VfB Stuttgart Das Land schwätzt Schwäbisch

Zwei echte VfBler, die nicht mehr das VfB-Trikot tragen: Mario Gomez und Joshua Kimmich (rechts).

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim Länderspiel zuletzt in Stuttgart haben sechs frühere VfB-Spieler gespielt.
  • Die Verantwortlichen wollen nun verhindern, dass Talente wie Kimmich, Leno und Werner den Klub so einfach verlassen.
  • Hier geht es zu den Ergbnissen in der Bundesliga.
Von Christof Kneer, Stuttgart

Ron-Robert Zieler, Andreas Beck, Holger Badstuber und Dennis Aogo haben zusammen 58 Länderspiele bestritten. In diesem Zusammenhang stellt sich jetzt natürlich die spitzfindige Frage, ob man diese vier nun als Nationalspieler oder als Ex-Nationalspieler bezeichnen sollte. Aber ein Weltmeister bleibt ja auch für immer ein Weltmeister, oder hat man schon mal gehört, dass jemand Franz Beckenbauer als Ex-Weltmeister bezeichnet hat? Zieler, Beck, Badstuber und Aogo sind also deutsche Nationalspieler, so gesehen - mit der kleinen Zusatzanmerkung vielleicht, dass sie nicht mehr in der deutschen Nationalmannschaft spielen.

Als die deutsche Nationalmannschaft vorigen Montag in Stuttgart auftrat, hat niemand im Publikum Zieler, Beck, Badstuber und Aogo vermisst, obwohl alle vier neuerdings beim örtlichen VfB Stuttgart Fußball spielen. Das war nicht bös gemeint vom Publikum, niemand hat was gegen Zieler, Beck, Badstuber und Aogo; aber an diesem Abend hatte das Publikum einfach keine Extra-Emotionen mehr frei. Die Leute waren völlig damit ausgelastet, ihre vorhandenen Emotionen zu sortieren: Sollten sie Timo Werner auspfeifen, der es vor einem Jahr gewagt hatte, den abgestiegenen VfB zu verlassen, um an seine Karriere zu denken? Oder sollten sie ihm zujubeln, dem Kerle, dem schwäbischen? Und überhaupt, die Reihenfolge: Sollten die Leute erst "Mario Gomez" brüllen und dann "Sami Khedira" oder umgekehrt?

Wer alles im virtuellen VfB-Trikot steckt

Der VfB Stuttgart hat eine Art Bundesliga-Heimspiel gehabt beim Länderspiel zwischen Deutschland und Norwegen (6:0). In einem virtuellen VfB-Trikot steckten: Sami Khedira, Mario Gomez, Timo Werner, Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Sebastian Rudy und Bernd Leno. Sie bildeten die Gruppe der sieben Schwaben, die ursprünglich sogar mal zu acht zum DFB angereist waren, bevor sie unterwegs Serge Gnabry wegen einer Verletzung verloren. Der Form halber sollte hier allerdings ebenfalls eine Zusatzanmerkung angefügt werden: Denn diese sieben Schwaben, herangewachsen und ausgebildet alle beim VfB, spielen inzwischen für Klubs, die knapp außerhalb Schwabens beheimatet sind, für Juventus Turin etwa, den VfL Wolfsburg, RB Leipzig, Bayern München, den FC Chelsea oder Bayer Leverkusen.

Mit einer "Mischung aus Stolz und Wehmut" nehme er das hohe Schwabenaufkommen im DFB-Aufgebot wahr, sagt Wolfgang Dietrich, 69, der dem VfB seit Oktober 2016 als Präsident vorsteht. Dietrich ist keiner, der die Abtastphase in einem Fußballspiel für eine gute Erfindung hält, er hat vom Anpfiff weg ein hohes Tempo vorgelegt. Er ist mit dem VfB in die erste Liga aufgestiegen, er hat die Ausgliederung der Profiabteilung durchgesetzt, und kürzlich hat er sich getraut, gegen die öffentliche Meinung den Sportchef Jan Schindelmeiser aus dem Amt zu entfernen.

Außerhalb der Klubmauern ist die Entscheidung bis heute nicht leicht zu durchschauen, es ging dabei sicher auch um Große-Jungs-Dinge, also wer mehr zu sagen, wer was auszuführen und wer wann wen zu informieren hat; aber es ging auch ums Grundsätzliche, um den Weg, der den VfB mittelfristig wieder ans Ziel führen soll.