Umstrittener Sportmediziner "Läufst du wie ein Stümper, musst du zum Klümper"

Umstritten: der Sportmediziner Armin Klümper (Archivbild von 1984).

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Wer ist der brummige Doktor, der Fußballern in den siebziger und achtziger Jahren Anabolika verabreicht haben soll? Armin Klümper betreute zeitweise bis zu 70 Prozent aller westdeutschen Topathleten. Heute schottet er sich ab.

Von Lisa Sonnabend

Paul Breitner schickte sogar eine Autogrammkarte, um Armin Klümper zu danken. Der Arzt habe ihm "Zuversicht und Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeiten" gegeben. Später, als der Freiburger Sportarzt mit dem Finanzamt in Clinch geriet, soll Breitner sogar einen hohen Geldbetrag für Klümper gespendet haben - aus Verbundenheit.

Paul Breitner muss eine enge Beziehung zu Armin Klümper gehabt haben. So wie Hunderte andere Spitzenathleten in den siebziger und achtziger Jahren. "Läufst du wie ein Stümper, dann musst du mal zum Klümper" lautete damals ein Sprichwort. Weltmeister, Olympiasieger, Weltrekordler pilgerten in die Freiburger Praxis. Sie ließen sich behandeln, um schneller wieder gesund zu werden und Schmerzen zu lindern. Doch es kamen auch Gerüchte auf, dass Klümper manche Sportler mit unerlaubten Mitteln behandelt haben könnte, damit sie schneller laufen, weiter springen oder länger durchhalten. Sein Ansehen begann zu bröckeln.

Am Montag sind nun neue Vorwürfe gegen den Arzt bekannt geworden und die sind brisant. Die Evaluierungskommission, die sich mit der Doping-Vergangenheit an der Universität Freiburg beschäftigt, hat Belege gefunden, wonach beim VfB Stuttgart und beim SC Freiburg Anabolika verabreicht worden sein sollen. Es wäre der größte Dopingskandal der deutschen Fußballgeschichte. Die Schlüsselfigur soll Armin Klümper sein.

Klümper gab Spritzen und Trainingstipps

Wer ist dieser Mann, dem in den siebziger und achtziger Jahren die Sportwelt vertraute und der wohl wie kein anderer Athleten gedopt hat? Der mittlerweile 79-Jährige galt jahrelang als Ober-Guru der Sportmedizin, er betreute laut Schätzungen zeitweise bis zu 70 Prozent aller westdeutschen Spitzensportler. Mehr als 2000 Athleten kamen pro Jahr in seine Praxis, die ihm für einen Millionenbetrag auf einem Waldgrundstück errichtet worden war. Klümper war zudem Verbandsarzt beim Deutschen Leichtathletik-Verband und Bund Deutscher Radfahrer.

Klümper gab den Patienten Spritzen, aber auch Trainingstipps. Er duzte sie, unterhielt sich oft stundenlang mit ihnen. Die Läuferin Gaby Bußmann ging sogar so weit und sagte: "Er läuft, wirft und springt mit uns." Als 1984 gegen Klümper wegen des Verdachtes auf Krankenkassenbetrug ermittelt wurde, planten Athleten, für eine Sympathie-Kundgebung auf die Straße zu gehen. Der Spiegel nannte die Beziehung des Arztes zu seinen Patienten einmal eine "ganz und gar irrationale Bindung".

Größter Geschäftsunfall für den Fußball

Die Indizien sind erdrückend: Auch im reichsten Sport der Welt wurden offenbar jahrelang Anabolika eingesetzt. Erweisen sich die Vorwürfe als wahr, hat der Fußball den Sprung unter die dopingintensiven Sportarten offiziell geschafft. Kommentar von Thomas Kistner mehr ... Kommentar

Doch schon bald wurde der bekannteste Sportmediziner zu einem der umstrittensten. 1987 starb die Siebenkämpferin Birgit Dressel. Ihr Organismus versagte, sie hatte zuvor Unmengen von Medikamenten gespritzt und geschluckt. Wenige Wochen vor ihrem Tod war Dressel in Klümpers Praxis gewesen - wie so oft.

Heute schottet er sich ab

Klümper wies jede Schuld von sich und leugnete, die 26-Jährige gedopt zu haben. Er habe sie nur aus medizinischen Gründen behandelt. Der DLV nahm Klümper vorübergehend nicht mehr mit zu Wettkämpfen. Doch gestoppt wurde der Sportmediziner in seiner Arbeit nicht. Sportler und Vertraute hielten weiter zu dem brummigen Doktor mit dem Kinnbart.

Klümper hörte erst viele Jahre später auf. Die Hürdensprinterin Birgit Hamann wählte 1997 im Aktuellen Sportstudio deutliche Worte und beschuldigte den Arzt, sie jahrelang mit Wachstumshormonen behandelt zu haben - und das ohne ihr Wissen. Auch diesmal wies Klümper die Vorwürfe von sich. Doch zunehmend rückten Sportler von ihm ab. Klümper gab schließlich seine Praxis auf. Der Mediziner zog nach Südafrika. Noch heute lebt er dort, er schottet sich ab. Anfragen zu den Dopingvorwürfen beantwortet er nicht, auch nach den neuen Enthüllungen ist er nicht auffindbar.

Armin Klümper beschäftigt sich nun mit Alternativmedizin und publizierte mehrere Bücher. Er hat sich neue Fachgebiete gesucht: In einem seiner letzten Artikel für ein Magazin ging es um "Entschlackung durch Heilfasten".