Usain Bolt beim BVB Gehemmt vom Turbolader

Usain Bolt beim Training des BVB.

(Foto: REUTERS)
  • Sprint-Weltrekordhalter Usain Bolt trainiert beim BVB mit.
  • Der 31 Jahre alte Bolt will offenbar ernsthaft Fußballprofi werden.
  • Dortmunds Trainer Peter Stöger sagt: "Wenn er sich in einem höheren Bereich durchsetzen möchte, hat er noch einiges zu tun."
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Am Freitagmittag schaltete ein Nachrichtensender live nach Dortmund-Brackel, wo Usain Bolt just in diesem Moment eine maßgeschneiderte Hereingabe verstolperte. Er traf den Ball überhaupt nicht, 1400 Zuschauer jaulten auf, und Bolt, der schnellste Mann der Welt, grinste verschämt. "Ob es für die ganz große Karriere noch reicht, muss man mal abwarten", sagte der Moderator, als er seinen Kopf ins Bild schob.

Der Jamaikaner Bolt, 31, acht Mal Olympiasieger, Weltrekordhalter über 100 Meter, Weltrekordhalter über 200 Meter, hat seine Leichtathletik-Karriere vergangenes Jahr beendet. Nun möchte er - offenbar ernsthaft - Fußballprofi werden. Vor ein paar Tagen hat er in Basel auf Einladung eines Uhrenherstellers Hallenfußball gespielt, aber wenn dort wirklich Scouts waren, dann haben die sich wohl mehr für einen 57-jährigen Argentinier namens Diego Maradona interessiert. Bolt auf einem Minifußballfeld - das ist wie ein Windhund im Zwinger.

Dass seine technischen Fertigkeiten kaum über die eines Drittliga-Fußballers hinausgehen, war auch am Freitag zu erkennen, als Bolt beim Bundesligisten Borussia Dortmund mittrainieren durfte. Der 1,95 Meter große Bolt ist nicht besonders wendig, und wenn er den Ball führt, kommt ihm sein eingebauter Turbolader auch nicht gerade entgegen.

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"Sicher auch nicht mehr so wahnsinnig entwicklungsfähig"

Bolt meint es aber offenbar ernst. Er hatte bereits am Donnerstag mit den Borussen trainiert, als noch keiner der 137 akkreditierten Journalisten vom Freitag zuschaute und kein Sender live übertrug. Hinterher kickte Bolt mit BVB-Flügelflitzer Christian Pulisic im Reaktionsübungsraum 'Footbonaut' und erbat sich zum Schluss gar eine ernsthafte Manöverkritik vom Trainer Peter Stöger. "Man sieht, dass er das Spiel versteht, er hat gute Ansätze, aber was ihm natürlich fehlt, ist die Mannschaftsarbeit, die Abläufe, die Bewegungen", sagte Stöger am Freitag nach dem öffentlichen Training. "Wenn er sich in einem höheren Bereich durchsetzen möchte, hat er noch einiges zu tun, allerdings ist er in seinem Alter sicher auch nicht mehr so wahnsinnig entwicklungsfähig."

Das sieht Bolt ein bisschen anders. "Ich will nicht in einer kleinen Liga spielen", sagte er nach dem einstündigen Training im Dortmunder Industriegebiet und fügte hinzu: "Ich würde gerne weiter hier trainieren, um zu sehen, ob ich in einer großen Liga bestehen kann."

Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin ist Bolt die 100 Meter in 9,58 Sekunden gelaufen. Das ist bis heute Weltrekord. Deshalb nennt man ihn den schnellsten Mann der Welt. In der Bundesliga ist ein Fußballfeld im Schnitt 105 Meter lang. Würde Bolt hier von einem Kopfende zum anderen sprinten, dann bräuchte er dafür theoretisch etwas mehr als zehn Sekunden, auf tiefen Rasen und angesichts seines Alters aber vermutlich mindestens zwölf Sekunden. Das sähe sicher spektakulär aus, aber einer Fußball-Mannschaft wäre damit kaum geholfen.

Im Fußball geht es um Zweikämpfe, Balleroberungen und Strategien zur Torannäherungen. Bolt wäre vielleicht allenfalls das, was man in der Branche einen Konterspieler nennt. Aber angesichts seiner begrenzten technischen Fähigkeiten ist Usain Bolt auch dafür vermutlich vor allem eines: einfach viel zu schnell.

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