Vierschanzentournee Warum Freund schwächelt, aber gelassen bleibt

Bleibt zuversichtlich: Severin Freund in Innsbruck

(Foto: dpa)

Severin Freund springt bei der Qualifikation von Innsbruck nur auf Platz sechs, Peter Prevc pokert: Das Duell bei der Vierschanzentournee ist so eng, dass jede Regung der beiden Springer genau beobachtet wird.

Von Volker Kreisl, Innsbruck

Am Bergisel war diesmal Ruhe. Die Skisprungschanze südlich von Innsbruck thront erhaben über der Stadt und ist besonders anfällig für störende Winde von allen Seiten. Vor einem Jahr wurde schon Tage vor dem Besuch der Vierschanzentournee über den starken Wind debattiert und gerätselt, ob er zu böig werde, ob es ein Föhnsturm werde oder ein gewöhnliches Sturmtief. Bei der Tournee 2015/2016 jedoch herrschte am Samstag Windfrieden über Innsbruck. Die Gipfelketten rundherum waren klar sichtbar, die Flugzeuge zogen ruhig und gerade über die Stadt hinunter zum Flughafen Kranebitten, und die Skispringer am Bergisel auch.

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Die Qualifikation zum dritten Springen wurde wie alle bisherigen Wettkämpfe der Tournee mit etwas mehr Spannung als sonst erwartet und auch mit mehr Aufmerksamkeit analysiert. Anders als in den Jahren zuvor zeigt die Serie diesmal ein ziemlich knappes Duell zwischen zwei nichtösterreichischen Springern, und so geschieht, was der Slowene Peter Prevc und der Deutsche Severin Freund gar nicht so sehr mögen: Jede ihrer Regungen wird beobachtet.

Der Gesamt-Erste Peter Prevc lässt die Quali aus

Severin Freund zeigte sich mit dem Tag insgesamt zufrieden, nicht aber mit dessen Abschluss. In der Qualifikation belegte er Rang sechs, er kam trotz Aufwindes nur auf 126,5 Meter und 123,3 Punkte. "Der Sprung in der Qualifikation hat nicht so grandios funktioniert", sagte er. Gewonnen hatte Michael Hayböck mit 128,1 Punkten, der damit andeutete, dass er als Tournee-Dritter trotz 21,1 Punkten Rückstandes vielleicht doch noch nicht ganz abgeschlagen ist. Und der Gesamt-Erste Peter Prevc gab überhaupt kein Bild in der Qualifikation ab. Er ist ja als Top-Springer ohnehin qualifiziert, blieb lieber im Hotel und ließ Konkurrenz und Medien über seine Form rätseln.

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So bekam er auch nicht mit, dass sein Konkurrent aus Deutschland trotz seines mäßigen Vorkampf-Auftritts auffallend entspannt blieb. Er durchschritt die Mixed-Zone, von den Kameras zu den Mikrofonen und dann zu den Aufnahmegeräten und Bleistiften und weiter zu den schwarzen Edding-Stiften der Autogrammjäger. Auf dem Weg erklärte er allen: "Ich nehme die Sprünge aus dem Training mit, die waren stärker. Vielleicht klappt es ja auch hier mit meinem ersten Podest." Denn wie die Olympiaschanze in Garmisch, wo er Dritter wurde, zählt auch der Bergisel-Bakken nicht zu den Orten, die ihm liegen. Freund ist hier noch nie unter die ersten Drei gekommen. Seine beiden Trainingssprünge waren nun jedenfalls zufriedenstellend. Den ersten Durchgang gewann er, im folgenden lag er als Zweiter knapp hinter Hayböck, Prevc wurde einmal Zweiter und einmal Fünfter.

Nur mit den Landungen im Training war der in München lebende Niederbayer nicht zufrieden, weshalb er sich in der Qualifikation auch auf den Sprungabschluss konzentriert hatte. Der Bergisel-Auslauf ist ein steiler Gegenhang, der sich durchaus auf die Balance des Landenden auswirken kann. "Ich weiß jetzt, worauf es ankommt. Das gilt es, am Sonntag umzusetzen", sagte Freund.

Die Form der deutschen Springer passt weiterhin

Wie schon in Oberstdorf und Garmisch könnten ihm auch die Eisbrecher im Team behilflich sein. So hatte Bundestrainer Werner Schuster die übrigen deutschen Springer beim Auftakt bezeichnet. Richard Freitag aus Aue, Stephan Leyhe (Willingen), Andreas Wellinger (Ruhpolding) und Andreas Wank (Hinterzarten) waren weit gesprungen und hatten sich lange in Führung gehalten, was den Lärm und den Optimismus im Stadion steigerte und Freund bei seinem Siegsprung womöglich auch etwas mitriss. Und die Form der anderen deutschen Springer passt weiterhin.

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In der Qualifikation kam Freitag auf Platz sieben und trifft am Sonntag im K.-o.-Durchgang auf Luca Egloff (Schweiz). Stephan Leyhe, der im K.o.-Duell von Garmisch den kriselnden Rekord-Springer Gregor Schlierenzauer bezwungen hatte, wurde Achter, sein Gegner ist Florian Altenburger (Österreich). Wank und Wellinger haben als 19. und 20. ebenfalls bezwingbare Gegner im ersten Durchgang. Wellinger springt gegen Vincent Descombes Sevoie (Frankreich), Wank gegen Maciej Kot (Polen).

Die Sekunden vor dem Absprung

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