Verurteilter Bayern-Profi Breno Hoeneß kündigt Besuch an

Einen Tag, bevor die Meldung aus São Paulo bekannt wird, sitzt Steffen Ufer in seinem Büro in der Münchner Seidlstraße, große Fenster, großer Schreibtisch, er hat schon viele Prominente vertreten, ein paar Wochen nach dem Urteil hat er auch den Fall Breno übernommen. Breno hat in der Nacht auf 20. September 2011 das Haus in Grünwald angezündet, in dem er wohnte, das ist laut Urteil des Landgerichts München I aufgrund einer "lückenlosen Indizienkette" erwiesen. Ufer legte Revision ein, wegen Fehler im Verfahren und in der Urteilsbegründung, die Revision ist beim Bundesgerichtshof. Außerdem hat er eine Verfassungsbeschwerde eingelegt: Weil die Revision noch läuft, ist Breno Untersuchungshäftling, und in vergleichbaren Fällen sei es unüblich, den Verurteilten bis zum endgültigen Urteil zu inhaftieren, sagt Ufer, wenn der Verurteilte sich an alle Auflagen gehalten hat. Breno, sagt Ufer, habe genau das getan, "er hat alles gemacht, was man von ihm wollte" - vorausgesetzt, er hat wirklich keinen Vertrag im Ausland unterschrieben. Die Entscheidung über die Beschwerde könnte bald fallen, vielleicht schon in den nächsten Tagen.

Bis eine Entscheidung über die Revision fällt, dürfte es dagegen noch dauern, "zwei Monate, vielleicht länger", sagt Ufer. Sollte die Revision zurückgewiesen werden und das Urteil bestätigt werden, hat sich Ufer schon einen Plan überlegt: Er könne, sagt er, sich eine Lösung wie jene im Fall Koç "gut vorstellen". Mehrere Vereine haben schon bei ihm angefragt, der FC Bayern würde Breno mittrainieren lassen, erst vor ein paar Tagen hat Uli Hoeneß bei Ufer angerufen, man kennt sich von früher; Hoeneß will Breno demnächst besuchen. Der 1. FC Nürnberg hat ebenfalls Hilfe angeboten, auch Jahn Regensburg habe sich gemeldet, sagt Ufer, vor allem aber haben mehrere Klubs außerhalb des Freistaats Interesse bekundet, und das könnte nun Brenos größte Chance sein.

Der bayerische Staat ist streng, der Norden und der Westen der Republik sind liberaler. Ein offener Vollzug wie der von Süleyman Koç wäre in Bayern wohl eher schwer vorstellbar, aber in Berlin? In Hamburg? In Köln? Sollte die Revision zurückgewiesen werden, erwägt Steffen Ufer, eine Verlegung des Häftlings zu beantragen.

Ein Fußballprofi ist kein normaler Arbeitnehmer, deshalb ist auch die Resozialisierung bei einem Fußballprofi speziell: Er hat nur ein paar Jahre, um seinen Beruf auszuüben und damit in ein stabiles soziales Umfeld zurückzukehren. Wie stabil Brenos Umfeld ohne Fußball wäre, ist schwer zu beurteilen, auch Steffen Ufer will dazu nichts sagen. Mehrere Manager, die deutlich ältere Frau, die sich zwar sehr kümmert, aber doch auch dominant auftritt, überfordert ist: schwieriges Thema.

Steffen Ufer besucht Breno regelmäßig, vor kurzem erst hat er ihm mehrere hundert Unterschriften von Nürnberger Fans mitgebracht, um ihn aufzumuntern. In Stadelheim sei Breno beliebt, "weil er freundlich ist, er strahlt immer alle an". Wie es Breno gehe? Ganz gut, sagt Ufer.

So gut eben, wie es einem als Häftling gehen kann.