Anklage gegen Hoeneß "Ich bin überrascht"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Im März muss er vor Gericht.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Er will nun "bis zum Prozess im März alles tun, um das Gericht von unseren Argumenten zu überzeugen". Der Verein hält weiter an ihm fest.

Es dauert nicht lange, bis Uli Hoeneß reagiert. Als die Spieler und Verantwortlichen des FC Bayern in Pilsen ankommen, bläst der Bayern-Präsident die Backen auf und sagt: "Ich bin überrascht." Eben war bekannt geworden, dass das Landgericht München II die Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen ihn zugelassen hatte. "Wir werden bis zum Prozess im März alles tun, um das Gericht von unseren Argumenten zu überzeugen", kündigt Hoeneß nun an. Auch der Zeitschrift Sport Bild hatte er bereits erste Zitate gegeben.

Hart arbeiten werden Hoeneß und seine Anwälte auch müssen. Am 10. März 2014 soll der Prozess beginnen, bisher sind vier Verhandlungstermine angesetzt, Einzelheiten zum Anklagevorwurf hat das Gericht nicht bekanntgegeben. Es geht um Steuerhinterziehung in Höhe von insgesamt 3,2 Millionen Euro. Das Strafmaß dafür reicht von Geldstrafen bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren - in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren.

Im April waren Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft bekanntgeworden. Ende Juli hatte die Staatsanwaltschaft dann Anklage gegen Hoeneß erhoben. Ein Haftbefehl war bereits im März gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro außer Kraft gesetzt worden.

Mitte Januar hatte sich Hoeneß beim für ihn zuständigen Finanzamt im oberbayerischen Miesbach selbst angezeigt - kurz nachdem Verhandlungen über ein deutsch-schweizerisches Steuerabkommen gescheitert waren. Der Bayern-Präsident gab mit seiner Selbstanzeige zu, Kapitalerträge auf einem Depotkonto bei der Zürcher Privatbank Vontobel nicht versteuert zu haben. Fast zeitgleich überwies Hoeneß eine Abschlagszahlung in Höhe von zehn Millionen Euro an das Finanzamt.

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Doch die Selbstanzeige, bei der Hoeneß ein Steuerberater, ein Wirtschaftsanwalt und ein Steuerfahnder in Altersteilzeit halfen, war offenkundig übereilt gestellt worden, nicht vollständig und aus Sicht der Ermittler damit unwirksam.

FC Bayern steht zu Hoeneß

Auch der FC Bayern hat schnell reagiert. Der Klub schreibt in einer eigenen Pressemitteilung, dass Hoeneß trotz der Anklage weiter Präsident des Rekordmeisters bleiben soll. Der Aufsichtsrat habe zur Vorbereitung seiner Entscheidung ein Rechtsgutachten über die Pflichtenlage des Aufsichtsrats eingeholt, heißt es darin.

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Das Gutachten sei zu dem Ergebnis gekommen, "dass es im Rahmen des den Mitgliedern des Aufsichtsrats zustehenden Ermessens liegt, Herrn Hoeneß keinen Amtsverzicht nahezulegen, sondern ihm das Vertrauen für die Fortführung seines Amtes auszusprechen". Es gebe zudem "hinreichend Beispiele für Fälle, in denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder selbst börsennotierter Gesellschaften ihr Mandant behalten haben, obwohl ihnen der Vorwurf gemacht wurde, in anderen Lebensbereichen strafrechtliche Pflichten verletzt zu haben".

Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger sagte in Pilsen, die Profis könnten sich trotz Zulassung der Anklage "ungestört vorbereiten". Hoeneß tue man "den größten Gefallen, wenn wir unsere Spiele gewinnen und Erfolg haben".

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In einer Erklärung spricht der FC Bayern seinem Präsidenten das Vertrauen aus. Hoeneß soll trotz der gegen ihn erhobenen Anklage wegen Steuerhinterziehung im Amt bleiben. Die Erklärung im Wortlaut. mehr ...

Gegenüber der Sport Bild äußerte sich Hoeneß auch zur Haltung des FC Bayern. Er habe stets die "hundertprozentige Unterstützung des Aufsichtsrats, des Verwaltungsbeirats und der Fans" genossen, außerdem viele Briefe von Fans bekommen, die sich hinter ihn gestellt hätten. "Ich habe diese Fehler als Privatmann gemacht und stehe als Privatmann dazu", sagt Hoeneß, "aber ich glaube nicht, dass meine Arbeit für den FC Bayern darunter gelitten hat."