Urteil gegen Bayern-Präsident Wer Hoeneß ersetzen könnte

Szene aus dem letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der FC Bayern muss bald ohne seinen Erfinder auskommen. Doch auch wenn Uli Hoeneß ins Gefängnis geht, ist der Fortbestand seiner Fußball-Mannschaft gesichert. In den Fokus der Aufmerksamkeit geraten fünf Herren.

Von Christof Kneer

Der Samstag hätte ein besonderer Tag werden können für den FC Bayern. Dieser Samstag hätte sogar das Potenzial gehabt, ein bayerischer Feiertag zu werden. Bayer Leverkusen kommt in die Münchner Arena zum Abendspiel, und nach dieser Begegnung wird der FC Bayern um einen Rekord reicher sein. Er wird dann das 50. Ligaspiel hintereinander ohne Niederlage geblieben sein. Für diese Prognose ist kein tieferes Insiderwissen nötig, denn es ist ja so: Siege der aktuellen Bayern-Elf sind zurzeit am ehesten durch einen sofortigen Weltuntergang zu verhindern.

Allerdings ist zumindest die Welt des FC Bayern ein bisschen untergegangen an diesem Donnerstag, nach dem Urteil gegen den Erfinder dieses Klubs, gegen Uli Hoeneß. Und am Freitagmorgen, nachdem Hoeneß bekannt gab, auf Revision zu verzichten und alle Ämter niederzulegen, ist diese Welt noch etwas mehr untergegangen. Nun kennt der Klub nur eine Frage: Kann der FC Bayern auch ohne seinen Erfinder der FC Bayern sein? Was diesen Samstag anbelangt, und vermutlich auch den nächsten und den übernächsten, kann der FC Bayern beruhigt sein: Seine Fußball-Mannschaft ist so handlungsfähig wie selten zuvor in der Klubgeschichte.

Urteil, Schweigen, Flucht

Drei Jahre, sechs Monate. Still und gefasst nimmt Uli Hoeneß das Urteil gegen sich auf. Richter Heindl sagt, er habe beim Strafmaß zu Hoeneß' Gunsten geurteilt. Ins Gefängnis muss er zwar noch nicht, etwas in ihm gebrochen hat das Verfahren doch. Aus dem Gericht von Lisa Sonnabend mehr ...

Trainer Pep Guardiola, von Hoeneß persönlich ausgesucht und überredet, kann auf eine Mannschaft vertrauen, die aktuell keinen Beistand des Präsidenten nötig hat und auch keinen des Aufsichtsratsvorsitzenden. In beiden Funktionen hat Uli Hoeneß mit dafür gesorgt, dass sämtliche lebenswichtigen Spieler mit langfristigen Verträgen ausgestattet sind und dass im Sommer auch noch der Dortmunder Robert Lewandowski hinzu stößt, einer der begehrtesten Stürmer Europas. So viel steht fest: Die Ballbesitz-Quote des FC Bayern wird nicht darunter leiden, wenn der Erfinder des Klubs im Gefängnis sitzt und ohne offizielle Ämter ist.

Beschleunigter Generationenwechsel

Auch abseits des Rasens hinterlässt Hoeneß einstweilen ein Team, das andere Klubs neidisch machen könnte. In der Theorie ist immer noch jeder zentrale Platz besetzt: Karl-Heinz Rummenigge gibt als Vorstandschef und Vorsitzender der European Club Association (ECA) weiter den kombinierten Innen- und Außenminister; in Matthias Sammers Ressort als Sportvorstand fallen Kaderplanung, Nachwuchsförderung, Mannschaftsführung sowie jene Art von internem und externem Rumpelstilzchentum, die auch Hoeneß beherrscht; und jene Flanke, die Sammers spezielle Art der Jobausübung offenlässt, hat Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen genutzt, um sich im Klub zu profilieren.

Sammer sieht sich als reinen Sportstrategen, er ist keiner, der Vertragsverhandlungen führt und mit dem Klubchef des AC Florenz um die Ablöse für Mario Gomez feilscht. Als die Münchner im August die Verpflichtung des Mittelfeldspielers Thiago bekannt gaben, saß Dreesen auf dem Podium, nicht Sammer. Das Hoeneß-Urteil wird den Generationswechsel beschleunigen; neben Routinier Rummenigge, 58, treffen sich künftig Sammer, 46, Dreesen, 46, Andreas Jung (52, zuständig für Marketing) und Jörg Wacker (47, zuständig für internationale Kontakte) am Vorstandstisch.

Jüngster Manager, Lautsprecher, Steuerhinterzieher

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Ob die Autorität der Figuren in diesem Organigramm ausreicht, um den Patron zu ersetzen, muss sich erst zeigen. Als möglicher Nachfolger an der Spitze von Präsidium und Aufsichtsrat wird neben dem Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber auch der Ex-Vorstand Karl Hopfner, 61, gehandelt, eine stille, graue und immer noch mächtige Eminenz.

Anmerkung: Dieser Text aus der Freitagsausgabe der SZ wurde nach der Erklärung von Uli Hoeneß, keine Revision gegen das Urteil einlegen zu wollen, aktualisiert.