US Open Vom Liebling zum Buhmann

Als wäre ein Halbfinalspiel gegen Federer nicht schon schwer genug: Der Serbe Djokovic muss nach provozierenden Äußerungen mit dem Unmut der Zuschauer rechnen - wenn das Spiel überhaupt stattfindet.

Die US Open haben ihren Buhmann: Der einstige Liebling Novak Djokovic hat die New Yorker Tennis-Fans erzürnt und wird bei seiner Revanche gegen Titelverteidiger Roger Federer im Halbfinale wohl auch gegen das Publikum spielen müssen. Erst warf der Vorjahresfinalist im Viertelfinale Lokalmatador Andy Roddick aus dem Rennen, dann zog sich der Serbe mit seinem Interview im Arthur-Ashe-Stadium am Donnerstagabend (Ortszeit) den Unmut der ohnehin enttäuschten Zuschauer zu.

Vom Liebling zum Buhmann: Tennisspieler Novak Djokovic.

(Foto: Foto: Reuters)

"Andy hat neulich gesagt, dass ich 16 Verletzungen habe. Das ist anscheinend nicht so", sagte Djokovic nach dem 6:2, 6:3, 3:6, 7:6 (7:5)-Sieg über Roddick und erinnerte an eine der üblichen flapsigen Bemerkungen seines Gegners zwei Tage zuvor. "Das war nicht nett von ihm", fügte der Olympia-Dritte hinzu. Die lauten Buhrufe der abwandernden Fans waren Djokovic egal: "Die Leute sind sowieso schon gegen mich, weil sie denken, dass ich vortäusche.2

Ob Djokovic am Super-Samstag mit den Herren-Halbfinals und dem Damen-Endspiel gegen Federer antreten kann, ist wegen des nahenden Tropensturms "Hanna" fraglich. Betroffen wären auch der spanische Weltranglisten-Erste Rafael Nadal und sein schottischer Gegner Andy Murray. Sollte der Dauerregen New York erreichen, droht eine Verschiebung des Programms; das Frauen-Finale wäre dann erst am Sonntag und das Männer-Finale am Montag.

Parodien und Imitationen

Schon Djokovics vorheriger Gegner Tommy Robredo hatte erklärt, er traue dem mehrmals umgeknickten und nach einem vierstündigen Nachtmatch müden Belgrader nicht, der seine Konkurrenten parodierte und damit für Spaß bei den Fans sorgte. Auch Roddick hatte er imitiert, der sich dafür revanchierte. Bei Djokovics angeblichen Beschwerden hatte der US-Boy mit dem losen Mundwerk auch die Vogelgrippe aufgezählt. "Wenn man Witze macht und andere nachmacht, muss man das hinnehmen", erklärte der Amerikaner. Roddick erklärte, Djokovic habe ihn zu ernst genommen: "Es tut mir leid, dass er es so verstanden hat. Ich denke nicht, dass ich zu weit gegangen bin."

Beide sprachen laut Djokovic noch in der Kabine miteinander. Der Weltranglisten-Dritte hatte nach dem verwandelten Matchball vehement die Fäuste geballt und mit den Daumen auf sich gezeigt. "Ich entschuldige mich für meine Reaktion. Es war nur impulsiv. Ich gebe Andy keine Schuld. Es war ein Missverständnis", sagte Djokovic und verwies auf den großen Druck, unter den er sich mit seinem Verhalten aber auch selbst gesetzt hat. Die Parodien lässt er inzwischen sein.

Federer setzte zuvor ein erleichtertes Lächeln auf. Der Schweizer, Sieger der vergangenen vier Jahre schien auch über das hart erarbeitete 7:6 (7:5), 6:4, 7:6 (7:5) gegen den Luxemburger Qualifikanten Gilles Muller froher als über viele Siege in den Jahren seiner unangefochtenen Dominanz. Der Olympiasieger im Doppel steht beim 18. Grand-Slam-Turnier in Folge unter den letzten Vier. "Ich bin sehr glücklich, dass diese große Serie hält. Ich hoffe, dass ich diesmal einen Schritt weiter als in Wimbledon oder Paris gehen kan", sagte Federer mit Blick auf die Final-Niederlagen gegen Nadal.