US-Anklage gegen Fifa-Funktionäre "Ungezügelte und systemische Korruption"

Das US-Justizministerium beschreibt, wie tief verwurzelt die Korruption im System des Fußballweltverbandes sei. Die Anklage gegen die Funktionäre sei "nicht das letzte Kapitel der Untersuchung".

Das US-Justizministerium hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es die Anklage gegen neun hochrangige und ehemalige Funktionäre des Fußball-Weltverbands Fifa verkündet. Darunter befinden sich zwei amtierende Vizepräsidenten des Verbandes. Den Angeklagten wird unter anderem Korruption, organisierte Kriminalität, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Die Beschuldigten hätten seit 24 Jahren den Plan verfolgt, sich durch die Korruption des internationalen Fußballs zu bereichern. "Den Angeklagten wird eine ungezügelte und systemische Korruption vorgeworfen, die sowohl im Ausland als auch in den Vereinigten Staaten tief verwurzelt ist", wird US-Justizministerin Loretta Lynch zitiert. Mindestens zwei Generationen von Fußballfunktionären hätten "das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht, um Millionen Dollar in Bestechungs- und Schmiergeldern anzuhäufen".

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"Es geht nicht um Fußball, sondern um Fairness"

Das US-Justizministerium wolle mit seiner Anklage klarmachen, dass es solche korrupten Praktiken beenden, Amtsverletzungen aufspüren und die Übeltäter zur Rechenschaft ziehen wolle. "Die heutige Ankündigung hat die Botschaft: Genug ist genug", heißt es in der Mitteilung. Die Untersuchungen seien damit noch nicht abgeschlossen: "Lassen Sie es mich deutlich sagen: Diese Anklage ist nicht das letzte Kapitel unserer Untersuchung."

Zu den Beschuldigten zählen unter anderem die gegenwärtigen Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo sowie der frühere Vizepräsident Jack Warner. Die Angeklagten lassen sich in drei Kategorien einteilen: Fußballfunktionäre der Fifa oder ihrer Unterorganisationen, Manager von Sportmarketing-Firmen und schließlich Geschäftsleute oder Banker, die an Geldwäschepraktiken beteiligt waren. Seit 1991 hätten die Beschuldigten das Unternehmen Fifa korrumpiert, indem sie verschiedene kriminelle Handlungen begangen hätten. Mehr als 150 Millionen Dollar an Schmier- und Bestechungsgeldern seien in dieser Zeit geflossen.

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"Geheime und illegale Zahlungen, Schmiergelder und Bestechung wurden zu Geschäftspraktiken bei der Fifa", heißt es in der Anklageschrift. "Wenn die Anführer einer Organisation jene betrügen, die sie repräsentieren sollten, müssen sie dafür verantwortlich gemacht werden. Die Fans, Spieler und Sponsoren auf der ganzen Welt, die dieses Spiel lieben, sollten sich keine Gedanken über Offizielle machen müssen, die ihren Sport korrumpieren. In dieser Anklage geht es nicht um Fußball, sondern um Fairness und darum, das Gesetz zu befolgen."