Uli Hoeneß auf Hauptversammlung des FC Bayern "Bis ich nicht mehr atmen kann"

Ein Mann des Volkes: Bayern-Präsident Uli Hoeneß

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Uli Hoeneß weint, das Volk jubelt: Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München gerät zum identitätsstiftenden Familienfest. Der Präsident und sein Klub stellen ein für alle Mal klar, dass man die Steueraffäre zusammen durchstehen will.

Von Jonas Beckenkamp

Es ist nicht auszuschließen, dass Ulrich Hoeneß sich noch einen Muskelkater in den Fingern einhandelte, so viele Autogramme musste er schreiben. Da stand der Bayern-Präsident also auf der Bühne. Seiner Bühne. Und signierte auch wirklich jedem einen Fetzen Papier, der ihn darum bat. Als die Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters zu Ende war, fügte sich alles zu einem Bild: Die Mitglieder huldigten ihrem Vereinsvater - und der nahm das Bad in der Menge gerne in Kauf.

Es war für beide Seiten ein durchaus schwärmerischer Abend gewesen. Hier der Präsident des FC Bayern München, der wegen seiner Steueraffäre um die Liebe des Volkes buhlte. Da die Fans, die ihrem Oberhaupt zur Seite standen und zu jeder Gelegenheit Ovationen spendeten. Hoeneß hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, damit es mit der Einigkeitsrevue auch klappt. Er zeigte Emotionen, er wetterte und weinte und schließlich sprach er jenen Satz, der seine Haltung ein für alle mal auf den Punkt brachte: "Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann."

Jahreshauptversammlung beim FC Bayern Hoeneß weint - und kämpft

Der FC Bayern feiert auf seiner Jahreshauptversammlung die Rekorde der Triple-Saison: Umsatz, Gewinn und Mitgliederzahlen sind in schwindelerregende Höhen gestiegen. Im Zentrum steht aber Präsident Uli Hoeneß. Karl-Heinz Rummenigge widmet ihm eine Rede, die ihn zu Tränen rührt. Nach seinem Steuerverfahren will Hoeneß den Klub-Mitgliedern die Vertrauensfrage stellen.

Damit war klar, was sich in den vergangenen Wochen schon verfestigt hatte: Eine vorrübergehende Amtsniederlegung oder gar ein Rücktritt von seinem Posten als Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG kommt für Hoeneß nicht in Frage. Anklage wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hin oder her - diese Krise will der Chef bis zum möglicherweise bitteren Ende aussitzen. Zur Legitimation ist ihm einzig das Vertrauen der Vereinsmitglieder heilig und das will er sich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im neuen Jahr noch einmal offiziell bestätigen lassen.

Wie schon bei einigen öffentlichen Auftritten zuvor sprach der 61-Jährige davon, mit seinem Steuerbetrug "einen großen Fehler gemacht" zu haben. Das war's dann aber auch schon mit der Reue, schließlich habe er "wie viele andere Bürger in Deutschland eine Selbstanzeige anfertigen lassen", die er und seine Anwälte weiterhin für wirksam halten. In der Hoeneß'schen Wahrnehmung (und der vieler johlender Mitglieder) soll der Prozess gegen den Bayern-Boss vor allem fair - sprich: mit größtmöglicher Milde - geführt werden. Ob die Staatsanwaltschaft des Münchner Landgerichts II das auch so sieht?