Vettels Formel-1-Titel sicher Fia weist Ferrari-Bedenken ab

Hat Sebastian Vettel im letzten Saisonrennen in Sao Paulo überholt, obwohl gerade wegen eines Unfalls gelbe Flaggen gewunken wurden? Nein, sagt der Automobil-Weltverband Fia. Vettel habe sich regelkonform verhalten. Seinen Weltmeister-Titel hat der Red-Bull-Pilot damit sicher.

Ein angeblicher Ferrari-Protest sorgte kurzzeitig in der Formel-1-Welt für Aufregung. Der Rennstall des erneut geschlagenen WM-Zweiten Fernando Alonso hatte den Internationalen Automobilverband Fia schriftlich aufgefordert, das Überholmanöver von Sebastian Vettel angeblich unter gelben Flaggen beim Saisonfinale in Sao Paulo zu prüfen. Das teilte das italienische Team am Donnerstag via Twitter mit. Die Fia lehnt eine nachträgliche Untersuchung nun jedoch ab.

Der Vorwurf: Vettel soll in seinem Red Bull angeblich unter gelben Flaggen am Sonntag bei seiner Aufholjagd den Franzosen Jean-Eric Vergne vom Schwesterteam Toro-Rosso überholt haben. Die vermeintlichen Belege: Videomaterial, das erst nach dem Rennen an die Öffentlichkeit kam und nun im Internet kursiert. "Wir prüfen das Material", war ein Ferrari-Sprecher im englischen Telegraph zitiert worden: "Alles, was die Glaubwürdigkeit der WM gefährdet, muss untersucht werden."

Zu einer Untersuchung von der Fia wird es jedoch nicht kommen. "Vettel hat nichts falsch gemacht. Es gab widersprüchliche Flaggen- und Leuchtsignale", sagte ein Fia-Sprecher der Sport Bild. Die fraglichen Ereignisse seien bereits während des Rennens untersucht worden. Von einer Strafe gegen Vettel wurde zu diesem Zeitpunkt abgesehen, womit sein Titel im Nachhinein auch durch einen Protest des Kontrahenten Ferrari nicht mehr in Gefahr geraten könnte. "Eine weitere Untersuchung oder Proteste wird es nicht geben", hieß es von Fia-Seite.

Normalerweise werden Verstöße gegen gelbe Flaggen mit einer Durchfahrtsstrafe geahndet. Nachträglich - bislang aber immer noch am Renntag - werden für gewöhnlich 20-Sekunden-Strafen verhängt. Das hätte im Fall von Vettel aber bedeutet, dass er hinter Michael Schumacher und Vergne auf den achten Rang gerutscht wäre. Damit wäre der Drei-Punkte-Vorsprung auf Alonso dahin gewesen und der Spanier mit einem Zähler Vorsprung Weltmeister geworden.

Ferrari hatte mit seiner Anfrage aber noch keinen offiziellen Einspruch gegen die Rennwertung eingelegt. Wäre es dazu kommen, hätte das Berufungsgericht der Fia entscheiden müssen. "Flaggen-Krimi um Vettel. Steht der WM-Titel zur Diskussion?", schrieb bereits die italienische La Gazzetta dello Sport. "Von all den bemerkenswerten Neuheiten in der Formel 1 wäre dies etwas ganz Besonderes: Ein Gerichtsverfahren per Internet", urteilte bereits mit einigem Spott die Londoner Times.

Die Aufregung kam für Vettel ungelegen. Der jüngste Dreifach-Champion der Formel-1-Geschichte, der sich die ganze Saison über von Sticheleien und Psychospielchen durch Alonso und Ferrari nicht beirren lassen hatte, steckt im Party-Marathon. Vettel will an diesem Samstag seine Feierrunden mit einem Showrun in Graz fortsetzen. Die Frist für einen Einspruch von Ferrari läuft indes an diesem Freitag ab.

Manche vermuten, dass Alonos hinter einem möglichen Protest steckt. "Ich brauche keine Wunder, ich mache meine Wunder mit richtigen Gesetzen", hatte Alonso jüngst getwittert und sämtliche Spekulationen um einen Protest in Fahrt gebracht.