Unterstützung im Fall Uli Hoeneß "Es gibt keinen Besseren für diese Position"

Kann Uli Hoeneß im Falle einer Anklage seine Positionen beim FC Bayern behalten?

(Foto: dpa)

Im August könnte Anklage wegen Steuerbetrug gegen Uli Hoeneß erhoben werden. Würde er dann Bayern-Präsident und Aufsichtsratschef bleiben? Adidas-Chef Hainer hält nun sogar eine Unterstützung im Anklagefall für möglich. Seine Worte zeigen jedoch auch, wie ernst die Beteiligten die Lage einschätzen.

Von Christof Kneer

Am Wochenende hat sich Herbert Hainer wieder in der Causa Hoeneß zur Wort gemeldet. Im Focus sprach er sich für Uli Hoeneß' Verbleib als Aufsichtsratschef des FC Bayern aus - auch für den Fall, dass Hoeneß angeklagt werde. "Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für diese Position gibt", sagt Hainer.

Hainer hat gleich zwei Funktionen, die ihn eng an Hoeneß binden, er ist Aufsichtsrats-Vize beim FC Bayern und Vorstandschef von Adidas, jenes Unternehmens, das knapp zehn Prozent der Anteile an der FC Bayern AG hält. Wer die langjährige Beziehung zwischen Adidas und Bayern kennt, wird sich kaum wundern über Hainers Plädoyer; bemerkenswert wird der Satz aber, wenn man ihn mit jenen Wortbeiträgen vergleicht, mit denen sich Hainer zuvor vernehmen ließ. "Wird die Selbstanzeige anerkannt, kann er Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender bleiben", sagte Hainer im Juni. Damals koppelte er die Unterstützung noch an die Wirksamkeit der Selbstanzeige; nun hält er eine Unterstützung auch im Anklagefall für möglich.

Chronologie der Hoeneß-Affäre Der Fall des Uli H.

Uli Hoeneß ist tief gestürzt: Der gefeierte Fußball-Manager wurde zum Steuersünder und zog den Zorn der Republik auf sich. Nun beginnt vor dem Landgericht München II der Prozess - und der könnte mit einer Haftstrafe enden. Die Chronologie der Ereignisse.

Der neue Zungenschlag legt die Vermutung nahe, dass im Kreise der Hoeneß-Sympathisanten inzwischen alle Szenarien durchgespielt werden. Dass der Chef eines großen Unternehmens, das wie alle Unternehmen die Compliance-Regeln peinlich genau im Blick haben muss, die Solidaritätsbekundungen derart nachbessert, zeigt, wie ernst die Beteiligten die Lage einschätzen. Denn zehn Tage vor dem feierlich angekündigten "Uli-Hoeneß-Cup", einem Spiel zwischen Bayern und dem FC Barcelona, steht über allem ja diese Frage: Könnte Hoeneß im Falle einer Anklage Präsident und Aufsichtsratschef bleiben?

Die Vereinssatzung kann mit keiner klaren Antwort dienen. In Paragraf 9 ("Pflichten der Mitglieder") heißt es lediglich: "Jedem Mitglied muss in seinem Verhalten zum Klub und dessen Mitgliedern Ehre und Ansehen des Klubs oberstes Gebot sein." Ein Satz, der zu Interpretationen einlädt und hohes Verrechnungspotenzial aufweist; zu diskutieren wäre dann, ob Hoeneß' Verdienste sein aktuelles Verschulden überwiegen - oder nicht.

Laut Satzung muss der Präsident des e. V. automatisch dem Aufsichtsrat angehören, was die Frage nach dem Umkehrschluss nahelegt. Sollte einer nicht mehr Aufsichtsrat sein können: Könnte er dann noch Präsident sein? Antwort: Ja, könnte er. Ein Klubsprecher bestätigte am Sonntag, dass das (von den Mitgliedern gewählte) Präsidium darauf bestehen kann, dass der Präsident dem Aufsichtsrat angehört. Ob von diesem Recht in der Praxis aber Gebrauch gemacht würde? Das ist doch eher zweifelhaft.