Ich konnte nichts dafür, dass ich als Kind voller Hingabe Panini-Bilder sammelte. Das war erblich bedingt und hat mir meine Fan-Zugehörigkeit eingebracht - und meinem Vater ein Autogramm mit 1a-Nostalgie-Faktor.

Ich konnte gerade lesen und schreiben als ich schon die Panini-Bilder gesammelt habe. Als ich sechs war, ging es mit etwas ganz Zauberhaftem los, das mich Dreikäsehoch in Ekstase versetzte: Sticker der deutschen Nationalspieler, die gerade die Europameisterschaft 1980 gewonnen hatten.

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Das ist Sportsfreund Gerhard Cyliax im Dortmunder Hemd Mitte der Sechziger. (© Foto: privat)

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Der Clou: Die Spieler-Konterfeis hatten einen silber glänzenden Untergrund so wie die Mannschaftswappen im aktuellen WM 2006-Heft. Nur wirkten sie noch tausendmal edler. Erfolg macht eben sexy bzw. strahlend. Noch wie gestern hab ich das Silber-Bild von Bernd Schuster vor Augen, damals mein Lieblingsspieler. Vermutlich auch wegen des gemeinsamen Vornamens.

So motiviert machte ich mich an mein erstes Bundesliga-Album "Panini 80". Als ich es nach monatelangem Sammeln voll hatte, bin ich in die Dorfwirtschaft gerannt und hab es ganz stolz rumgezeigt.

Fotos oder Zeichnungen?

Irgendwann gab mir mein Papa seine alten Sammelhefte aus den 60er Jahren. Aral-Hefte oder wie die hießen. Die Bilder musste man damals noch mit Klebestift einpappen. Und es gab nicht nur den Kopf, sondern Ganzkörperaufnahmen der Kicker. Die Filigrantechniker beim Ballhochhalten, die fußballerisch etwas weniger versierten Kicker posierten lieber mit dem Ball in der Hand. Herrlich.

Fotografie und Druck waren damals noch nicht so weit, so dass ich mich in einigen Fällen fragte, ob ich Fotos oder Zeichnungen anschaute. Papa lenkte meine Aufmerksamkeit auf den TSV 1860 München und seine Lieblings-Stars: Brunnenmeier, Grosser, Küppers. Eine Vorprägung meines Fan-Daseins. Mein Vater ging mit mir die aktuellen Löwen-Spieler durch, mein Favorit war damals Rudi Völler. Der Durchmarsch der Sechziger in die Bayernliga erschwerte aber die ungeteilte Begeisterung.

Zur Sammel-Zeit meines Vaters war auch ein gewisser Gerhard Cyliax aktiv, Verteidiger bei Borussia Dortmund. Vor zwei, drei Jahren trafen ihn meine Eltern zufällig im Urlaub, wo er sich als Europapokalsieger der Pokalsieger 1966 vorstellte. Bevor er seiner Wege ging, kramte er sein Sammelbild aus einem der Aral-Alben hervor, signierte es und drückte es meinen Eltern in die Hand. Wer hat schon eine Autogrammkarte mit so hohem Nostalgie-Faktor?

Auch im Besonderen lag das Schlichte

Meine Mutter wird das weniger beeindruckt haben, sie sah meine jugendliche Panini-Sammelleidenschaft immer mit großer Skepsis. Fünf Jahre tolerierte sie, dass ich einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Taschengeldes in die Klebebildchen investierte, dann setzte es ein Sammelverbot. Doch der Sammeltrieb war stärker als die Angst vor mütterlichen Sanktionen.

Nach der Saison 1985/86 sah ich aber nicht mehr ein, warum ich hinter Klebebildern von Spielern wie Roman Geschlecht, Herbert Hoos oder Peter Loontiens her sein sollte. Fortan kaprizierte ich mich nur noch auf das ganz Besondere: Welt- und Europameisterschaften.

Das bedeutete Sticker von Maradona, Matthäus und Zico - aber auch von Troels Rasmussen, Fernando Quirarte oder Jung Moo Huh. Ich brauchte in meinem jugendlichen Reifeprozess noch zwei Jahre bis ich gecheckt hatte, dass das auch nicht viel besser war. Der Vorhang fiel dann bei der EM 88, als ich 14 war. Nicht nur mit dem Panini-Sammeln - sondern auch mit dem Vereinsfußball. Schade eigentlich. Löwen-Fan bin ich geblieben. Auch das eine prägende Erfahrung.

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(sueddeutsche.de)