Wada-Generaldirektor David Howman "Alles deutet auf Blutdoping hin"

In der Affäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke widerspricht Wada-Generaldirektor David Howman der Auffassung des deutschen Arztes. Im SZ-Interview erklärt Howman, dass er nach bisherigem Erkenntnisstand von gezieltem Blutdoping ausgeht - und fordert die Übergabe der Ermittlungsergebnisse aus dem Verfahren gegen Lance Armstrong.

Von Andreas Burkert

Die Welt-Anti-Doping-Agentur geht in der Affäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke nach bisherigem Erkenntnisstand von Dopingvergehen durch UV-Blutbehandlungen aus. "Der Gebrauch von Blut ist seit langem verboten, seit sieben Jahren", sagte Wada-Generalsekretär David Howman in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Es ist überhaupt keine Frage, dass es sich hier um eine verbotene Methode handelt. Nach den Informationen, die wir bis jetzt aus Deutschland haben, deutet alles auf Blutdoping hin."

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Der frühere Vertragsarzt des Olympiastützpunktes Thüringen hat nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Erfurt seit 2006 30 Sportler, darunter 28 Kaderathleten, mit der umstrittenen UV-Methode behandelt. Franke argumentiert, er habe nur geringe Mengen reinjiziert. Zudem habe es sich nicht um Leistungssteigerung gehandelt, auch sei die Methode erst ab 2011 explizit verboten worden.

Der Neuseeländer und Jurtist Howman, seit 2003 bei der Wada im Amt, widersprach dieser Sicht entschieden. "Unabhängig von der Menge", sagte er, sei laut Punkt M.1.1 der Wada-Verbotslistegemäß jede Abnahme und Rückführung von Blut seit Jahren untersagt. Im erwähnten Paragraph gilt jede Entnahme von Blut und eine Wiedereinbringung in die menschliche Blutbahn als Doping, wenn sie rote Blutzellen enthalten. "Streitpunkt ist offenbar der Wechsel der Definitionen auf der Liste der verbotenen Methoden. Diese Methode war aber schon immer verboten", erklärte Howman: "Es hat über all die Jahre Veränderungen der Definitionen gegeben, um Dinge noch klarer zu machen - aber das heißt nicht, dass diese Methoden davor erlaubt waren."

Damit bestätigte Howman exakt die Auffassung der deutschen Anti-Doping-Agentur Nada. Sie hat bisher zwei Disziplinarverfahren gegen die Eisschnelläuferin Judith Hesse und Bahnradfahrer Jakob Steigmiller eingeleitet. Auch die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die Dopingvorwürfe zurückweist, wird mit Franke in Verbindung gebracht; zuletzt hatte sie die Nada scharf kritisiert, sich zu angeblichen UV-Behandlungen bei ihm aber nicht konkret geäußert.

Die Nada verhalte sich korrekt, sagte Howman nun, "soweit wir das beurteilen können, tut sie das, absolut". Sollte das deutsche Sportschiedsgericht keine Strafen aussprechen, werde man die Fälle genau prüfen und gegebenfalls Widerspruch einlegen.

Howman forderte zudem die staatlichen US-Behörden auf, der Wada und den übrigen beteiligten Instanzen die Ermittlungsergebnisse zum vergangene Wochen eingestellten Betrugsverfahren gegen den des Dopings verdächtigten Tour-Rekordsieger Lance Armstrong zu übergeben. "Die Informationen, die sie gesammelt haben, könnten mit Doping in Verbindung stehen", sagte Howman: "Es gibt keinen Grund in der Welt, weshalb dieses Material jetzt nicht übergeben werden sollte. Meine Nachricht ist: Dieser Fall ist nicht vorbei! Es müssen jetzt Sportprozesse stattfinden."

Das ganze Interview mit David Howman lesen Sie morgen in der Printausgabe der SZ - oder auf der iPad-App.

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