Veh beim 1. FC Köln Aufgeben am ersten Arbeitstag

Schwierige Mission in Köln: der neue Sportchef Armin Veh.

(Foto: dpa)
Von Philipp Selldorf, Köln

Nicht viele Menschen besitzen so ein lässiges Lächeln, wie es Armin Veh zu eigen ist. Dieses Lächeln passt hervorragend in einen Western. Es kann dem Helden gehören, aber auch dem Bösen, und zeugt damit von der vielseitigen Natur des Besitzers. Im Laufe seiner 27 Trainerjahre zwischen Bayern- und Bundesliga hat Veh dieses Lächeln als Ausdrucksmittel stets begleitet - in glücklichen Stunden wie beim Meistertitel mit dem VfB Stuttgart oder beim Erreichen des Europacups mit Eintracht Frankfurt. Und im Fall des Misserfolgs, wenn er dem Schauplatz den Rücken kehrte, einen Abgrund hinterlassend.

Beim 1. FC Köln hat man sich dringend gesehnt nach einem Mann, der ein wenig Lässigkeit verkörpert. Das war nicht zu übersehen, als Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle am Montag Veh, 56, in Empfang nahmen. Dankbarkeit und Erleichterung ließen sich bei der Vorstellung des neuen Sportchefs aus den Statements der leidgeprüften Funktionäre hören. Tags zuvor hatte Köln in der Partie gegen Freiburg, von der man nicht wusste, ob sie der Kategorie Klamauk oder Tragödie angehörte, mutmaßlich die Zugehörigkeit zur Bundesliga verspielt.

Veh ist erklärtermaßen ein Realist

Aber als Spinner und Wehrle ihren neuen Mitbürger priesen, war der schwarze Sonntag schon wieder weit weg. Veh besitze eine "Erfahrung im Fußball, die wirklich unglaublich groß ist", lobte Spinner, doch noch bedeutender, hob der Präsident hervor, seien zurzeit seine persönlichen Eigenschaften: Empathie und Optimismus, "das ist für uns wahnsinnig wichtig".

Ein Pessimist wäre am Geißbockheim in der Tat fehl am Platz, nach all den Erfahrungen des Scheiterns, die sich seit dem Saisonstart aneinanderreihen und nun in dem grotesken 3:4 gegen Freiburg gipfelten. 3:2 lagen die Kölner (nach 3:0-Führung) bis in die 90. Minute vorn. Die Mannschaft, die dieses Spiel aufgrund ihrer fußballerischen und konditionellen Nachteile auf nahezu logische Weise noch verloren hat (eine andere Elf steht wegen elf verletzter Profis nicht zur Verfügung), muss am Mittwoch beim FC Bayern antreten.

Auch deswegen ist der Optimist Veh erklärtermaßen Realist, wenn es darum geht, die Chancen der Kölner im Abstiegskampf zu bewerten: "Wenn wir gestern gewonnen hätten, hätten wir noch eine kleine Chance gehabt", sagte er. Überflüssig zu erwähnen, dass er diese schlimme Diagnose mit Gelassenheit aussprach. "Normalerweise", meint Veh, "musst du jetzt anders planen." Zweitklassig statt erstklassig.

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Bis zum Start der nächsten Zweitligasaison vergehen aber noch acht Monate, und für diese schwierige Phase zwischen Untergang und Neuanfang muss Veh Lösungen entwickeln. Zum Beispiel in der Frage, ob der ursprünglich bis Weihnachten datierte Auftrag an Interimstrainer Stefan Ruthenbeck womöglich bis Saisonende verlängert wird. Es würde wahrscheinlich wenig Sinn ergeben, im Winter in einen neuen Mann zu investieren, der dann bis Saisonende eine zum Abstieg verurteilte Mannschaft coacht, die obendrein im Sommer vermutlich auseinanderfällt.