Vertrag mit Gazprom Schalke gerät wegen Putin in Verlegenheit

Schalke 04 wird von der Krim-Krise eingeholt: Eine Einladung Wladimir Putins nach Russland erbost die Schalker Fans - doch distanzieren will sich der Verein von dem Angebot nicht.

Von Saskia Aleythe

Jens Keller weiß nicht, was er sagen soll. Der Trainer von Schalke 04 hat so viel schon erklären müssen in den vergangenen Tagen, nach den bösen Niederlagen gegen Real Madrid und den FC Bayern. Nun, zwei Tage vor der nächsten Aufgabe gegen Hoffenheim, geht es plötzlich noch um etwas ganz anderes. Etwas, das Keller sichtlich nicht gelegen kommt.

Ende Februar wurde die Mannschaft von Wladimir Putin eingeladen - angesichts der Krim-Krise machen derzeit Teile der Schalker Fanszene gegen den Besuch mobil. Wie er auf die Kritik der eigenen Anhänger reagiere, wird Keller also gefragt. Er reißt die Augen weit auf, guckt nach links und rechts, beinahe hilflos, er fühlt sich nicht wohl. Nach einigen Sekunden der Stille übernimmt Manager Horst Heldt das Wort. "Also, es gibt eine Einladung, seit längerem, aber es ist nicht in Planung, es gibt keine Reisepläne", sagt Heldt. Die politische Krise auf der Krim betrifft nun auch den Klub aus Gelsenkirchen.

Schon lange ist der Ruhrpott-Verein mit Russland verbandelt, Aufsichtsrat Clemens Tönnies und der russische Staatspräsident verstehen sich gut und haben regelmäßig Kontakt. Bei Treffen mit Putin hat Tönnies Eisbein im Gepäck. Ein Freundschaftsgeschenk für den Fleischliebhaber Putin, dem das letzte Metzgermitbringsel offenbar so gut schmeckte, dass er gleich die ganze Schalker Fußballmannschaft zu sich einlud.

Schon bevor Putin Militär auf der Krim stationierte, wurde der angedachte Empfang publik. Nun, wo sich die Lage immer mehr zuspitzt, will sich der Verein aber nicht von dem Vorhaben distanzieren. "Die Einladung der Mannschaft zu einem Besuch in Russland wurde ausgesprochen und steht", heißt es auf SZ.de-Anfrage aus der Pressestelle.

Empfindlicher für die Entwicklungen in der Ukraine sind hingegen die Schalker Fans. Roman Kolbe, Autor des Fan-Magazins Schalker Unser, richtete ein Gesuch an den Ehrenrat des Vereins. Die Fans sähen "elementare Schalker Werte wie Demokratie und Mitbestimmung" durch die Nähe Tönnies zu Putin verletzt, schreibt Kolbe. Der Wunsch der Anhängerschaft: Der Verein solle sich öffentlich von Putin distanzieren. "Wir sollten nicht als Steigbügelhalter für einen Autokraten fungieren und ihn mit einem Besuch adeln."