Von Hans Leyendecker

Das Nachspiel zwischen ,,Beckmann'' und Jan Ullrich: Es geht um nicht eingehaltene Absprachen und die Zuschaltung von ARD-Experte Hajo Seppelt.

Als der umtriebige CSU-Politiker Horst Seehofer neulich bei Reinhold Beckmann in der ARD war, fragte der Moderator etwas gewunden, ob dessen ,,private Probleme'' etwas ,,Negatives bewirken könnten''. Die Kanzlerin Angela Merkel sollte ihm verraten, ob sie die Situation vor dem Irak-Krieg ,,falsch eingeschätzt'' habe, und die wilde Uschi Obermaier sollte erzählen, wie das mit den Rolling Stones war, und wie es insbesondere mit Jimi, Mick und Keith lief.

Ullrich und Beckmann

Jan Ullrich zu Gast bei "Beckmann". (© Foto: dpa)

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Auftritte bei Beckmann sind für den Gast einigermaßen planbar, und so war es nicht überraschend, dass Beckmann am Montag den ehemaligen Radprofi Jan Ullrich nach dessen Beziehungen zum spanischen Dopingarzt Fuentes fragte und wissen wollte, ob Ullrich für einen Abgleich seiner DNA mit den bei Fuentes beschlagnahmten Blutbeuteln sei. Überraschend war nur die Reaktion des 33-jährigen Sportlers: Er war konsterniert, stotterte, wirkte fahrig. Ganz überzeugend war er nur, als er sagte: ,,Ich bin Jan Ullrich.''

Nach den Regeln der PR war der Montag dieser Woche mit Presseerklärung am Vormittag im Hamburger Interconti und dem Auftritt bei Beckmann am Abend ein Desaster für Ullrich. Nur eingefleischte Anhänger mögen die Fragen des Moderators als Angriff eines Inquisitors missverstehen und sein Nachsetzen als Unhöflichkeit. Dass Beckmann, der bei manchem Großpublizisten im Ruch steht, Bruder Leichtmund zu sein, den Journalisten mimte, war vorhersehbar. Dennoch hat Ullrichs Management die Beckmann-Redaktion schriftlich aufgefordert, einen Teil der Sendung nicht mehr auszustrahlen, was in Vorab-Meldungen zu einer Art Zensur hochgeschrieben wurde. ,,Das wird in eine Spule gebracht'', sagt Ullrichs Pressesprecher Michael Lang, ,,die wir gar nicht wollen.''

Das Finale ist so wie der Prolog - ein großes Missverständnis. Im Sommer 2006 hatte die Beckmann-Redaktion bei Ullrich nachfragen lassen, ob er als Gast zur Verfügung stünde. Er hatte abgelehnt. Mitte Februar erklärte sein Management, er sei bereit. Beckmann traf sich am Sonntag mit Ullrich und dessen sogenanntem Team zum Vorgespräch. Vereinbart wurde, dass Ullrich und seine Frau Sara die einzigen Gäste seien. Beckmann hat auch gesagt, dass er Fragen über Doping stellen werde und offenkundig haben Ullrichs Leute gemutmaßt, es würde bei Alibi-Fragen bleiben und die von Ullrich geübte Standardantwort würde genügen: ,,Ich muss auf meine Anwälte hören. Es gibt ja Ermittlungen gegen mich in Bonn. Da kann ich leider nichts sagen.''

Zur offenkundigen Verblüffung von Ullrich wurde dann in der Sendung der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt zugeschaltet, der über die spanischen Ermittlungsakten in dem Fall sprach und von ,,sehr harten Indizien'' gegen Ullrich. Seppelts Auftritt löste bei den Ullrich-Begleitern, die in einem Vorraum die Aufzeichnung verfolgten, Aufregung aus. ,,Wir würden die Sendung gern stoppen'', rief einer von ihnen. Der Aufnahmeleiter erklärte, ,,nachher'' könne man über alles noch mal reden. Danach bat das Ullrich-Team die Redaktion, den Seppelt-Auftritt zumindest zu kürzen und auch sonst ein paar Eingriffe vorzunehmen. ,,Das war unerfüllbar'', sagt ein NDR-Sprecher. Etwas unbestimmt drohte ein Jurist aus der Ullrich-Truppe umgehend mit juristischen Konsequenzen, falls die Talkshow so gesendet würde. Tags darauf wurde die Beckmann-Redaktion aufgefordert, Passagen des inzwischen längst ausgestrahlten Gesprächs nicht an andere Redaktionen weiterzugeben - eine juristische Grundlage dafür gibt es nicht.

Ein Laienstück wird da abgespult. Die Talkshow jedenfalls wird am heutigen Freitag noch einmal um 10.15 Uhr in 3sat ausgestrahlt.

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(SZ vom 2.3.2007)