Beim aufgeladenen Basketball-Spiel zwischen Gastgeber China und den US-Profis sehen 18.000 Zuschauer großen Sport. Und ein bisschen Angeberei.
Das Spiel, dieses zum Es-ist-mehr-als ein-Spiel hochgejazzte Spiel mit den geschätzten eine Milliarde Zuschauern, darunter im Stadion ein US-Präsident samt Ex-Präsidenten-Papa, dieses Spiel war lange vorbei, als ein weiterer Protagonist die Bühne betrat. Einer, der mehr Zuschauer verdient hätte als die paar Hundert Journalisten im Untergeschoß des Wuke Song Stadions. Der Moderator der Pressekonferenz der Partie USA gegen China hatte einen bemerkenswerten Auftritt.
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1,3 Milliarden schauten auf den großen chinesischen Basketballer Yao Ming. Doch die USA war stärker. (© Foto: dpa)
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Einem kräftigen, fast kahlköpfigen Fragesteller erteilte er Rederecht mit den Worten: "This lady over there!" Zuvor hatte er schon den Namen des amerikanischen Trainers falsch ausgesprochen, sich dafür von diesem eine kurze Korrektur eingefangen. Ein verzeihlicher Fehler, der Mann heißt Krzyzewski und wird selbst von seinen Spielern vorsichtshalber "Coach K" genannt. Der Moderator nannte ihn fortan "Mister Coach from the USA". Und als er die Fragerunde an Chris Bosh, den NBA-All-Star der Toronto Raptors, für beendet erachtete, verabschiedete er diesen mit dem schmucklosen Satz: "Okay, thank you, Bosh." Einer der wenigen Momente, in denen dieser bislang so maschinengleich ablaufende Apparat Olympia ein menschliches Gesicht erhielt. Selbst der suppercoole NBA-Held musste recht grinsen.
Slam-Dunk-Contest zum Anschwitzen
Es war wohl die aufgeladenste der 76 Partien dieses olympischen Basketballturniers, an dem insgesamt 28 NBA-Stars teilnehmen - allerdings kein einziger vom diesjährigen Sieger, den Boston Celtics. Und wer sich schon Stunden zuvor einen Platz im 18.000 Menschen fassenden Stadion gesichert hatte und das Spektakel aus nächster Nähe erleben konnte, dem drängte sich der Eindruck auf, dass es sich bei diesem 101:70 (49:37) der Amerikaner nicht nur um ein Vorrundenspiel in Gruppe B handelte, sondern um einen groß angelegten Werbefeldzug für das Produkt Basketball=NBA. Sehr viel spektakulärer kann man diesen Sport wettkampfmäßig kaum bestreiten.
Das ging schon vor dem ersten Sprungball los: Zum Anschwitzen veranstalteten die US-Boys erst mal einen jubelumtosten Slam-Dunk-Contest - was ist schon spektakulärer als ein mit Wucht versenkter Dunking, womöglich noch mit einer Hand oder hinter dem Kopf? Im Spiel ging's dann gleich so weiter: ein Tempogegenstoß nach dem anderen, meist beendet per Dunking, 13 Mal allein in den ersten 20 Minuten. 24 Punkte erzielte Team America nach Schnellangriffen, erst gegen Ende der Partie streute man noch ein paar Distanzwürfe ein.
Protz? Keine Spur.
Kobe Bryant, LeBron James, Dwayne Wade und all die anderen Zauberer ließen den Ball durch ihre Hände flitzen, spulten das komplette Entertainment-Programm derart perfekt ab, dass einem die chinesischen Gegner leid tun konnte: No-look-Pässe, Fastbreaks, Körpertäuschungen und immer wieder diese gewaltige Physis. Wenn LeBron James mit panthergleichen Bewegungen zum Solo ansetzte, traute man ihm auch einen Sprung über den Korb hinaus zu. Coach K. wurde nachher gefragt, ob die Zuschauer da nicht zu viel Angeberei gesehen hätten. Er verneinte, einigermaßen glaubhaft entrüstet. Nein, nein, das sei bloß hartes Basketball gewesen. Protz? Keine Spur.
Drei Dutzend NBA-Angestellte waren mit nach Peking gereist, um den Basketballspielen in China mehr amerikanischen Touch zu verleihen. Das hat geklappt. Wären da nicht die ungewohnten Jia-You-Schlachtrufe und zuweilen diese chinesischen Schriftzeichen auf dem Video-Würfel über dem Spielfeld gehangen, man hätte sich auch in Dallas, Texas, wähnen können. Die Bush-Family auf der Tribüne, Musik und Jingles der westlichen Welt, und natürlich Cheerleader in China-untypischen kurzen Kostümchen. Willkommen bei der NBA, Nebenstelle China!
Yao Ming, der chinesische NBA-Star der Houston Rockets, hatte einen harten Abend. Noch vor dem ersten Sprungball knuffte ihn der andere Super-Star, Kobe Bryant, kumpelhaft in die Seite als würde er sagen wollen: "Hey, das wird schon!" Ming ist eines der ganz großen Gesichter dieser Spiele. Unter den 1,3 Milliarden Chinesen wird es nicht viele geben, die den Fahnenträger nicht kennen. Er trotzte dem gewaltigen Erwartungsdruck, übernahm natürlich die Verantwortung des ersten Wurfversuchs - und traf. Der Auftakt zu einer wilden ersten Viertelstunde, der die chinesischen Spieler in einen Rausch riss, der sie fast alle Dreier treffen ließ und die 18.000 zum Ausrasten trieb. Doch Team USA hielt dagegen, spielte diesen phänomenalen Speed-Basketball, der krachend im Dunking kulminiert.
Die chinesischen Zuschauer hatten nur ein Problem: Wen anfeuern? Ihre bewunderten Helden aus den TV-Übertragungen der NBA? Oder die zum Großteil vergleichsweise namenlosen Landsleute, die ja absehbar ohne Chance sein würden? Sie entschieden sich goldrichtig - und jubelten beiden zu. Großer Sport.
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(sueddeutsche.de/hum)