Schiedsrichter So funktioniert der Videobeweis bei der WM

Roberto Rosetti, Leiter des VAR-Projekts, präsentiert den Kontrollraum für den Videobeweis bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

(Foto: dpa)
  • In Russland gibt es erstmals den Videobeweis bei einer WM.
  • Einige Dinge verändern sich im Vergleich zum System in der Bundesliga, unter anderem wird das Videoassistenten-Team größer.
  • Außerdem können die Zuschauer live mitverfolgen, was gerade entschieden wird.
Von Christopher Gerards

Wer die strittigsten Schiedsrichterentscheidungen der Fußballgeschichte finden will, muss nicht lange suchen. Sie erscheinen in Bildergalerien im Internet: das Wembley-Tor 1966, Maradonas bzw. "Gottes" Hand 1986, das nicht gegebene Tor des Engländers Frank Lampard 2010 gegen Deutschland - solche Momente zum Beispiel. Wenn es nach dem Weltverband geht, soll diese Liste künftig nicht mehr länger werden, jedenfalls hoffen das die Verantwortlichen der Fifa.

Denn zur WM in Russland wird es - wie schon in der jüngsten Bundesligasaison - erstmals den Videobeweis geben. Aber wie genau wird das ablaufen? Was ist anders als in Deutschland? Wie ausgereift ist das System? Dazu zusammengefasst die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum gibt es bei der WM in Russland den Videobeweis?

Kurze Antwort: Weil es das Fifa-Council im März so entschieden hat. Längere Antwort: Weil der Weltverband - anders als der europäische Fußballverband Uefa - von dem visuellen Hilfsmittel offenbar überzeugt ist. Fifa-Präsident Gianni Infantino hat in der Welt auf eine Studie verwiesen, wonach bei Anwendung des Videobeweises 99 Prozent der Schiedsrichterentscheidungen richtig seien. Die Neuerung sei "ganz objektiv gesehen eine Hilfe". Noch sei "nicht alles perfekt", er erwartet aber "sicherlich keine wirklich schlimmen Fehler".

Wird der Videobeweis bei der WM genauso ablaufen wie in der Bundesliga?

Klares Jein. Der Videobeweis wird auch bei der WM generell nur in vier entscheidenden Situationen zum Einsatz kommen: bei Torszenen, Elfmeterszenen, roten Karten und Verwechslungen von Spielern.

Was ist anders als in der Bundesliga?

Drei Dinge. Erstens hat der Videoassistent ein größeres Team um sich herum. In der Bundesliga helfen ihm nur zwei Video-Techniker, bei der WM sind es vier. Vor allem aber unterstützen ihn, im sogenannten Video Operation Room in Moskau: ein Assistent, der nur die Livekamera beobachtet (auch während der Videoassistent sich eine Szene noch mal anschaut); ein Assistent, der sich nur um Fragen rund ums Abseits kümmert; und ein Assistent, der den Videoassistenten bei der Beurteilung von Szenen und in der Kommunikation mit dem Abseits-Assistenten unterstützen soll. Anders ist zudem, dass sogenannte kalibrierte Abseitslinien zum Einsatz kommen - sie sollen bestimmen helfen, ob ein Spieler im Abseits stand oder nicht. In der Premierensaison in Deutschland stand diese kalibrierte Linie den Videogutachtern in Köln noch nicht zur Verfügung.

Wer sitzt noch im Videoraum?

Ein Fifa-Mitarbeiter - und das führt zur dritten Neuerung. Denn bei der WM sollen auch die Zuschauer im Stadion und am TV erfahren, warum das Spiel gerade pausiert. Also: warum eine Szene strittig ist, warum das Schiedsrichterteam sie begutachtet. Der zuständige Fifa-Mitarbeiter, ausgestattet mit einem Tablet, informiert die Fernsehsender über den Vorgang. Er kann nämlich laut Fifa-Auskunft hören, was die Schiedsrichter sagen - und sehen, was die Kameras im Kontrollraum zeigen. Außerdem sollen automatisch "VAR-spezifische" Bilder an die Sender und auf die Leinwand im Stadion gehen. VAR steht als Abkürzung für: "Video Assistant Referee".