Wahl zum neuen DOSB-Präsidenten Neuer Mann, neuer Ballast

Mit 94,6 Prozent zum DOSB-Präsidenten gewählt: Alfons Hörmann

Alfons Hörmann ist zum neuen DOSB-Chef gewählt worden, als Nachfolger von IOC-Präsident Thomas Bach. Viele hoffen auf einen Neuanfang. Doch der Kandidat schimpft über Olympia-Gegner, verharmlost das Dopingproblem - und schweigt zu Details eines Bußgeldverfahrens.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Wenn sich Alfons Hörmann, 53, vor dem großen Samstag äußerte, fielen oft Begriffe wie "Korrektur" oder "Prüfstand". Das vernehmen viele im deutschen Sport mit Wohlwollen. Dieser deutsche Sport hatte ja zuletzt sieben Jahre lang als Operationsbasis für die Ambitionen seines Frontmannes Thomas Bach gedient.

Bach hat sein Ziel, den IOC-Thron, nun erreicht, was national eine gute Kunde sein könnte: Es bietet die Chance für einen Neuanfang. Die Debattenkultur im Sport ist zuletzt arg verkümmert, mancher inhaltliche Aspekt blieb liegen. In der Dopingbekämpfung fühlt sich nun sogar die Bundespolitik berufen, eine schärfere Gangart vorzugeben.

Alfons Hörmann soll es jetzt richten.

Shakespeare-Fans und Sonnenkönige

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An diesem Samstag hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Wiesbaden den Unternehmer, der seit acht Jahren Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) ist, zum neuen Chef gewählt. Einen Mann, dem Macher-Qualität nachgesagt wird und die Fähigkeit, ein Kommunikator zu sein.

Einer, der nicht aus der klassischen Gremienarbeit kommt, eher von der Seite - nicht wenige monieren sogar, dass sie ihn nicht richtig kennen. Einer, der sich eher mit der Skisprungschanze in Füssen auskennt als in der Welt der Katarer und Kuwaiter. Aber auch einer, der vielleicht mehr entscheidet und weniger herumtaktiert als der Vorgänger. Lässt sich daraus Hoffnung schöpfen?

Dass das kaum einzuschätzen ist, liegt daran, dass sich ein Manko des Sports nicht abstellen lässt: das Defizit an Transparenz. Fakten schaffen die Funktionäre gern in Hinterzimmern, weshalb auch am Samstag die Wahl zwar so hieß, aber keine war. Es gab keinen Herausforderer. Zwei Konkurrenten machten den Weg für Hörmann in einem Sechs-Augen-Gespräch frei. Das war im Oktober.

Seither gab es einige merkwürdige Auftritte und Aussagen des Kandidaten. Echte Aufbruchsstimmung ist nicht zu spüren. Ins breite Rampenlicht trat der Kandidat am 10. November. Es war der Sonntag, als die Gegner von Winterspielen 2022 in München bei Bürgerentscheiden unerwartet deutliche Siege feierten. Hörmann, Chef des großen Skiverbandes, schmerzte das besonders. Wie er damit umging, war abends in einer Fernsehrunde beim BR zu bestaunen. In einem Mix aus Gekränktheit und Naivität attackierte er eine nebulöse "Fundamentalopposition gegen den Sport".

Wie das IOC die Menschen verprellte

Das Nein in München zu den Winterspielen richtet sich nicht gegen Olympia generell. Vielmehr dürfte es die Quittung sein für eine Sportpolitik, die sich lieber auf Kungelei verlässt als auf offene Diskussionen - der Sport selbst sollte sich wegen der Entscheidung der Bürger aber nicht in den Schmollwinkel verziehen. Von Thomas Kistner mehr...

Und zu den vielgerügten Knebelverträgen, die das IOC den Städtekandidaten aufbürdet, behauptete er: Diese Darstellungen "waren, sind und bleiben falsch", sie seien gar "Denunzierung". Er sagte sogar, anders seien 'Großsportveranstaltungen sowohl in Form von WM als auch Olympia nicht ins Land' zu holen.

Da erhob selbst sein Mitstreiter, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, massiv Einspruch: Er habe den IOC-Veranstalter-Vertrag für die Winter-Bewerbung 2018 nur nach "schwierigen juristischen Gesprächen" unterzeichnet, zu klären war, "ob es überhaupt zulässig ist, so weitgehende Verpflichtungen einzugehen. Dass es an die Grenzen der kommunalen Selbstverwaltung ging, ist auch wahr."

Dass Hörmann mit seinem Olympia-Mitkombattanten Ude so explizit über Kreuz lag, nahm das erstaunte Publikum ebenso zur Kenntnis wie eine weitere luftige Behauptung: "Der Steuerzahler hätte nichts zu zahlen gehabt, weil wir mit besten Chancen angetreten wären, mit Olympia Geld zu verdienen." Wie diese Rechnung ausgesehen hätte, ist bis heute nicht bekannt.