Volkswagen und der VfL Wolfsburg Bedenkliche Neigung zum Weltkonzernklub

Der Wechsel von Klaus Allofs zeigt: Die Bezeichnung "Werksklub" trifft auf Wolfsburg nur unzureichend zu. Hauptsponsor VW ist bei vielen Vereinen aktiv, unter anderem auch in Bremen - trotzdem verletzt die Einkaufs -und Personalpolitik des VfL im Grunde die wichtige 50+1-Regel in der Bundesliga.

Ein Kommentar von Boris Herrmann

Da waren sie lediglich Gesprächspartner: VW-Vorstandschef Martin Winterkorn (re.) und Klaus Allofs auf einem Event des Autoherstellers im Jahr 2010.

(Foto: dpa)

An diesem Mittwoch waren auf der Homepage des SV Werder Bremen Bilder zu bestaunen, die Aaron Hunt und Clemens Fritz bei einer, wie es hieß, "lustigen Probefahrt" zeigten - in einem neuen Auto aus dem Hause Volkswagen. "Der Golf bewegt auch die Werder-Profis", stand darüber. Das ist zunächst einmal eine hübsche Pointe für einen Tag, an dem die Firma VW den SV Werder noch auf viel grundsätzlichere Art in Bewegung versetzte. Hinsichtlich der Verkündung des Wechsels von Manager Klaus Allofs zum VfL Wolfsburg ist es indes weit mehr als eine lustige Anekdote. Es ist ein Erklärungsansatz.

Jeder weiß, dass es für die Wolfsburger kaum finanzielle Grenzen gibt. Dass sich eine derart spektakuläre und kostspielige Personalrochade jederzeit mit ihren Auto-Millionen stemmen lässt. Die in Bremen publizierten Fotos aber haben (zum richtigen Zeitpunkt) noch einmal verdeutlicht, dass der VfL zur Not auch mit deutlich subtileren Methoden arbeiten kann. Werder hat das zurückliegenden Geschäftsjahr gerade mit einem Rekord-Minus abgeschlossen. Der Klub ist mehr denn je auf seine Geldgeber angewiesen, seien es nun Hühnerbrust- oder Autoproduzenten.

Damit soll nicht unterstellt werden, die Bremer seien gewissermaßen zur Herausgabe von Allofs genötigt worden. Man darf in diesem Kontext aber schon daran erinnern, dass zuletzt zwei VW-Manager von der Stuttgarter Staatsanwalt vorgeladen wurden. Der Vorwurf lautet, der Autobauer habe lukrative Aufträge an Zulieferer an ein Sponsoring beim VfL gekoppelt. Das System Wolfsburg, so viel lässt sich sagen, neigt zur Wettbewerbsverzerrung.

Das oft verwendete Wort "Werksklub" entspricht den wahren Verhältnissen dabei nur unzureichend. Es klingt ja fast niedlich provinziell. Der Begriff "Weltkonzernklub" trifft die Sache schon besser. Es ist ja keineswegs so, dass VW nur in Sachen Autobau über Wolfsburg hinaus denkt. Außer in Bremen ist das Unternehmen auch bei Schalke 04, beim FC Augsburg, bei Greuther Fürth, beim 1. FC Kaiserslautern, beim VfL Bochum, beim MSV Duisburg sowie bei Eintracht Braunschweig als Sponsor im Geschäft. Und als der VfL-Interimscoach Lorenz-Günther Köstner in diesen Tagen die Bedeutung des DFB-Pokals skizzierte, hinterließ er den bemerkenswerten Satz: "Der Wettbewerb ist extrem wichtig für meine Mannschaft, denn er wird von VW gesponsert."

Nein, es ist nicht verboten, das Geld, das in Wolfsburg nun einmal im Überfluss erwirtschaftet wird, unters Volk zu bringen. Das deutsche Fußballvolk aber hat sich ein Sondergesetz gegeben. Es trägt den Namen 50+1 und besagt, dass kein Investor eine Anteilsmehrheit an einem Profi-Klub haben darf. Alle Vereine müssen sich daran halten - abgesehen von Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg.

Nicht nur der HSV-Boss Carl Jarchow sieht darin eine "gewachsene Ungerechtigkeit". Fest steht: Wäre der VfL der Regel unterworfen, hätte er seit dem Erstliga-Aufstieg 1997 nicht rund 285 Millionen Euro für Spielertransfers ausgeben können. Und einer der besten Manager der Bundesliga würde vermutlich seinen Vertrag in Bremen erfüllen.