München - Weil im durchglobalisierten Transfermarkt alles mit allem zusammenhängt, sind für den FC Bayern zurzeit auch Meldungen aus Amsterdam interessant. Am Mittwoch zum Beispiel ließ der niederländische Trainer Co Adriaanse verlauten, dass er keineswegs zu Ajax Amsterdam wechseln werde - eine kleingedruckte Nachricht, die für den FC Bayern von höchstem Wert war. Die Dreisätze des globalisierten Transferfußballs gehen heutzutage so: Wenn Adriaanse nicht zu Ajax wechselt, dann wechselt er offenbar zum anderen heißen Bewerber, zum niederländischen Meister AZ Alkmaar - und wenn Alkmaar also einen prominenten Coach gefunden hat, dann... - ja, dann spricht auch aus Alkmaarer Sicht nichts mehr dagegen, Louis van Gaal gehen zu lassen. Und zwar zum FC Bayern.

Am Mittwochabend folgte prompt die Bestätigung: "Van Gaal wird Bayern-Coach", meldete der FC Bayern auf seiner Homepage und berichtete von guten Gesprächen, die die Vorständler Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner am Mittwoch mit Vertretern des AZAlkmaar geführt hatten. Der 57-Jährige soll einen Vertrag bis 2011 erhalten und offenbar am Freitag in München vorgestellt werden. Zuvor hatte van Gaal seinem hartnäckigen Klubchef Dirk Scheringa im persönlichen Gespräch seine Freigabe aus dem Vertrag bis 2010 abgetrotzt, möglicherweise gegen das Versprechen, keine Spieler aus Alkmaar mitgehen zu lassen. Womöglich wird er seinem verflossenen Klub noch einen nützlichen letzten Dienst erweisen und dem Ligarivalen Ajax Amsterdam den Linksverteidiger Urby Emanuelson, 22, abspenstig machen (womit Philipp Lahm im neuen FCBayern rechts verteidigen könnte).

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Welcher Sportlehrer diesen neuen FCBayern unterrichten wird, ist also endgültig geklärt; nun, da die Königspersonalie sitzt, werden die Münchner mit ihrem neuen Trainer daran gehen, auch auf dem Rasen den neuen FC Bayern zusammenzubauen. Allerdings sind sämtliche relevanten Akteure noch in zahlreiche Interessensgeflechte verstrickt, weshalb Bayerns Verantwortliche auf den letzten Metern der Saison in einen Entscheidungsstau geraten sind. Sie bereiten diverse Transfers vor, aber vollziehen können sie die Transfers erst, wenn sich sämtliche relevanten Details zusammenfügen.

Im Fall des massiv von Juventus Turin umgarnten Bremers Diego etwa wähnten sich die Bayern auf einem guten Weg, nachdem sie mit dem beratenden Spielervater Djair da Cunha zweimal aussichtsreich getagt hatten. An diesem Donnerstag aber lässt sich Diego von der Kreiszeitung Syke mit der Aussage zitieren, er sei "mit Juventus Turin klar. Nur wenn Werder mir sagen würde, es läge ein Angebot von den Bayern vor und ich solle mich bitte damit beschäftigen, dann würde ich das tun". Dies ist die Hintertür, durch die der FC Bayern doch noch an den umworbenen brasilianischen Spielmacher herankommen könnten; schließlich gibt es durchaus Gründe, die für Diegos Wechsel zu Bayern sprechen könnten. Angeblich sollen die Bremer trotz der direkten Konkurrenzsituation durchaus ein Interesse daran haben, mit den finanziell verlässlichen Münchner ins Geschäft zu kommen. Außerdem könnte der Brasilianer auch auf der Ausrüsterschiene nach München reisen: Diego ist im Besitz eines gutdotierten Vertrages mit der Firma Adidas, die zehn Prozent der Anteile des FC Bayern hält. Wer frühere Fälle zugrundelegt, könnte sich gut vorstellen, dass sich der Wechsel zu einem Adidas-Topklub für den Spieler bezahlt macht. Juventus dagegen wird vom Rivalen Nike ausgerüstet.

"Ein Papier mit offiziellem Juventus-Zeichen" habe er noch nicht unterzeichnet, sagt Diego, "aber ich denke, bis Freitag wird endgültig Klarheit herrschen." Es werde "langsam Zeit, dass eine Entscheidung fällt". Übersetzt heißt das so viel wie: Hallo FC Bayern, ich habe auch nichts dagegen, bei Euch zu spielen, aber werdet jetzt mal konkret! Aber die Bayern wissen ja noch nicht, ob ihnen Franck Ribéry erhalten bleibt - und ob sie unter Umständen bereit wären, die teuren Diego und Ribéry gleichzeitig zu beschäftigen (Tendenz: ja).

Auch den Namen Mario Gomez haben die Bayern in dieser Woche mal wieder fallen lassen, was in Stuttgart auf keinerlei Verwunderung gestoßen ist. Beim VfB wissen sie ja, dass das Interesse aus München entgegen öffentlicher Beteuerungen nie abgeflaut ist, ein Insider sagt sogar, die Bayern seien "heiß wie nie". Es sei aber "definitiv noch keine Entscheidung gefallen, in keine Richtung", sagte Gomez' Berater Uli Ferber am Mittwoch der SZ. Schließlich wird sein Mandant noch von diversen europäischen Topklubs umgarnt, und außerdem muss Gomez für seine Entscheidung mindestens den letzten Spieltag abwarten, an dem die Stuttgarter in München antreten. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass er den FC Bayern dann persönlich aus der Champions League schießt. nee/T.K.

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(SZ vom 14.05.2009)