Von Frank Nienhuysen

Trainer Dick Advocaat hat aus dem "schlafenden Klub" Zenit St. Petersburg einen gefährlichen Gegner für den FC Bayern gemacht. Und die Russen rüsten weiter auf: mit einem neuen Stadion namens Space Shuttle wollen sie die Vorherrschaft im russischen Fußball übernehmen.

Schmeichelnd sanft sind die weißen Nächte in St. Petersburg, im Vergleich zum weißen Winter aber ziehen sie auch schnell wieder vorüber. Konstantin Sarsanija hatte also wenig zu wuchern, als er den Brasilianer Zé Roberto vor zwei Jahren an die Newa locken wollte. "Sehr schade", sagte Sarsanija nun, "dass damals nichts draus wurde, aber Zé Robertos Frau hat sich einfach geweigert, nach Russland zu fliegen." Sarsanija ist der Sportdirektor von Zenit St. Petersburg, und wenn er das raue Klima an der Ostsee schon nicht ändern kann: Beim Budget hat der Verein eine Menge bewegt.

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Trainer Dick Advocaat kam vor zwei Jahren zum russischen Verein Zenit St. Petersburg. (© Foto: Getty)

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Anstelle des aktuellen Bayern-Profis Zé Roberto hat Zenit seine sprudelnden Geldquellen vor allem über Anatolij Timoschtschuk ergossen. Der Mittelfeldspieler, Kapitän der ukrainischen Nationalelf und nun spiritus rector beim Münchner Gegner an diesem Donnerstag, kam vor einem Jahr für 15 Millionen Euro von Schachtjor Donezk. Das ist bis jetzt der teuerste Transfer im postsowjetischen Raum, aber dank des Großsponsors Gazprom, der den Jahreshaushalt auf geschätzte 60 Millionen Euro aufpumpen half, dürfte in den nächsten Jahren noch weit mehr Geld fließen. Denn Zenit bereitet sich auf die Machtübernahme im russischen Fußball vor.

Medwedjew ist Mitglied im Fanclub

Früher regierten die einflussreichsten Männer des Landes in Moskau und statteten die hauptstädtischen Klubs mit Gunst und Geld aus. Heute lenken die Politbosse noch immer in Moskau, kommen aber aus St. Petersburg. Wladimir Putin, der scheidende Kremlchef, ist Anhänger von Zenit, sein Nachfolger Dmitrij Medwedjew gehört sogar einem Fanclub an. Das sind gute Voraussetzungen für eine veritable Zukunft, die bereits im vorigen Herbst begonnen hat.

Damals wurde der Verein trotz der Moskauer Großkonkurrenz um Spartak und ZSKA erstmals russischer Meister, und der Einzug in das Uefa-Cup-Halbfinale ist der größte Erfolg der Klubhistorie. Das kärgliche Stadion ist den neuen Ansprüchen längst nicht mehr gewachsen, also lässt Gazprom im nächsten Jahr in St. Petersburg ein futuristisches Raumschiff landen, das Platz fassen wird für 60.000 Zuschauer. Space Shuttle wird die Arena genannt.

Demnächst spielt Zenit erstmals in der Champions League, und derart freudetrunken ist die Mannschaft über all das, dass sie in der noch jungen Meisterschaft das Gewinnen vergaß: Nach sechs Spielen und nur einem Sieg liegt Zenit irgendwo in der Grauzone des Mittelfelds, noch hinter dem tschetschenischen Verein Terek Grosny.

Auf der nächsten Seite: Der Business Plan von Zenit St. Petersburg und "ein Wunder" für Dick Advocaat.

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