Vergleich Bayern und DFB-Elf Wer hat recht?
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Wer hat nun recht? Darf man die beiden Partien vergleichen und damit auch die Trainer- und Taktikteams? Antwort: Recht haben beide, Vergleiche sind aber nur zum Teil berechtigt.
Bundestrainer Löw und den DFB trifft Sammers Verweis an einer wunden Stelle. Waren die Verantwortlichen der Nationalmannschaft doch so stolz auf ihre theoretische Abteilung gewesen, auf ihre detaillierten Analysen vor den Partien und ihre oft wundersam passenden Lösungen. Genau das aber war im Halbfinale gegen Italien völlig schief gegangen. Löws Plan ging überhaupt nicht auf, er hatte sich schlicht vercoacht. Damals brachte er Toni Kroos für den Außenspieler Thomas Müller, um die Kreise von Pirlo einzuengen. Doch Kroos scheiterte an dieser Aufgabe, während sich die Deutschen ihrer wirkungsvollsten Waffe entledigten: dem Spiel über die Außenpositionen.
FC Bayern in der Einzelkritik Abstaubernäschen gegen Hotzenplotz
Der Unterschied diesmal im Spiel gegen Pirlo trug zwei Namen: Mario Mandzukic und Thomas Müller (nach der Verletzung von Kroos zentral offensiv spielend). Die beiden attackierten den Juve-Spielgestalter hart und eifrig, nahmen ihn stets von vorne und hinten in die Zange. Auch Arjen Robben und Franck Ribéry halfen beizeiten mit. Das beeindruckte den 33-jährigen Feinfüßler, Pirlo erlebte einen ganz schwachen Abend.
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Dagegen konnten Kroos, Mesut Özil, Lukas Podolski und Mario Gomez den italienischen Aufbau bei der EM kaum stören. Dass Löw damals schlicht das falsche Personal ausgewählt hat, ist hinlänglich kritisiert worden. Allerdings hatten Pirlo und Kollegen auch eine Lösung gegen etwaiges Pressing parat, die Juventus diesmal nicht hatte: zwei gefährliche Stürmer, die man in Bedrängnis auch mal mit einem weiten Pass anspielen kann. Mario Balotelli und Antonio Cassano verbreiteten einigen Schrecken in der deutschen Abwehr, Fabio Quagliarella und Alessandro Matri entlockten der Bayern-Abwehr höchstens ein Lächeln.
Und so ist Sammers Einlassung weniger als Kritik an Löw zu werten, sondern als Lob an sein Team. Der FC Bayern hat schlicht vom EM-Halbfinale gelernt, hat aus dem negativen Anschauungsunterricht Schlüsse gezogen. Wie Trainer Jupp Heynckes sagte: "Wir haben uns sehr gut vorbereitet", die Mannschaft habe ihm "sehr gut zugehört" und seine Anweisungen "hervorragend umgesetzt".