Untersuchung gegen Fifa Ermittler kämpfen sich durch den Sumpf

Ungewöhnlicher Auftritt: US-Justizministerin Loretta Lynch und der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber Seite an Seite in Zürich.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)
  • Die Ermittlungen gegen die Fifa werden ausgeweitet. Die Schweizer Justiz und die US-Behörden müssen noch viele Informationen sichten.
  • Ermittlungsgegenstand ist auch der Rechte-Deal den Sepp Blatter mit seinem damaligen Vize-Präsidenten Jack Warner geschlossen hat.
  • Sepp Blatter droht eine heikle Perspektive.
Von Thomas Kistner, Zürich

Wuchtige Kerle mit Knopf im Ohr und ausgebeulten Jackets säumen den Hotelflur, Journalistenscharen und Kamerateams müssen erst einmal am Bomben-Spürhund vorbei; im Konferenzraum sind die Rollos runter- und die Vorhänge zugezogen. Doch was Loretta Lynch und Michael Lauber den 140 Medienschaffenden präsentieren, ist von eher subtiler Brisanz: finstere Perspektiven für die, die es betrifft.

Die US-Justiz hat ihre Ermittlungen im Fifa-Korruptionsskandal ebenso ausgeweitet wie die Schweizer Bundesanwaltschaft. Immer mehr Personen und Organisationen rücken in den Fokus, sagte die US-Justizministerin am Montag in Zürich, die "nächste Runde an Festnahmen und Anklagen" stehe bevor. Sie ergänzte: "Basierend auf weiteren Beweisen, die wir erhielten."

Bundesanwalt Lauber hat auch gut zu tun. Man habe seit den ersten Festnahmen in der Fußballwelt am 27. Mai elf Terabyte Materialien aus der Fifa-Zentrale zu sichten - und dank Mithilfe der nationalen Banken insgesamt schon 121 verdächtige Konten im Visier. Es gab Hausdurchsuchungen in der westlichen Schweiz und der Alpenregion, ständig werden Gelder und Güter eingefroren. "Es ist daher noch zu früh, eine Größenordnung zu nennen." Außerdem, fügt Lauber hinzu, wolle er diese auch "aus taktischen Gründen nicht" bekanntgeben.

Der Bundesanwalt interessiert sich für Blatters Rechte-Deal

Wohin die Reise letztlich führt, geben die beiden Untersuchungsführer zwischen den Zeilen zu erkennen. Lauber erklärt, dass seine Behörde nun auch die Frage prüfe, ob es auf der Fifa-Chefetage zum Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gekommen ist. Am Freitagabend hatte das Schweizer Fernsehen enthüllt, dass Verbandschef Sepp Blatter im Herbst 2005 WM-Fernsehrechte für die Karibik zu bizarren Dumpingpreisen an seinen damaligen Fifa-Vize Jack Warner (Trinidad & Tobago) verkauft hatte.

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Dadurch entgingen, leicht nachrechenbar, dem Weltverband offenkundig Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Das Geld ist, wie der Profit aus anderen Warner zugeschanzten Fußballrechten, in dessen Geschäftssumpf versickert. Laut fordern nun Schweizer Strafrechtsexperten Ermittlungen, darunter Mark Pieth, der jahrelang Fifa-Reformchef unter Blatter war. "Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen", sagt der Basler Professor im Hinblick auf den vom Fifa-Chef unterzeichneten Vertrag für Warner. Die Behörden hätten "den Anscheinsbeweis, das heißt, dass sie ein Verfahren eröffnen müssen".

Blatter droht schlechte Perspektive

Für Blatter wäre das eine heikle Perspektive: Dürfte er noch Fifa-Präsident sein, wenn gegen ihn ermittelt würde? Da könnte wohl nicht einmal mehr die wackere Ethikkommission helfen. Noch verschanzt sich diese auf Anfrage, ob sie aufgrund Blatters TV-Deal mit Warner Ermittlungen gegen den Verbandschef einleiten wolle, hinter den Ziffern ihres Reglements. Aber die Einschläge rücken näher, Lauber sagt: Schon am Sonntagabend habe die Bundesanwaltschaft von der Fifa eine Stellungnahme zum Sachverhalt erhalten; diese werde nun eingehend geprüft. Der Vorgang ist also auch Teil der Untersuchungen. Er liefert ein starkes Beispiel für die Bereiche, in denen sich die Schweizer Feldforschungen mit denen der US-Justiz überschneiden.

Die sondiert nach SZ-Informationen gezielt in der Fifa-Vergangenheit. Nur einmal zog Justizministerin Lynch in Zürich die Braue hoch und blickte irritiert zu ihrem Kollegen: auf die Frage, ob die US-Fahnder auch den großen Korruptionsfall um die ISL aufrollen werden. Die frühere Schweizer Hausagentur der Fifa hatte jahrelang Sportfunktionäre geschmiert, um an TV- und Vermarktungsrechte zu gelangen; in einer Strafermittlung zur Causa war die Fifa selbst zur Beschuldigten und schließlich mit Millionen zur Kasse gebeten geworden, weil ihr Personal nicht kooperiert hätte. Lieferte die ISL die Blaupause für all die späteren Skandale? Auch das interessiert die Amerikaner.