Verletzungssorgen in Wolfsburg Achtung, Magath sucht einen Stürmer

Cacau, Vedad Ibisevic, oder sogar Edin Dzeko? Nach der schweren Verletzung von Patrick Helmes ist Wolfsburgs Trainer Felix Magath plötzlich wieder auf Stürmersuche. Dies könnte auch die Personalplanung anderer Bundesligisten durcheinanderwerfen. Denn am Geld mangelt es Magath selbstverständlich nicht.

Von Boris Herrmann

Es ist bekannt, dass ein Trainingslager bei Felix Magath nicht zu den wonnevollsten Sommeraktivitäten zählt. Das heißt aber nicht, dass dabei überhaupt keine Zeit für geselliges Miteinander wäre. Zu Beginn der Übungsreise, die den VfL Wolfsburg diesmal ins österreichische Villach führte, war etwa ein "Ausflug in den Klettergarten" vorgesehen. Als sich über der Alm ein Unwetter zusammenbraute, schickte Magath sein Team ins Thermalbad.

Auf Stürmersuche: Wolfsburgs Trainer Felix Magath.

(Foto: dpa)

Dabei sind Fotos entstanden, die von entspannter Urlaubsstimmung zeugen: Man sieht den Spielmacher Diego, der sich im Kreis seiner neuen und alten Kollegen lässig ein Handtuch über die Schultern geworfen hat, und man sieht den Torhüter Diego Benaglio im Bademantel. Der Angreifer Patrick Helmes ist nicht auf dem Bild. Und damit hängt vieles zusammen derzeit beim VfL. Etwa die Tatsache, dass es hinter den Kulissen deutlich stressiger zugeht, als die Bademäntel erahnen lassen.

Helmes, 28, ist gerade in Köln an seinem gerissenen Kreuzband operiert worden. Frühestens im Kalenderjahr 2013 wird er wieder für den VfL stürmen. Wenn in der Reha alles gut geht. Für seinen Trainermanager Felix Magath stellt sich deshalb die dringende Frage: "Sind wir ohne Patrick in der Lage, uns vorne durchzusetzen?" An so manchem Bundesliga-Standort darf man das als Vorwarnung interpretieren.

Helmes' einzigartige Achterbahnfahrt vom Königstransfer zum Strafversetzten und zurück zum Heilsbringer ist schon reichlich gewürdigt worden. Seit seiner folgenschweren Verletzung vom vergangenen Samstag hat sich seine Bedeutung in Wolfsburg, so absurd das klingt, noch einmal erhöht. Sein Ausfall bringt die Kaderarchitektur durcheinander. Transferkönig Magath hatte seinen Einkaufszettel für diesen Sommer eigentlich schon abgearbeitet. Plötzlich stellt sich die Sachlage aber ganz anders dar. Magath sondiert wieder den Stürmermarkt - in der Bundesliga!

Offiziell will er das nicht bestätigen. Er will es aber auch nicht dementieren. Magath sagt, der VfL habe bestimmte Ziele, die Qualifikation für die Champions League etwa. "Und wir versuchen, im Trainingslager zu sehen, ob dafür das gegenwärtige Personal ausreicht." Dazu zählen im Angriff neben den Zugängen Ivica Olic und Bas Dost, von denen noch keiner weiß, wie sie einschlagen, der verletzungsanfällige Vieirinha, der brave Rasmus Jönsson sowie der fast schon vergessene Srdjan Lakic.

Gerade für ihn sei die Situation eine Chance, merkt Magath an. Während der Kroate im Testspiel gegen den Wolfsberger AC (0:1) aber zunächst vergeblich versuchte, diese Chance zu nutzen, bereitet sich sein Vorgesetzter offenbar schon auf andere Optionen vor.

Der Stuttgarter Cacau könnte selbstverständlich eine solche Option werden. Und zwar unabhängig davon, dass der sich trotz leichter Ersatzbank-Tristesse gerade zum VfB bekannt hat. Überzeugungen sind in diesem Geschäft eine Frage des Vertragsangebots, das weiß niemand besser als die Chefetage beim Autostadt-Klub. Magath könnte allerdings auch in höherpreisigen Marktsegmenten eingreifen.

Am Geld mangelt es nicht, um auch Stammstürmer wie Cacaus Kollegen Vedad Ibisevic oder Adam Szalai von Mainz 05 in Versuchung zu bringen. Am allerbesten ins Beuteschema passen natürlich Männer, die sowohl Bundesliga-Erfahrung als auch Magath-Erfahrung aufzuweisen haben.

Wenn man dem Wolfsburger Trainer mit einem Namen wie Edin Dzeko kommt, dann sagt er nicht: Es ist absurd, darüber zu sprechen. Er sagt: Es ist zu früh, darüber zu sprechen.