Fußball-WM 2022 Amnesty erhebt neue Vorwürfe gegen Katar

Katar: Arbeiter an der Fassade eines Wolkenkratzers in Doha

Kaum zu essen, seit einem Jahr nicht bezahlt: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlicht neue Details über das Schicksal von Arbeitsmigranten in Katar. Sie sollen die Büros von Sportorganisationen gebaut, dafür aber keinen Lohn bekommen haben.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat erneut die Arbeitsbedingungen in Katar kritisiert und die verzweifelte Lage von 80 Wanderarbeitern angeprangert. Diese seien seit fast einem Jahr nicht bezahlt worden und hätten kaum zu essen, erklärte die Organisation.

Die Arbeiter könnten weder Geld nach Hause zu ihren Familien schicken noch ihre Schulden zurückzahlen, sagte der Generalsekretär der Organisation, Salil Shetty. Er rief die katarischen Behörden auf, sich um den Fall zu kümmern.

Die Betroffenen kommen Amnesty zufolge vor allem aus Nepal, aber auch aus Sri Lanka, den Philippinen, Nigeria, China und Bangladesch. Sie arbeiteten bis Mitte Oktober für die Firma LTC auf der Baustelle des Al-Bidda-Wolkenkratzers, wo mehrere Sportorganisationen ihre Büros haben. LTC schulde den Arbeitern, deren Arbeitsbedingungen "Zwangsarbeit" gleichkämen, insgesamt etwa 1,5 Millionen Riyal (300.000 Euro), erklärte Amnesty weiter.

Demnach wollten die Arbeiter Klage vor dem Arbeitsgericht von Doha einreichen. Dort wurde ihnen jedoch beschieden, sie müssten Justizkosten von 600 Riyal (120 Euro) pro Person aufbringen, wenn ihr Fall weiterbearbeitet werden solle. Zu den Anschuldigungen konnte zunächst weder ein Regierungssprecher noch ein Vertreter von LTC erreicht werden.

Mitte November hatte Amnesty International bereits einen 169-Seiten-Bericht mit zahlreichen Einzelfällen und einer Gesamtkritik vorgelegt. Darin wird ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" dokumentiert. Das Öl-Emirat Katar und der Weltfußballverband Fifa sehen sich zunehmendem internationalem Druck ausgesetzt, die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 entscheidend zu verbessern.