Venus Williams in Wimbledon Kampf gegen die Trägheit des Körpers

Venus Williams in Wimbledon

(Foto: AP)

Venus Williams leidet an einer Autoimmunerkrankung. Doch die 34-Jährige spielt noch immer Tennis und steht in Wimbledon in der dritten Runde. Auch wenn sie mehr geben muss als andere.

Von Michael Neudecker, London

Ein harter Aufschlag, dann eine harte Rückhand, dann war es vorbei. 7:6, 6:1, der schnellste Aufschlag mit 190 km/h, das sind die Zahlen zum zweiten Auftritt von Venus Williams dieses Jahr in Wimbledon, ordentliche Zahlen. Sie ist nun schon 34, Wimbledon ist ihr 63. Grand-Slam-Turnier, Venus Williams ist eine von denen, die in der Sportsprache Routiniers genannt werden oder Haudegen, keine besonders schönen Worte, alle beide.

Venus Williams ist das egal, sie ist ja nicht hier, um der Welt zu beweisen, dass 34 außerhalb der Sportblase immer noch ganz schön jung ist. Sie ist hier, um sich zu beweisen, dass sie stärker ist als ihr Körper.

"Immer noch zu spielen ist eine große Herausforderung für mich", sagt Venus Williams, "aber es zeigt mir, dass mich nichts besiegen kann." Das klingt pathetisch, aber die Geschichte von Venus Williams ist ungewöhnlich, es geht um Krankheit und den Umgang damit, da kommt das Pathos ganz von selbst.

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Sie muss alles geben, um ins Spiel zu finden

2011 wurde bei Venus Williams das Sjögren-Syndrom diagnostiziert, eine Autoimmunerkrankung, bei der die Immunzellen die Speicheldrüsen und Tränendrüsen angreifen, typische Symptome sind trockener Mund, Müdigkeit, trockene und gereizte Augen.

Venus Williams ist eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Geschichte, sie gewann sieben Grand-Slam-Titel, vier olympische Goldmedaillen, sie war die Nummer eins der Welt und hat fast 30 Millionen Dollar Preisgeld verdient. Allein deshalb gehört sie in Wimbledon noch immer zu denjenigen, denen man die zweite Woche zutrauen kann, in der Weltrangliste steht sie auf 31.

Die Trägheit ihres Körpers aber ist ein Problem, oft laufen ihre Matches daher so wie am Mittwoch gegen die Japanerin Kurumi Nara, Nummer 101 der Weltrangliste: ein Hin und Her.

Im ersten Satz lag sie 0:3 zurück, aber sie kann noch immer Schläge, die eine wie Nara überfordern, sie glich aus. Im Tie-Break führte Nara 4:1, ehe Williams sechs Punkte nacheinander machte und den Tie-Break gewann, erst dann war das Match so, wie es die Rangliste erwarten ließ.

"Da draußen schenkt dir keiner was", sagte Williams danach, "ich wusste, dass ich für jeden Punkt hart arbeiten muss." Dass sie das noch kann, hart arbeiten, das ist das ungewöhnliche an ihrer Geschichte.

Sportler mit chronischen Krankheiten müssen meist ihre Karriere beenden, der Fußballer Olaf Bodden zum Beispiel, den das Pfeiffersche Drüsenfieber quälte, oder auch der Tennisprofi Robin Söderling, der seit drei Jahren versucht, trotz Pfeifferschem Drüsenfieber wieder zurückzukehren, bislang vergeblich.

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Möglich, dass Venus Williams einfach ein bisschen mehr Glück hatte als Bodden und Söderling, jedenfalls gelinge ihr der Kampf gegen die Krankheit bisher auch deshalb, sagt sie, weil sie früh erkannt habe, dass sie ihre Art, zu leben, ändern musste. Sie hat Ernährung und Training umgestellt, legt regelmäßig Ruhe-Tage ein und jedes Jahr vier Wochen Urlaub, in denen sie selbst den Kraftraum meidet. "Mein Körper braucht Zeit, um sich zu erholen", sagt sie.

Am Mittwoch, nach ihrem Sieg, ist sie gefragt worden, welches Grand-Slam-Turnier sie gerne noch gewinnen würde, da blickte sie etwas verwundert, sie weiß ja, dass sie davon weit entfernt ist. "Ich will mir nicht irgendwas wünschen", antwortete Williams, "ich will arbeiten, laufen, Bälle schlagen."