Ein Österreicher fliegt hoch und weit: Wolfgang Loitzl gewinnt in Garmisch-Partenkirchen. Enttäuscht zeigt sich der Deutsche Martin Schmitt - als Achter.
Vom Pech und vom Schatten, den siegreiche Kollegen werfen, kann der Bad Mitterndorfer Wolfgang Loitzl ein paar Geschichten erzählen. Er ist doch einige Male schon mit knappen Rückständen an seinem ersten Weltcupsieg vorbeigeschrammt oder musste ertragen, dass die Beobachter trotz guter Leistungen an ihm vorbeischauten, weil seine jungen Teamkollegen Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer schon alle Zuneigung Österreichs verbraucht zu haben schienen. Aber am Neujahrstag in Partenkirchen schwenkte der Kegel des Rampenlichts endlich zu ihm hinüber, weil er mit einem formvollendeten zweiten Sprung das Ergebnis des Oberstdorfer Tourneeauftakts umdrehte und den Schweizer Simon Ammann auf Platz zwei verwies.
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Wolfgang Loitzl aus Österreich kann von Pech und Schatten ein paar Geschichten erzählen - am Neujahrstag stand er im Rampenlicht (© Foto: dpa)
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"Ein Traum" nannte Loitzl das Geschehen, aber er spürt nun auch den Aufwind einer Chance: Denn er und Ammann stehen zur Halbzeit der 57. Vierschanzentournee fast gleichauf im Kampf um den Gesamtsieg, weil der 18-jährige Gregor Schlierenzauer nach seinem nächsten vierten Platz als Gesamtdritter schon etwas Abstand hält. Und auch die Gefahr durch den besten Deutschen Martin Schmitt gebannt ist: Nach Platz drei zur Pause verließ Schmitt als enttäuschter Achter die Olympiaschanze.
Die Tournee ist immer auch ein Theater der inneren Akte, die Teilnehmer setzen einen ganzen Reigen an subtilen Zeichen, Andeutungen und symbolhaften Handlungen. Und besonders Ammann erweist sich dabei als Meister der psychologischen Wettkampfführung.
"Der Anfang war immer ein bisschen harzig"
"Ich habe einen Plan", hatte Ammann in Oberstdorf gesagt, ohne zu vertiefen, was das für ein Plan sei. Aber dann machte er seinen Auftaktsieg noch ein bisschen größer, als er ohnehin schon war: Der Schattenberg liege ihm gar nicht so, "der Anfang war immer so ein bisschen harzig", weshalb er den Erfolg zum "Meilenstein" erklärte. Mit verborgenen Grüßen an die Österreicher verwies er auf eine Restmüdigkeit vom Weihnachtsfest: "Wenn ich bessere Beine gehabt hätte, hätte ich mit mehr Abstand gewonnen." Und an Silvester ließ er die Qualifikation aus.
Einen "abgezockten Hund" nannte Toni Innauer, Österreichs Skisprungdirektor, den Schweizer und trug da wohl schon die leise Sorge, ob seine Leute dieser gefährlichen Routine gewachsen sein würden. Jedenfalls wirkte es schon ein bisschen bemüht, als sie ihre knappe Niederlage in eine Art Sieg umdeuteten.
Cheftrainer Alex Pointner erinnerte an Schlierenzauers vergebliches Unternehmen im vergangenen Jahr, einen Vorsprung ins Ziel zu retten und fand die Variante mit Rückstand demonstrativ sympathisch. "So bleiben wir im Prozess und schweben nicht so dahin", sagte er und vermeldete über seinen Oberstdorf-Vierten Schlierenzauer: "Der wird nicht einfach Vierter." Und in der Tat konterte Gregor Schlierenzauer am Silvestertag zunächst mit einem Qualifikationssprung auf die Tagesbestweite von 135Metern, was zu der pikanten Situation führte, dass an Neujahr das letzte K.o.-Duell des ersten Durchgangs Ammann und Schlierenzauer vereinte.
Enttäuschung beim Abschwingen
Ob Ammann darauf spekuliert hatte? Als das Jahr 2009 angebrochen war, mit etwas Neuschnee und Wolken am Gudiberg, wirkte er jedenfalls ausgeruht und sicher. Wie selbstverständlich setzte er im ersten Durchgang die Tagesbestweite von 140 Metern ins Tal, die Schlierenzauer unter Druck setzte. Und tatsächlich konnte der Musterschüler nicht antworten.
Gesten der Enttäuschung zeigte er beim Abschwingen. 134 Meter, wie schon am Schattenberg hatte er sich einen Fehler erlaubt, und sah sich zurückversetzt auf Platz fünf, noch hinter den zweitplatzierten Landsmann Wolfgang Loitzl, hinter Schmitt und den wiedererstarkten Norweger Anders Jacobsen. Schlierenzauer bemühte sich redlich, aber bei wechselnden Winden war er im zweiten Durchgang nur noch Zuschauer, als Loitzl seine Rolle als Siegspringer übernahm und um den Hauch von 1,7 Punkten vor Ammann auf Platz eins schlüpfte.
Seinen Ehrgeiz schien Schlierenzauer falsch dosiert zu haben, und das war dann auch die Analyse, die Martin Schmitt traf, als Bundestrainer Werner Schuster dessen Tagwerk besprach. Schmitt als Achter und Uhrmann als Vierzehnter brachten diesmal die besten deutschen Platzierungen ein, Schuster urteilte dennoch milde über eine "gute Performance" seines Teams, das fast komplett im Windloch des Partenkirchener Nachmittags versackte.
Kampf der Köpfe geht weiter
Aber Schmitt kam ihm wieder so vor, als habe er nach seinen brillanten 135 Metern im ersten Durchgang die Chance auf den ersten Podestplatz seit zwei Jahren wieder zu scharf vor sich gesehen. "Er will es unbedingt", sagt Schuster, "da ist es schwierig, entspannt genug zu bleiben."
In der Tat war Schmitts zweiter Flug auf 124 Meter unruhig, als habe er ihn zu wuchtig in die Luft gebracht. "Ich falle mit dem Körper ein bisschen in den Ski rein", sagte Schmitt, "die Enttäuschung ist riesig." Aber die Theorie vom übersteuerten Siegeswillen gefiel ihm nicht: "Damit würde man es sich zu einfach machen." Er fand sich auf dem Balken "sehr gelöst und klar im Kopf".
In der anderen Liga wiederum ging der Kampf der Köpfe weiter. Für Loitzl war Neujahr plötzlich "Weihnachten und Ostern an einem Tag" und er feierte sein Kopf-an-Kopf-Rennen als willkommene Gelegenheit, denn: "Ich bin in der Form meines Lebens." Und Simon Ammann sagte gelassen, sein zweiter Sprung auf 134,5 Meter sei "ein bisschen verwackelt gewesen" und bereute nichts. "Es ist eine gute Ausgangslage." Er war um 0,5 Punkte Zweiter in der Tournee-Wertung, aber er hatte wieder irgendeinen psychologischen Vorteil gefunden.
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(SZ vom 02.01.2009/mikö)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Wenn das Skispringen sich weiterentwickeln will und die Springer nicht mehr von den Wertungsrichtern mit ihren Vorlieben und Mauscheleien abhängig sein wollen, gehört als erstes der Telemark abgeschafft. Der erste Sprung von Amann in Partenkirchen hat gezeigt, wie schön eine Landung bei 140 Metern mit beiden Beinen gleichzeitig sein kann. Erst nach dem Bodenkontakt hat der Schweizer ein Bein nach hinten versetzt, damit es wie ein Telemark aussehen sollte. Ab da wurde die Ausfahrt des Schweizers instabil. Der Telemark war in alter Zeit, als man noch meinte, die parallele Skiführung in der Luft wäre das einzig Wahre, möglicherweise ein schöner Abschluss. Heute ist der Telemark nur noch ein kompletter Blödsinn, der nur deshalb überlebt, weil sonst die Herren Funktionäre auf dem Wertungsturm ihre Existenzvberechtigung verlieren.
SCHAFFT den TELEMARK AB. Er ist Schwachsinn. Warum machen Skispringer, wenn es zu weit geht und ein Schanzenrekord gesprungen wird " ZUR SICHERHEIT KEINEN TELEMARK ". ? KeinTelemark dient also schlussgefolgert der Sicherheit unserer Sportler.
WÄRE ES NICHT SCHÖN, wenn ich als Zuschauer anhand der Weite selbst ausrechnen kann, wer wie plaziert ist ?
SCHLUSS MIT DEM NORWEGISCHEN KNICKS !
Vielleicht kann man beim Skifliegen einen Anfang vom Ende machen.