Ein fatales Gesamtkunstwerk: Die dezimierten Stuttgarter werden auch in Hamburg vorgeführt. Bald könnte es zu Diskussionen um Trainer Veh kommen.
Manchmal kann auch eine Spielerauswechslung für ein tosendes Stadion sorgen. 62. Minute: Der Trainer des Hamburger SV, Huub Stevens, beordert Ivica Olic vom Platz. Die - abgesehen von den Stuttgarter Gästen - ohnehin bestens gelaunten Zuschauer erheben sich. Auch im kleinen Block hinter der Auswechselbank, wo die HSV-Verletzten ihren Platz haben, stehen sie auf, um dem Kollegen zu applaudieren: Die ziemlich teure niederländisch-südamerikanische Fraktion van der Vaart, de Jong, Castelen, Sorin und Guerrero mag gar nicht mehr aufhören mit dem Beifall für Olic und die eigene Mannschaft, die nun wieder eine Spitzenmannschaft ist.
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Heute Jubel, wo gestern Trauer war: Der Hamburger SV freut sich über eine gelungene Saison, während Gegner VfB Stuttgart leidet. (© Foto: Reuters)
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4:0 stand es da schon, und Olic, der im vergangenen Winter aus Moskau gekommene Kroate, hatte bereits in der ersten Halbzeit geschafft, was nicht einmal den HSV-Helden Uwe Seeler, Horst Hrubesch oder Kevin Keegan in der Bundesliga glückte: drei Tore in nicht einmal einer halben Stunde (7., 22., 35.). Am Ende stand es 4:1. Der Stuttgarter Serdar Tasci (73.) hatte nach Joris Mathijsens Jubiläums-Tor, dem 2500. HSV-Bundesligatreffer (60.), wenigstens die Ehre des VfB gerettet, der ansonsten nicht nur in der Abwehr so lahm wirkte wie ein alter Gaul mit Arthrose. Dabei war dieses Spiel eigentlich genau so gelaufen wie im April an gleicher Stelle. Nur "eben umgekehrt'', wie Stevens trocken bemerkte.
Damals hatten die Stuttgarter nach glänzender Vorstellung 4:0 geführt. Statt des diesmal nach einer kleinen Treterei gegen David Jarolim vom Platz gestellten VfB-Kapitäns Pavel Pardo (45.) sah seinerzeit der Hamburger Änis Ben-Hatira (34.) die rote Karte. Und am Ende war der 4:2-Erfolg der Stuttgarter ein Riesenschritt auf dem Weg zum Titel. Nun aber sangen die HSV-Fans schadenfroh: "Deutscher Meister, keiner weiß warum''.
Tatsächlich wirkten die in Gelb-schwarz angetretenen VfB-Spieler wie eine Kopie der Hamburger Mannschaft von damals. Ein Team, das nach einer überragenden Saison abstürzte bis in die Abstiegszone, weil es nicht gewohnt ist, dauerhaft wie Bayern München oder Werder Bremen oben zu stehen. Geknechtet von einer "hohen Erwartungshaltung'', wie Torwart Rafael Schäfer sagte und - ebenfalls wie damals der HSV - "von einem Gesamtkunstwerk mit vielen Verletzten und vielen jungen Spielern'', wie Schäfer weiter feststellte. Sieben Spieler fehlten vor dem Spiel, nun sind es nach Pardos Platzverweis schon acht.
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