VfL Wolsburg Schmidts Rücktritt entblößt Wolfsburgs Manager

Martin Schmidt mag nicht mehr: Der Schweizer ist als Trainer des VfL Wolfsburg zurückgetreten.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)
  • Der Schweizer Martin Schmidt ist nicht länger Trainer des Bundesligisten VfL Wolfsburg.
  • Es scheint, als habe der Verein derzeit keinen "Plan B" - obwohl es die sportliche Situation eigentlich dringend verlangt.
Von Javier Cáceres

Am Samstag noch hatte sich der Bundesligatrainer Martin Schmidt, 50, auf die Reise mit dem VfL Wolfsburg nach Mainz gefreut. Er hatte dort fast sieben Jahre lang gearbeitet, zunächst als Trainer der zweiten Mannschaft des dortigen FSV, später dann (bis Mai 2017) als Coach der Bundesligamannschaft. Nach dem 1:2 der Wolfsburger vom Samstag gegen den FC Bayern erzählte Schmidt, dass ihn zahllose Freunde mit Botschaften der Vorfreude über das bevorstehende Wiedersehen eingedeckt hätten: Wolfsburg muss am Freitag (20.30 Uhr) in Mainz antreten. Seit Montag steht fest: Schmidt wird noch mehr Zeit für seine Freunde haben. Denn am Montag erklärte er seinen Rücktritt als VfL-Coach.

Schmidt, ein Schweizer, war erst im September zum VfL gestoßen, als Nachfolger von Andries Jonker, der seinerseits auf den gleichfalls glücklosen Valerien Ismaël gefolgt war. Keiner dieser drei hielt länger als sieben Monate durch. Martin Schmidt holte in 22 Pflichtspielen fünf Siege und elf Unentschieden, die ihm den Spitznamen "Remis-Martin" einbrachten - in Anlehnung an einen bekannten Weinbrand. Der VfL Wolfsburg befindet sich aktuell auf dem 14. Tabellenplatz, nur einen Punkt vor Mainz 05, der mit 23 Zählern den Relegationsplatz belegt. Dort war der VfL am Ende der vergangenen Saison gelandet.

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Jenes Saisonresultat hatte die Wolfsburger in Demut baden lassen. Für die laufende Saison hatte der Bundesligist einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgerufen. Gemessen daran, dass der VfL noch immer zu den Vereinen zählt, die nach ihrem Etat im oberen Drittel der Bundesliga anzusiedeln sind, war das alles andere als eine exorbitante Zielsetzung. Doch im Lichte der bisherigen Saisonergebnisse war sie wohl doch zu fordernd.

In der Pressemitteilung des VfL vom Montagabend hieß es, Schmidt wolle dem Wolfsburg ermöglichen, die aktuelle sportliche Situation durch neue Impulse von der Trainerbank zu verbessern und den immer weiter ansteigenden öffentlichen Druck - auch gerade gegenüber seiner Person - vom Verein zu nehmen. Diese Einsicht ehrt Schmidt, dessen Name nun für den achten Trainerwechsel der laufenden Saison steht. Zuletzt hatte der VfL nicht nur drei Niederlagen aneinandergereiht, sondern auch spielerisch teilweise massiv enttäuscht - vor allem beim Duell mit einem direkten Abstiegskampf-Rivalen, dem SV Werder Bremen. Gleichzeitig entblößte Schmidts Selbstkasteiung aber auch Führungsriege der Wolfsburger. Diese war vom Demissions-Wunsch Schmidts völlig überrascht - und hatte bei ersten Gesprächen vom Sonntagabend und dann bei finalen Unterredungen am trainingsfreien Montag noch versucht, Schmidt umzustimmen.

Es geht jetzt auch um Rebbes Job

"Intern waren wir alle fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam das Blatt wenden werden", ließ VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher ausrichten, "entsprechend überraschend und unvorhersehbar kam nun dieser Vorstoß von Martin Schmidt, zumal wir seine Beweggründe nicht in allen Teilen nachvollziehen können". Jenseits davon, dass noch kein Nachfolger feststeht und erst am Dienstagmorgen klar sein wird, wer das für 16 Uhr anberaumte Training leiten wird, liest sich das, als gäbe es beim VfL keinen "Plan B", obwohl vor Tagen schon Medienberichten kursierten, nach denen mit Jens Keller (bis Dezember beim Zweitligisten Union Berlin) ein möglicher Nachfolger parat stehe.

Nun ist Manager Olaf Rebbe gefordert - der aber wegen der Fehlschläge bei der Trainerauswahl und der Kaderzusammenstellung auch inter heftig in der Kritik steht. Er hat Anfang 2017 rund 112 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Ohne Erfolg. Es geht nun auch um seinen Job. Auch um Rebbe gab es zuletzt Rücktrittsgerüchte, die allerdings dementiert wurden. Auch ein Nachfolgekandidat wurde bereits gehandelt: Kölns früherer Manager Jörg Schmadtke.

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