Verpflichtung von Allofs, Hecking, Perisic Paradigmenwechsel beim VfL Wolfsburg

Gute Laune in Belek: Ivan Perisic (Mitte) posiert mit Trainer Dieter Hecking (links) und Manager Klaus Allofs.

(Foto: dpa)

Zuletzt haben die Liga-Rivalen den VfL Wolfsburg eher belächelt. Die Verpflichtung des Dortmunders Ivan Perisic bestätigt nun den Verdacht: Unter dem Duo Allofs/Hecking könnte wieder ein ernsthafter Konkurrent heranwachsen.

Von Boris Herrmann

Dieter Hecking hat neulich mal die Vorzüge des Trainers Dieter Hecking skizziert. Er sagte: "Ich habe gute Mittel, um mit einer Mannschaft zu kommunizieren." Zu den unzähligen Besonderheiten an seinem neuen Arbeitsplatz in Wolfsburg gehört es, dass weiterhin jedwede offizielle Äußerung als mehr oder weniger versteckte Kritik an dem ehemaligen VfL-Generaldirektor Felix Magath gedeutet wird. Der pflegte bekanntlich mittels ausgekippter Wasserflaschen und exzessivem Schweigen zu kommunizieren. In diesem Fall darf man allerdings unterstellen: Hecking hat das nicht böse gemeint.

Der 48-Jährige ist tatsächlich von den Vorzügen des diskursiven Austausches mit seinem Personal überzeugt. Zu Beginn des Winter-Trainingslagers im türkischen Badeort Belek bediente er sich zum Beispiel eines schönen Kommunikationsmittels mit dem Namen "Taktiktafel". Die Spieler gaben das Bild einer vorbildlichen Schulklasse ab, als sie den Ausführungen ihres neuen Oberlehrers lauschten. Und sie verhielten sich auch streberhaft engagiert, als Hecking später im Praxisteil modernes, aggressives Pressing üben ließ. Wenn nicht alles täuscht, hatten sie sogar Spaß dabei.

Heckings Manifest für die Rückrunde des Tabellenfünfzehnten der Bundesliga lautet: "Wir wollen konsequent draufgehen - ähnlich wie Borussia Dortmund." In diesem Zusammenhang passt es prima, dass sich am Sonntag der offensive Mittelfeldspieler Ivan Perisic auf dem Trainingsgelände des VfL Wolfsburg einfand. Er kann aus erster Hand berichten, wie das sogenannte Gegenpressing der Dortmunder Schule funktioniert.

Er hat es in den zurückliegenden eineinhalb Jahren zur Genüge trainiert. Allerdings, und das ist auch ein Grund, weshalb er sich jetzt den Wolfsburgern anschloss: Das Training alleine hat Perisic zuletzt immer weniger Spaß gemacht, weil er an Spieltagen meist zusehen musste, wie die anderen pressten. Er fühlte sich in Dortmund als Edel-Reservist, gelinde gesagt, unterfordert.

"Wir hätten Ivan nicht abgegeben, wenn es nicht sein ausdrücklicher Wunsch gewesen wäre", ließ BVB- Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wissen. Der Trennungsschmerz hielt sich beim deutschen Meister aber wohl in Grenzen, weil Perisic 2011 für 5,5 Millionen Euro aus Brügge kam und nun für 7,5 Millionen nach Wolfsburg zieht. Er hinterlässt eine stattliche Rendite.