Vom Notnagel zum Dauerbrenner: Der ewige Bremer Thomas Schaaf ist seit genau zehn Jahren Werder-Trainer. Beeindruckend ist daran vor allem seine ruhige Art.
Die Nachfragen waren hartnäckig. Warum haben Werder Bremens derzeit beste Spieler Diego und Mesut Özil am vergangenen Sonntag auf der Sportanlage Bremen-Oberneuland quasi freizeitmäßig gekickt, während die Mannschaft ohne sie 0:1 beim 1. FC Köln verlor? Sei das nicht eine Wettbewerbsverzerrung in der Bundesliga, nur um die beiden Spielmacher für das Uefa-Cup-Spiel am Donnerstag beim Hamburger SV zu schonen?
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Brummig, beständig: Thomas Schaaf, 48, Werder-Trainer. (© Foto: Reuters)
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Thomas Schaaf, 48, hat ein paar Versuche gemacht, die beiden angeblich Verletzten zu schützen: "Sind sie gesprintet? Haben sie Zweikämpfe geführt?" Dann sagte er: "Ich bin verärgert, wie ich gefragt werde."
Vermutlich hat sich Werders Cheftrainer schon besser gefühlt als in diesen Tagen, in denen sein erster Tag als Bremens Coach sich zum zehnten Male jährt - und das nicht nur, weil seine Mannschaft in der Bundesliga mit Rang zehn so schlecht platziert ist wie noch nie in seiner Amtszeit.
Am Sonntag, 10. Mai, ist es so weit. Da spielen die Bremer erneut gegen den HSV, diesmal um Punkte. Die vom Boulevard zur "Park-Affäre" ausgeweitete Angelegenheit war aber nur ein weiterer Fall für das nach Schaafs Meinung viel zu große Bohai um den Fußball. Immer häufiger fährt er deshalb aus der Haut, weil ihm die verrückte Welt auf die Nerven geht mit ihren "schwarz-weißen Sichtweisen".
Dabei mag es Thomas Schaaf eigentlich nicht, Emotionen herauszulassen. Auch deshalb hat er stets viele Stereotypen in seinem Vokabular. Sich "gut präsentieren", "etwas anbieten" oder "die Dinge richtig angehen" sind Phrasen aus dem Schaaf'schen Wortschatz.
Brummiger, beständiger Fußball-Lehrer
Im Grunde ist er mit dem Ruf des brummigen, beständigen Fußball-Lehrers bestens gefahren, seitdem er am 10. Mai 1999 als Werders Cheftrainer vorgestellt wurde. Die Lösung in dieser "Notsituation", so der frühere Manager Willi Lemke, kam auch für Schaaf überraschend, der seit 1972 Mitglied im Klub ist. Damals, als Amateurcoach, hatte der einstige Profi gedacht, er "müsse den Verein verlassen", falls er als Trainer Karriere machen wolle. Und wäre nicht damals in seinem ersten Spiel ein glückliches 1:0 gegen Schalke 04 gelungen, hätte es womöglich gar keine Schaaf-Ära gegeben.
Vermutlich wäre Werder dann nach dem zuvor von den Profis geforderten Rauswurf von Felix Magath abgestiegen, und Schaaf wäre eine Interimslösung geblieben. Nicht das jetzige Spiel gegen den HSV um den Einzug ins Uefa-Cup-Finale war demnach Schaafs wichtigstes Spiel, auch nicht die Begegnung beim FC Bayern, in der Werder sich 2004 mit einem 3:1 die deutsche Meisterschaft sicherte - sein wichtigstes Spiel war sein erstes überhaupt.
Vermutlich hätte er niemals die Verfolgung eines Volker Finke (16 Jahre in Freiburg) oder eben seines Lehrmeisters Otto Rehhagel (14 Jahre in Bremen) aufnehmen können. Niemals hätte man überlegt, ob er nicht ins Guiness-Buch der Rekorde gehöre. Weil er seit der Kindheit im gleichen Klub ist, als Spieler Meister, DFB-Pokal- und Europacupsieger wurde und danach als Trainer Meister und zweimal Pokalsieger.
Irgendwie ist klar, dass so ein beständiger Mann abstreitet, sich in den zehn Jahren verändert zu haben. Obwohl er vermutlich weiß, dass so etwas gar nicht geht - selbst wenn er seine Spielphilosophie einer agierenden Mannschaft tatsächlich selbst dann durchhielt, als das Team in dieser Spielzeit immer mehr Abwehrschwächen zeigte. Und natürlich mag er diese permanenten Vergleiche mit Otto Rehhagel nicht.
"Phantasien" auslösen
Fragt man Karl-Heinz Kamp, der sowohl unter Rehhagel als auch unter Schaaf Ko-Trainer war (bis 2006), sagt der ewige Assistent: "Thomas hat die guten Seiten von Otto übernommen." Er sei "gerecht zu den Spielern, da laufen keine linken Dinger". Schaaf beobachte beim Training sehr genau. Werders Aufstieg unter Schaaf hatte aber - wie unter Rehhagel - auch damit zu tun, dass er zusammen mit Geschäftsführer Klaus Allofs über viele Jahre viele Spieler so perfekt einkaufte, als seien sie Teile eines Puzzles.
Es gehe darum, dass Spieler "Phantasien" auslösen, wohin sie sich entwickeln können, sagt Schaaf. Der Rest sei einerseits Erziehungssache, andererseits Glück. Zuletzt hatten Schaaf und Allofs weniger pädagogisches Glück. Seit 2006 Per Mertesacker und Diego kamen, waren nur noch Mesut Özil und der ausgeliehene Claudio Pizarro Verstärkungen. Auch deshalb hat sich Schaaf verändert. Nie gab es früher öffentliche Kritik an seinen Profis. Jetzt kritisiert der Enttäuschte seine Spieler des öfteren. Dabei kann auch diese missratene Saison noch prächtig enden: mit dem Uefa-Cup und dem DFB-Pokal.
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(SZ vom 07.05.2009)
Oben genannte Einstellungen sind meiner Meinung nach auch Eigenschaften , die auch einen Bremen Fan auszeichnen. Vor allem Ruhe und Gelassenheit (denke nur so kann man einige BL und CL Auftritte in dieser Saison verkraften) und das Wissen das sich das Team unter dieser Führung nicht so schnell aus der Fassung bringen lässt, auch wenn es in der Liga in dieser Saison halt mal nicht so gut läuft.
Finde die Philosophie, welche hier betrieben wird echt gut und äußerst solide und bin der Meinung das sich bei der Kontinuität der Erfolg nächste Saison auch wieder in der Liga einstellen wird.
Hoffe nun darauf das sich das Schonen von Diego und Özil auch gelohnt hat....
Sowas kann bei den Bazis wohl eher nicht passieren. Aber was wage ich dazu sagen??? ...als Anhänger des 1.FCK...
den Thomas!
und der verlinkte Comic ist spitze!
Den "Tigerahai" gibt es natürlich auch nicht, aber den "Tigerhai"....ich könnt mich ohrfeigen.
"Die vom Boulevard zur "Park-Affäre" ausgeweitete Angelegenheit war aber nur ein weiterer Fall für das nach Schaafs Meinung viel zu große Bohai um den Fußball."
Lieber Herr Marwedel,
Es gibt zwar den Hammerhai oder auch den Tigerahai aber den "Bohai" gibt es lt. Duden nicht. "Bohei" oder "Buhei" wird empfohlen. Bei der "Welt" würde ich es gar nicht erst bemängeln, aber dies hier ist die "SZ" ;-)
Euer klugsch****** Leser
wawerka