VfB Stuttgart Sogar ein Gegentor weniger als München

Mit Maske fröhlich: VfB-Kapitän Christian Gentner.

(Foto: dpa)
Von Matthias Schmid, Stuttgart

In Stuttgart hat es sich noch nicht vollständig herumgesprochen, dass Uli Hoeneß auf altmodische Kommunikationsmittel schwört. Er telefoniert oder schickt Faxe. Die technischen Errungenschaften von Handys oder gar Smartphones kann und will der Präsident des FC Bayern nicht ausschöpfen. "Uli kann nicht simsen", entgegnete also Stuttgarts Sportdirektor Michael Reschke auf die Frage eines Journalisten, ob sich der Bayern-Präsident schon beim VfB bedankt habe.

Durch den 2:1-Sieg der Stuttgarter gegen Borussia Dortmund ist der Vorsprung der Bayern auf den BVB mittlerweile auf neun Punkte angewachsen, nachdem sie vor wenigen Wochen noch fünf Punkte Rückstand auf ihren Rivalen hatten. Reschke, bis August Technischer Direktor der Münchner, darf aber nicht zu viele Nettigkeiten seines früheren Vorgesetzten erwarten.

Klassische Manndeckung gegen Dortmund

Denn: Die Stuttgarter haben sich heimlich, still und leise neben den Bayern zur besten Heimmannschaft in der Bundesliga entwickelt. Wie München kommt Stuttgart auf 16 Punkte, hat dabei sogar ein Tor weniger kassiert (nur zwei), allerdings auch etliche weniger geschossen. Im gesamten Kalenderjahr hat der VfB kein Heimspiel verloren. Und das in Zeiten, in denen die Münchner alle sonstigen Positivstatisiken ganz allein anführen.

Nun sogar mit Slapstick

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"Der Sieg gegen die Dortmunder ist für das Empfinden des Vereins wichtig", sagte Reschke, weil er ahnt, dass der VfB nach seinem Aufstieg so auch bundesweit wieder eine höhere Aufmerksamkeit genießt. Wie selbstbewusst die Stutgarter in der heimischen Arena auch gegen die Großklubs inzwischen auftreten, haben die Fans am Freitagabend gegen Dortmund beobachten können. VfB-Trainer Hannes Wolf hatte sich dabei etwas Besonderes einfallen lassen: Er ließ seine Spieler mannorientiert verteidigen, mit fast klassischer Manndeckung alter Prägung. Die Förster-Brüder oder Guido Buchwald hätte diese Taktik verzückt.

Sie ist in Zeiten größtmöglicher Akademisierung im modernen Fußball außergewöhnlich, aber gegen desorientierte Dortmunter sehr effektiv gewesen. So folgte zum Beispiel Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar Mario Götze überall hin und Timo Baumgartl wich Andreij Jarmolenko nicht von der Seite. "Dieser Sieg hilft uns unendlich in unserer Entwicklung", sagte Hannes Wolf, "aber beruhigend ist er keineswegs. Dafür ist in der Bundesliga einfach zu viel Dampf drin."

Dass der VfB trotz seiner fast perfekten Heimbilanz weniger nach oben als nach unten schaut, liegt auch an den Resultaten in den fremden Stadien. Die Württemberger sind die einzige Mannschaft in der Bundesliga, die auswärts noch keinen Punkt hat erringen können, alle sechs Spiele gingen verloren. Und am Freitag steht nun die Partie bei Mitaufsteiger Hannover 96 an.