Uli Hoeneß bei Bayern-Fanklubs Unter Freunden in Hofherrnweiler

Uli Hoeneß an der Basis bei den Fanklubs im schwäbischen Aalen.

Die Fans feiern Uli Hoeneß. Bei einem Fanklubbesuch bei Aalen wird der Bayern-Präsident umjubelt. Er verspricht ihnen noch viele erfolgreiche Jahre. Beim Thema Steueraffäre reagiert er zurückhaltend - mit einem Freispruch rechnet kaum jemand mehr.

Von Thomas Hummel

Uli Hoeneß war am Sonntag gefühlsmäßig mal wieder zu Hause, bei seinen Leuten. Zum jährlichen Fanklubbesuch fuhr der Präsident des FC Bayern diesmal nach Aalen - und wurde von den Anhängern ähnlich wie auf der Jahreshauptversammlung des Vereins im November überschwänglich gefeiert. "Uli, Uli"-Rufe schallten, als Hoeneß den Saal betrat.

Die Fanklub-Mitglieder aus Hofherrnweiler, Dewangen, Lippach und Essingen verdeutlichten, dass für sie die Steueraffäre und der nahende Gerichtstermin ein Grund ist, Uli Hoeneß ihre uneingeschränkte Unterstützung zu versichern. Komme da, was wolle. Auf der einen Seite der Halle war ein Plakat mit "Danke Uli Hoeneß" beschrieben, auf der anderen Seite der Halle stand "Uli Hoeneß Manager - Macher - Mensch".

Der Mann, der über Hoeneß richten wird

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Für den Menschen Uli Hoeneß könnte es vom 10. März an im Gerichtssaal im Münchner Justizpalast knifflig werden. Ein Freispruch gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Es muss weiterhin davon ausgegangen werden, dass der 62-Jährige mehr als drei Millionen Euro nicht versteuert hat und dass seine eilig zusammengeschusterte Selbstanzeige zu Beginn des Jahres 2013 wegen gravierender formaler Fehler nicht wirksam ist. Sieht es das Gericht ähnlich, geht es für Hoeneß nur noch darum, eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung zu vermeiden.

Als er nun in Aalen wegen seiner zahlreichen sozialen Engagements gelobt wurde, reagierte er zurückhaltend. "Ich möchte mich nicht zum Heiligen machen, jeder weiß, dass ich einen Riesenfehler gemacht habe. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen ein schlechter Mensch geworden bin", entgegnete Hoeneß. Er erklärte wie auf der Jahreshauptversammlung, er werde sein Leben lang dem FC Bayern zur Verfügung stehen, "wenn das die Leute wollen", versicherte jedoch: "Ich werde mich nicht an mein Amt klammern".

Nach einem Bericht der Bild am Sonntag soll Hoeneß über sein Konto bei der Schweizer Bank Vontobel mehrere Tausend Börsengeschäfte abgewickelt haben, vorrangig Währungs-Spekulationen. Er soll die Geschäfte mittels eines Börsenpagers bei der Bank beauftragt haben. Dabei sollen sich Gewinne und Verluste fast die Waage gehalten haben. Allerdings spiele das bei einer Selbstanzeige keine Rolle. Dort könne man Verluste nicht mit Gewinnen gegenrechnen.

Jüngster Manager, Lautsprecher, Steuerhinterzieher

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Sehr viel wohler fühlt sich der Präsident, wenn er derzeit über seinen Verein spricht. Und so hörten die 300 Fans in Aalen: "Wir sind im Moment der beste Verein der Welt." Er kündigte an, dass die klubeigene Arena in ein paar Jahren abbezahlt ist, der FC Bayern auf die Zukunft vorbereitet sei wie kein anderer und die Fans noch viele Jahre Spaß haben werden.

Auch zur umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar äußerte sich Hoeneß. "Man sollte die Entscheidung des Exekutivkomitees respektieren und versuchen, eine möglichst optimale Lösung zu finden", erklärte er und fügte hinzu, er halte nichts davon, "ständig zu meckern". Eine Verlegung in den Winter wäre "sehr wahrscheinlich die beste Lösung".

Mit Material von SID