Während die Madrider Justizbehörden hartnäckig schweigen, berichtete die Zeitung ABC, dass weder dem Nationalen Gerichtshof noch der Uefa schlüssige Daten vorlägen, um eines der beteiligten Teams der Manipulation zu beschuldigen. Dies deckt sich mit Informationen der SZ. Allerdings sollen im Zuge zäher internationaler Ermittlungen vorwiegend in Bank- und Wirtschaftskreisen Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten bei den damaligen Partien aufgetaucht sein, sie seien ernstzunehmender Natur.

Pavel Pogrebnyak, Bastian Schweinsteiger, Marcel Jansen, Miroslav Klose, Luca Toni, Martin Demichelis, Franck Ribery Bild vergrößern

Zenits Pawel Pogrebnjak beim Freistoß zum 1:0. (© AP)

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Jedenfalls gehen nun die generellen Ermittlungen rund um die ominösen Figuren und Behauptungen, die sich um jene Partien ranken, mit offenbar verstärkter Energie weiter. Wie die SZ am Montag in der Schweiz erfuhr, soll das Ende April aufgenommene, direkte Gespräch zwischen den Madrider Behörden und der Uefa schon "in dieser Woche oder zeitnah fortgesetzt" werden. Der stille Austausch sei fruchtbar, hieß es weiter, "wir kennen schon ein paar Sachen und die Behörden wissen auch einiges, es ist eine gute Zusammenarbeit". Ob sie am Ende wirklich in einen Fall Petersburg mündet, das könnte sich vielleicht schon in den kommenden Wochen herausstellen.

Für die betroffenen Klubs gilt die Unschuldsvermutung. Sie hatten schon 2008 jegliche Verdachtsmomente strikt zurückgewiesen. "Das ist absoluter Blödsinn", tat nun ein Zenit-Klubsprecher kund. Die Untersuchungen seien längst beendet, man frage sich, "warum das Thema jetzt wieder hochgekocht wird".

Wortkarge Bayern

Der FC Bayern hielt sich am Montag bedeckt. Ein Pressesprecher erklärte auf die SZ-Anfrage, ob dem Verein bekannt sei, dass auch die Ermittlungsbehörden in Spanien in der Sache ermittelten, man habe den aktuellen Pressemeldungen des Sport-Informations-Dienstes samt der darin enthaltenen offiziellen Uefa-Aussage "nichts hinzuzufügen". Das Ganze, hatte es in der Agentur weiter geheißen, sei für die Bayern "kein Thema mehr".

Wie auch immer. Telefonmitschnitte hatten schon einmal geholfen, einen großangelegten Sportbetrug aufzudecken. Bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City hatte eine französische Preisrichterin auf Geheiß ihres Verbandschefs mit ihrer Stimme dafür gesorgt, dass das russische Paar Bereschnaja/Sicharulidse Gold zugesprochen bekam, Tage später bekamen die durch die Manipulation zweitplatzierten Kanadier Jamie Sale und David Pelletier ebenfalls Gold im Paarlauf ausgehändigt.

Dabei kam heraus, dass ein russischer Geschäftsmann zumindest diese Entscheidung aus seinem Domizil in der Toskana eingefädelt hatte. Die italienische Finanzpolizei hatte ihn als Geldwäscher unter Verdacht und über Monate abgehört. Der Geschäftsmann saß ein Jahr in Untersuchungshaft, wurde aber dann nach Moskau expediert und nicht an die USA ausgeliefert - das FBI sucht ihn noch heute per Haftbefehl.

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(SZ vom 01.06.2010)