Uruguays Luis Suárez Der weiße Hai des Weltfußballs

Luis Suárez hat gegen Italien zum dritten Mal zugebissen.

(Foto: Getty Images)

In Uruguays Nationalmannschaft nennen sie ihn "Monster". Kaum ein Fußballer wurde in den vergangenen Jahren so gefeiert wie Luis Suárez, kaum einer so angefeindet. Nach seiner neuerlichen Bissattacke droht ihm eine lange Sperre.

Von Benedikt Warmbrunn und Boris Herrmann, Natal

Eine Bulldogge mit Maulkorb. Ein blutverschmiertes Dracula-Gesicht. Die Gesichtsmaske von Hannibal Lector. Im Frühjahr 2013 lieferten sich die ohnehin nicht zimperlichen britischen Zeitungen einen Wettbewerb um die beste Fotomontage. Die vielleicht eindrucksvollste war eine Nachbildung des Filmplakats zu Steven Spielbergs "Der Weiße Hai": Eine leicht bekleidete Frau schwimmt im Meer, und aus der Tiefe des kalten, blauen Wassers schießt der Angreifer empor. Die Augen zu Schlitzen verengt, den Mund weit aufgerissen. Der Angreifer war ein Fußballer. Der Angreifer war Luis Suárez.

Am Dienstagmittag in Natal, beim 1:0 gegen Italien, hat der weiße Hai des Weltfußballs wieder zugebissen. Die Augen zu Schlitzen verengt, den Mund weit aufgerissen. Von hinten, in die linke Schulter von Giorgio Chiellini. Der Mann, der wegen seiner Torgefährlichkeit El Pistolero genannt wird, hatte seine andere, seine unberechenbare Seite gezeigt. Wieder einmal.

"So ein Verhalten kennt man sonst nur von Tieren"

Nach Italiens Niederlage gegen Uruguay geht es vor allem um ein Thema: die Beißattacke von Luis Suárez gegen Giorgio Chiellini. Ausgerechnet Oliver Kahn findet deutliche Worte. Der italienische Trainer hat ganz andere Sorgen. Stimmen im Überblick mehr ...

Kaum ein Fußballer wurde in den vergangenen Jahren so gefeiert wie Luis Alberto Suárez Díaz. Für seine Tore, für seine Dribblings. Kaum ein Fußballer wurde in den vergangenen Jahren so angefeindet wie der Angreifer vom FC Liverpool. Wegen Schwalben. Rassistischen Beleidigungen. Und eben Bissattacken. Nun schnappte er schon zum dritten Mal zu.

Als die britischen Zeitungen nach dem passenden Suárez-Motiv suchten, war dieser für zehn Spiele gesperrt worden. Weil er Branislav Ivanovic vom FC Chelsea in den rechten Unterarm gebissen hatte. Erstmals wurde Suárez nach einer Bissattacke gesperrt, als er noch für Ajax Amsterdam gespielt hatte. In der Partie gegen den PSV Eindhoven kam es zu einer Rudelbildung, Suárez biss seinen Gegenspieler Otman Bakkal, von vorne, in die rechte Schulter. Sieben Spiele Sperre. Und ein neuer Spitzname: Der Kannibale von Ajax.

Seinen Ruf als unsportlicher Spieler festige Suárez endgültig bei der WM 2010. Im Viertelfinale wehrte er in der letzten Minute der Verlängerung auf der Torlinie mit den ausgestreckten Händen einen Schuss ab. Rote Karte, Asamoah Gyan verschoss den Elfmeter, im Elfmeterschießen siegte Uruguay. Und Suárez ließ sich auf den Schultern seiner Mitspieler durch das Stadion tragen. Mit ausgestreckten Armen. Ein schlechtes Gewissen? Kennt El Pistolero nicht. Nach dem Spiel schwärmte er von seiner Aktion, er habe "die Parade des Turniers" gezeigt.