Umstrittener Elfmeter führt zum FCI-Sieg Wenn sich zwei streiten, freut sich der Hartmann

Der FC Ingolstadt startet mit einem 1:0 gegen Mainz in die Rückrunde. Die Entstehungsgeschichte des Treffers sorgt für Diskussionen.

Von Maik Rosner, Ingolstadt

Später fehlte eigentlich nur noch Schiedsrichter Florian Meyer, um alle Hauptdarsteller dieses Spiels auch im Nachgang zusammenzuführen. Moritz Hartmann plauderte vergnügt über seinen verwandelten Elfmeter. Daneben stand Stefan Bell und regte sich auf, dass dem Ingolstädter Angreifer dessen viertes Saisontor überhaupt erst ermöglicht worden war durch Meyers umstrittenen Pfiff. "Ich stehe ganz normal da und drehe mich weg. Ich glaube, es war eine Armhaltung, von der von den Schiedsrichtern gesagt wird, dass man sich so verhalten darf", schimpfte Bell. "Es ist frustrierend, weil man nicht weiß, wie man sich verhalten soll. Ich weiß auch nicht, ob die Schiedsrichter noch wissen, was sie pfeifen sollen."

Die Dauerdebatte in der Bundesliga um die Handregel war beim 1:0 des FC Ingolstadt gegen den FSV Mainz 05 also um eine weitere Episode erweitert worden. Sogar nicht nur wegen jener Szene aus der 40. Minute, in deren Anschluss Meyer nach einigem Zögern und offenbar auf Geheiß seines Assistenten diesen nicht zwingenden Elfmeter verhängte, den Hartmann lässig verwandelte (41.). Einen klaren Handelfmeter hatte das Schiedsrichtergespann zuvor noch verweigert, als der Mainzer Gaetan Bussmann den Ball mit der Hand in eine andere Richtung geschubst hatte. Den Elfmeter gab es erst, nachdem Pascal Groß Bells Arm angeschossen hatte.

Ingolstadts Pascal Groß leitet den Aufreger des Tages ein. Er schießt auf das Mainzer Tor und trifft Danny Latza. Der Schiedsrichter gibt Handelfmeter.

(Foto: Getty/Adam Pretty)

"Die Hand hat da oben nichts zu verlieren. Dann muss man halt sein Gesicht hinhalten", befand Groß. "Ich glaube, dass der Schiedsrichter lieber den ersten Elfmeter gegeben hätte", mutmaßte Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl. Die ausgleichende Gerechtigkeit habe sich durch "eine Kompensationsentscheidung" eingestellt. Sein Mainzer Kollege Martin Schmidt war eher grundsätzlich unzufrieden nach diesem Kampfspiel mit wenigen Torchancen. "Wenn die Aktion nicht gewesen wäre, wäre es ein Punkt geworden. Aber wir wollten gewinnen, dafür war es zu wenig", sagte der Schweizer nach der zweiten 0:1-Niederlage gegen den Aufsteiger in dieser Saison.

"Angst kenne ich nicht"

Dass Ingolstadts sechster Sieg in der Bundesliga und der dritte im heimischen Sportpark in einer Handdebatte mündete, konnte Moritz Hartmann, 29, egal sein. Denn die Stürmerdebatte, die den FCI nach nur elf Toren in der Hinrunde zuletzt vor allem beschäftigt hatte, war durch Ingolstadts dienstältesten Angreifer nun mit einer Pointe versehen worden. Frei nach dem Motto: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Hartmann. Zuletzt verpflichtete Ingolstadt ja für die Klub-Rekordablöse von 2,5 Millionen Euro Angreifer Darío Lezcano vom FC Luzern. Der Paraguayer löste gegen Mainz in der Schlussphase Elias Kachunga ab, den zuvor teuersten FCI-Transfer. Doch für die auffälligsten Szenen hatte wieder einmal Hartmann gesorgt. Nicht allein mit seinem verwandelten Elfmeter nach nur zwei Schritten Anlauf, sondern zudem mit einem Lattentreffer.

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Und auch mit seiner ebenso coolen Bestandsaufnahme zur Frage, ob er denn Angst habe vor dem Konkurrenzkampf im Angriff. "Angst kenne ich nicht. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich kenne das ja aus den vergangenen Jahren", sagte der bisher erfolgreichste Ingolstädter Torschütze, "da wird immer ein neuer Stürmer geholt und alle denken, ich falle aus der Reihe. Aber gerade dann kommt meine Zeit." Hartmann grinste vergnügt. Beachtliche 23 Punkte nach 18 Spielen haben die Ingolstädter nun schon angehäuft in ihrem ersten Bundesligajahr, und sind guter Dinge, dass sie die Liga auch weiterhin verblüffen können mit ihrem für die Gegner unangenehmen Stil. "Ich sehe keinen Grund, warum wir in der Rückrunde nicht sogar noch mehr Punkte holen sollten", sagte Hasenhüttl. Auch er grinste vergnügt.