Volleyball Trennung am Telefon

Corina Ssuschke-Voigt sollte die Führungsspielerin von Bundesligist Straubing werden - dass der Klub sie nun freigestellt hat, begründet er mit schwachen Fitnesswerten.

Von Julian Ignatowitsch

Er muss kurz nach den richtigen Worten suchen. Dann sagt Guillermo Gallardo: "Corina Ssuschke-Voigt war eine wichtige Spielerin für uns." Betonung auf: war. "Aber zuletzt konnte sie uns leider nicht mehr weiterhelfen. Sie hat nicht voll trainiert, ihre Leistung war nicht da." Es ist ein Statement, das Durchblick in einen undurchsichtigen Fall bringt. Vergangene Woche hatte der Volleyball-Bundesligist Nawaro Straubing die sofortige Trennung von der Spielerin Ssuschke-Voigt bekannt gegeben, offiziell war von "unterschiedlichen Auffassungen im sportmedizinischen Bereich" und einem "Vertrauensbruch zwischen Klub und Spielerin" die Rede. Schon seit mehr als einem Monat stand Ssuschke-Voigt nicht mehr im Kader und trainierte nicht in Straubing. Als sie über Weihnachten in ihre Heimat Dresden fuhr, teilte ihr der Verein telefonisch mit, sie müsse nicht mehr zurückkommen. Gallardos Worte machen jetzt klar, dass sportliche Gründe den Bruch mitverursacht haben - und dass Ssuschke-Voigt nach ihrer zuvorigen Babypause nie topfit gewesen ist. "Es war eine schwierige Situation", sagt der Trainer. " Corina war gesundheitlich angeschlagen, hat im Training oft pausiert, das war für die ganze Mannschaft ein Problem." Die Spielerin selbst und ihr Management lassen das so stehen.

Eine angeschlagene, bekannte Spielerin in einer unbekannten Mannschaft - das kann schnell zum Problem werden. Ssuschke-Voigt ist nicht irgendeine Spielerin. Mit 250 Länderspielen, zahlreichen nationalen und internationalen Titeln sowie 15 Jahren Profierfahrung ist sie die namhafteste Spielerin, die je im Trikot der Niederbayern aufgelaufen ist. Sie ist eine der wenigen bekannten deutschen Volleyball-Spielerinnen - so jemand setzt sich nicht gerne auf die Ersatzbank. Eine solche Reservistenrolle drohte Ssuschke-Voigt allerdings Mitte Dezember nach einem enttäuschenden Spiel in Vilsbiburg und der Auswechslung durch den Trainer. Die 32-Jährige hatte bereits zuvor nicht in Bestform gespielt. In der Frage, wie sie diese am schnellsten wieder erreichen könnte, hatten sie und ihr Verein unterschiedliche Meinungen. Zwischenzeitlich war Ssuschke-Voigt trotz der Probleme im Nationalteam aufgelaufen - in Straubing wurde sie schließlich nicht mehr berücksichtigt. Dass das Team daraufhin zwei Siege (ohne Ssuschke-Voigt) nach zuvor drei Niederlagen (mit Ssuschke-Voigt) verzeichnete, dürfte die sportliche Leitung in ihrer Entscheidung bestätigt und die Verwerfung zwischen Verein und Spielerin manifestiert haben. Beide Seiten glauben nun, dass sie ohneeinander besser aufgestellt sind.

Der Trainer des Vorletzten Suhl erklärte, ihm sei die Verpflichtung Ssuschke-Voigts "zu unsicher"

Daran hat aus Straubinger Sicht auch das 2:3 (25:21, 23:25, 25:21, 21:25, 11:15) gegen Verfolger Köpenick nichts geändert. Der Liganeuling blickt den verbleibenden neun Partien in der Hauptrunde gelassen entgegen. Die Mannschaft steht auf Platz neun, ist im Rennen um die Pre-Playoffs und weit entfernt vor den Abstiegsrängen - das Ziel Klassenerhalt erscheint realistisch. "Die letzten Leistungen waren positiv, ich bin sehr zufrieden mit unserer Entwicklung", sagt Manager Heiko Koch. In Wivian Gadelha und Barbora Purchartova hat Straubing zwei international erprobte Spielerinnen auf der Position von Mittelblockerin Ssuschke-Voigt, die den Abgang sofort auffangen können. Taktisch müsse er nichts verändern, sagt Gallardo. Der Verlust ist also überschaubar. Zudem lobt der Trainer die 20-Jährige Mira Heimrich, plötzlich erste Ersatzfrau auf der Position: "Sie ist ein sehr großes Talent und wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen."

Ssuschke-Voigt ist nach Dresden zurückgekehrt, zu ihrer Familie. Sie bereitet sich dort auf eine neue sportliche Herausforderung vor, man prüfe neue Angebote, erklärt ihre Managerin Angelina Hübner. Der Nachbarverein aus Suhl, Vorletzter der Bundesliga, könnte eigentlich dringend Verstärkung benötigen. Deren Trainer Andreas Renneberg erklärte aber gerade erst, eine Verpflichtung sei ihm "zu unsicher". Die Fragezeichen rund um die Person Ssuschke-Voigt hat auch der Rest der Liga wahrgenommen.