Verkauf des FC Liverpool Es leben die Yankees!

Der FC Liverpool wird verkauft. Die Fans des Vereins hatten zuletzt massiv gegen die Besitzer protestiert - und bekommen nun wieder amerikanische Investoren vorgesetzt.

Von Jürgen Schmieder

Die Briten sind gemeinhin sehr kreativ in der Kunst, ihre Meinung zu den Leistungen ihrer Lieblingsspieler und Vereine kundzutun. Als Journalisten entdeckten, dass Bastian Schweinsteiger das Trikot von Frank Lampard beim Kicken im Englischen Garten trug, stand am nächsten Tag in der Zeitung: "Endlich einer mit Talent in diesem Dress!"

Beim FC Liverpool haben sich die Fans in den vergangenen Wochen kreative Wortspiele einfallen lassen, um gegen die amerikanischen Besitzer Tom Hicks und George Gillett zu protestieren. "Built by shanks, broke by Yanks" (von Schustern erbaut, von den Yankees zerstört) stand auf einem Plakat, "Thanks but no Yanks" (Danke, aber keine Yankees) und "I love Liverpool but not the american owners" (Ich liebe Liverpool, nicht aber die amerikanischen Eigner) auf anderen.

In der Premier League ging es mit Liverpool zuletzt bergab. Der Verein erreichten in der vergangenen Saison nur Rang sieben, was zur Trennung von Trainer Rafael Benitez führte. Nach einem enttäuschenden Saisonstart unter dem neuen Trainer Roy Hodgson steht Liverpool als Drittletzter aktuell auf einem Abstiegsplatz.

Nun hat sich für den hoch verschuldeten englischen Rekordmeister ein Käufer gefunden. Der Vorstand der "Reds" stimmte in der Nacht zum Mittwoch einem Angebot des amerikanischen Unternehmens New England Sports Ventures (NESV) zu, dem unter anderem das Baseballteam Boston Red Sox gehört. "Ich bin froh, dass wir den Verkaufsprozess abschließen konnten", sagte Liverpool-Vorsitzender Martin Broughton am Mittwoch.

Ob die Fans genauso froh sind wie Broughton, ist indes fraglich - stehen sie doch amerikanischen Investoren mittlerweile arg kritisch gegenüber. Die ersten Einträge im Fanforum des Vereins sind gespalten: "Schon wieder ein Yankee" schreibt einer, "Wir brauchen jemanden, der Ahnung vom Fußball hat - und keinen amerikanischen Sugar Daddy" ein anderer, immer wieder liest man den Satz "Yanks ou - Yanks in". Immerhin wird auf die Erfolge der NESV im amerikanischen Sport verwiesen. "Sie haben eine marode Mannschaftt aufgebaut, vielleicht gelingt ihnen das in Europa auch", schreibt einer.

Für die Noch Besitzer Hicks und Gillett dagegen gibt es nur Spott. Sie hatten den Verein Anfang 2007 für rund 174 Millionen Pfund (rund 200 Millionen Euro) übernommen, den Kauf aber ausschließlich mit Schulden finanziert. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 351,4 Millionen Pfund, als die beiden Investoren den Verein im April für 600 Millionen Pfund wieder zum Kauf anboten.

Hicks und Gillett haben den Verkauf an NESV mit der Begründung zu verhindern versucht, das Angebot sei zu niedrig. Nach britischen Medienberichten zahlt NESV rund 300 Millionen Pfund (346 Millionen Euro) - genug, um die größten Bankschulden und -gebühren von 280 Millionen Pfund (323 Millionen Euro) an die mittlerweile in Staatsbesitz befindlichen Royal Bank of Scotland auszulösen, die Ende nächster Woche fällig sind. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der Premier League.

"Indem es die Last der Übernahmeschulden nimmt, erlaubt uns das Gebot, uns auf Investitionen in die Mannschaft zu konzentrieren", sagt Broughton, der noch einmal das Verhalten der Noch-Besitzer tadelte: "Sie haben alles versucht, um das Geschäft zu verhindern." NESV soll den Verein nun konsolidieren.

"Das Angebot von NESV hat unseren Kriterien am meisten entsprochen. Ihre Philosophie dreht sich ums Gewinnen, wie sie mit den Boston Red Sox bewiesen haben", sagte Broughton. In diesem Fall hat Broughton Recht: Die NESV hatte die Red Sox im Jahr 2002 gekauft, zwei Jahre später gewann der Klub die World Series - nach einer Durststrecke von 86 Jahren. Sollte ein ähnlicher Erfolg in Liverpool nicht gelingen, haben die Fans ja noch ihre Transparente, die sie dann hochhalten können.

Kann das noch etwas werden?

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