Verurteilter Bayern-Profi Breno Gefragter Häftling

Gute Führung in Stadelheim: Vom inhaftierten Breno gab es zuletzt positive Nachrichten. 

(Foto: dapd)

Der wegen Brandstiftung inhaftierte Bayern-Spieler Breno hat einen Vertrag beim FC São Paolo unterschrieben - behaupten die Brasilianer. Stimmt nicht, sagt der Fußballer selbst und verweist auf seine Manager. Fest steht: Auch mehrere deutsche Klubs bekunden ihr Interesse, Hoffnung für Breno kommt vor allem aus dem Norden.

Von Michael Neudecker

Neulich haben sie Breno von Süleyman Koç erzählt, da hat Breno sich gefreut, sagt Steffen Ufer, Brenos Anwalt. Süleyman Koç ist ein deutsch-türkischer Fußballprofi, der beim SV Babelsberg spielt, in der dritten Liga, mehrere Zeitungen haben über ihn berichtet, zuletzt der Stern vor einer Woche: Über den Fußballer, der im Gefängnis sitzt und doch Fußballer sein kann. Irgendjemand hat Breno dann noch die Zeitschrift in die Hand gedrückt, als Beweis: Es gibt Hoffnung.

Der Fall Koç ist jetzt ein Vorbild für Breno, er ist dem Fall Breno ja sehr ähnlich. Koç, Jahrgang '89, sitzt in Berlin im Gefängnis, drei Jahre, neun Monate wegen schweren Raubes, er galt als Talent, als er verhaftet wurde; Breno, ebenfalls Jahrgang '89, sitzt in München-Stadelheim, drei Jahre, neun Monate wegen schwerer Brandstiftung. Er galt nicht nur als Talent, er war Profi bei Bayern München, ein brasilianisches Juwel, verpflichtet für zwölf Millionen Euro Ablöse. Der Unterschied aber ist: Koç darf als Fußballprofi arbeiten. Seit November lebt er im offenen Vollzug, hat Freigang von 8 bis 22 Uhr, er trainiert und spielt beim SV Babelsberg, für Auswärtsspiele bekommt er eine Sondergenehmigung, nur zum Schlafen kommt er ins Gefängnis. Koç ist Stammspieler.

Breno trainiert in der JVA Stadelheim, so gut es eben geht, manchmal darf er zum Arzt des FC Bayern, zu Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, zweimal im Monat darf Breno Besuch empfangen, je eine halbe Stunde lang. Breno ist Häftling.

Am Donnerstagabend nun wurde die Mitteilung veröffentlicht, Breno habe einen Vertrag beim FC São Paulo unterschrieben, der Vertrag sei bereits beim brasilianischen Fußballverband eingereicht worden, er sei datiert bis 7. Oktober 2015 und werde mit Brenos Freilassung gültig. Der FC São Paulo selbst hat das verkündet, auf seiner Homepage, sechs Absätze, überschrieben mit "Nota Oficial: Breno".

Ein Vertrag? Ja, sagt Anwalt Steffen Ufer, er habe das gelesen, und er habe mit Breno gesprochen: Breno habe ihm versichert, er habe nichts unterschrieben, aber es könne sein, dass einer seiner Manager eine Vereinbarung getroffen habe. "Wirksam würde die aber erst mit Brenos Unterschrift", sagt Ufer. Er atmet kurz durch, die Sache kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Eine Vertragsunterschrift wäre "zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv", sagt Ufer, er ist Jurist, diplomatisch formulieren ist sein Beruf.

Ein Wechsel ins Ausland, sagt Ufer, sei ohnehin erst dann ein Thema, wenn Breno die Strafe in Deutschland hinter sich gebracht habe, in welcher Form auch immer. Notfalls müsste Breno warten, bis er abgeschoben wird, in einem Jahr, vielleicht später, dann hätte er in Deutschland Einreiseverbot, könnte überall sonst aber arbeiten, seine Schuld gilt dann als beglichen.

Freilassung? Die Dinge liegen da doch etwas komplizierter.