Von Thomas Hahn

In Innsbruck ist Martin Schmitts zweiter Sprung wieder schlechter als der erste - doch es reicht für einen Platz auf dem Treppchen. In Schmitts Sog arbeitet sich das ganze deutsche Team nach vorne.

Diesmal war es anders. Diesmal schaute Martin Schmitt von ganz oben aufs Feld seiner Mitbewerber, und die Chance, seine Sehnsucht zu stillen, lag in noch schärferen Konturen vor ihm als bei den anderen Chancen. Der Wunsch, nach fast zwei Jahren zurückzukehren auf das Podest der besten drei Springer, hat ihn durch die 57.Vierschanzentournee begleitet, schon in Oberstdorf sah er die Chance vor sich nach einem brillanten ersten Satz, ehe er auf Platz fünf zurückfiel.

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Martin Schmitt schaffte in Innsbruck endlich den Sprung aufs Treppchen. (© Foto: AFP)

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In Garmisch-Partenkirchen hatte er den ersehnten Rang zur Pause schon, und fiel wieder zurück. Rang acht, Enttäuschung. Und nun saß er am Innsbrucker Bergisel als Letzter auf dem Balken mit einer Vorgabe aus dem ersten Durchgang, welche auch die Besten überfordert hatte. 128,5 Meter, eine Brise Aufwind hatte er zu Platz eins genutzt, und keiner aus der Elite, kein Ammann, kein Loitzl, kein Schlierenzauer hatte ihn abfangen können.

Seine Miene war unbewegt. Er durfte jetzt nichts denken. Dann sprang er. Landete. Wusste zunächst nur, dass er kürzer gesprungen war als Loitzl, der Tagessieger. 125,5 Meter. Schmitt wartete. Dann sah er die Drei aufleuchten.

Unbeirrt wirkten die Deutschen in Innsbruck, ganz bei sich und bei ihren Aufgaben, und keineswegs verwirrt durch diesen kleinen Hänger von Garmisch-Partenkirchen, der sich an Neujahr in durchwachsenen Sprüngen geäußert hatte, in leiser Enttäuschung und sogar in einem Wutausbruch. Bundestrainer Werner Schuster hatte es offensichtlich geschafft, wieder etwas Frieden in die Köpfe seiner Leute zu kriegen, die auf ihn doch etwas übermotiviert gewirkt hatte.

Eine Erklärung für Neumayer

Fehler beim Sprung findet er in Ordnung, so was kann immer passieren, gerade in Zeiten des Neuaufbaus nach Jahren der Krise. Weniger gut findet er jene Unzufriedenheit, die Konzentration aufs Wesentliche kostet, weshalb er in Partenkirchen auch den Berchtesgadener Michael Neumayer zur Seite nahm und ihm freundlich erklärte, dass er mit seinem Skischmeißen und Brillekaputtmachen vor laufender Kamera erstens innere Blockaden riskiere und zweitens keinen besonders guten Eindruck beim Publikum hinterlasse. "Man hat ja auch eine Vorbildwirkung", sagt Schuster.

Neumayer hat das dann auch gleich eingesehen. Sauer war er eben auf die miserablen Windbedingungen am Gudiberg, die ihn tief ins Mittelfeld auf Platz 24 zurückwarfen. In Innsbruck war er wieder ganz entspannt, "frisch, froh, frech", wie er selbst sagte, und erklärte zu seinem Zornestanz entschuldigend: "Das musste einfach raus." Was wiederum Schuster einsah, der zu aktiven Zeiten selbst zum Jähzorn neigte. Aber seine Kritik blieb.

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