn ich jetzt 45 Minuten Laufen gehe, denke ich danach: Für heute reicht es, und es tut schon wieder alles weh! Ich habe auch nicht mehr diesen Biss wie noch vor einem Jahr. Jetzt will ich einfach andere Sachen machen!"

Die 25-Jährige hat in ihrer letzten Saison zum dritten Mal den Gesamtweltcup gewonnen und bei der Heim-Weltmeisterschaft in Ruhpolding mit zweimal Gold geglänzt. Schon vor der Gala im Kurhaus wurde sie mit Auszeichnungen - wie dem "Goldenen Ski" - überschüttet. "Wenn ich mir überlege, wie viele Ehrungen mir seit meinem Rücktritt aus dem Leistungssport zuteil geworden sind, bekomme ich weiche Knie", sagt sie.

Berliner Bad Boy

Markige Sprüche, martialische Gesten, goldene Würfe: Der Mann, der sich bei großen Siegen mit wildem Urschrei das Trikot vom Leibe fetzt und durch verbale Rempler das Image des Bad Boy pflegt, wurde als erster Diskuswerfer zeitgleich Olympiasieger, Welt- und Europameister. Jetzt ist Robert Harting als erster Diskuswerfer Deutschlands "Sportler des Jahres".

In einem denkwürdigen Finale kämpfte sich der 2,01-Meter-Mann trotz Kniebeschwerden zum größten Erfolg seiner Karriere. Als die Zwei-Kilo-Scheibe im fünften Versuch 68,27 Meter weit flog, war der Bann gebrochen. Der in der Lausitz geborene Berliner avancierte zum ersten deutschen Leichtathletik-Olympiasieger seit Nils Schumann im Jahr 2000.

Harsche Kritik verabreichte der 2,01 m große deutsche Olympiastar, liiert mit der Diskus-Kollegin Julia Fischer, Thomas Bach. Den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes bezeichnete er als "selbstgefällig und einfach blass" und warf dem DOSB vor, er züchte über den Beirat der Aktiven "einen kranken Funktionärsbaum".

"Der beste Achter, den es jemals gab"

Noch Stunden nach der Triumph-Fahrt leuchteten die Augen des Verbandschefs. Der Medienrummel für die Olympiasieger aus dem Deutschland-Achter am Abend im Deutschen Haus stimmte Siegfried Kaidel ähnlich euphorisch wie das dramatische Rennen in den Mittagsstunden auf dem Dorney Lake.

Selbst die lautstarke Unterstützung von 25 000 Zuschauern für das heimische Boot konnte die Deutschen nicht schrecken. Und das, obwohl die Briten bei der 1250-Meter-Marke wider Erwarten nicht hinten, sondern eine Luftkastenlänge vorn lagen. Erst das unwiderstehliche Finish sicherte dem von Martin Sauer gesteuerten Achter den 36. Sieg in Serie. Damit blieb die Mannschaft im gesamten Olympia-Zyklus ungeschlagen und machte die Havarie von Peking 2008 vergessen. Für diese Serie gab es den verdienten Lohn. Erstmals seit 1989 ist der Deutschland-Achter wieder "Team des Jahres". Das wohl größte Lob verteilte einer, der als Schlagmann selbst olympisches Silber und Bronze sowie mehrere WM-Titel gewann. "Das ist der beste Achter, den es jemals gab", urteilte Ronald Baar.

Die Wahl im Überblick

Frauen: 1. Magdalena Neuner (Biathlon) 3368, 2. Angelique Kerber (Tennis) 1545, 3. Lilly Schwarzkopf (Leichtathletik), 1487, 4. Tatjana Hüfner (Rennrodeln), 995, 5. Britta Heidemann (Fechten), 945, 6. Judith Arndt (Radsport), 838, 7. Betty Heidler (Leichtathletik) 798, 8. Viktoria Rebensburg (Ski Alpin), 626, 9. Sabine Spitz (Mountainbike), 585, 10. Christina Obergföll (LA), 519.

Männer: 1. Robert Harting (Leichtathletik), 3049, 2. Sebastian Vettel (Motorsport), 2578, 3. Marcel Nguyen (Kunstturnen), 1587, 4. Michael Jung (Vielseitigkeit), 946, 5. Timo Boll (Tischtennis), 694, 6. Sandro Cortese (Motorradsport), 545, 7. Martin Kaymer (Golf), 509, 8.Björn Otto (LA), 502, 9. Phillip Köster (Windsurfen), 371, 10. Tony Martin (Radsport), 319.

Mannschaften: 1. Deutschland-Achter (Rudern), 3003, 2. Brink / Reckermann (Beachvolleyball), 2603, 3. Hockey-Nationalteam Männer, 2071, 4. Borussia Dortmund (Fussball), 1965, 5. THW Kiel (Handball), 1401, 6. Biathlon-Frauenstaffel, 585, 7. Vielseitigkeits-Equipe 535, 8. Rollstuhl-Basketball-Team Frauen, 428, 9. Savchenko/Szolkkowy (Eiskunstlauf), 331, 10. Brose Baskets Bamberg (Basketball), 283.