Von Markus Schäflein

Abschiedstournee mit Lücken: Wenn der FC Bayern München heute abend (19 Uhr) in Anderlecht antritt, ist Mannschaftskapitän Oliver Kahn nicht dabei.

Als Oliver Kahn das Spielfeld betrat, blieb das Publikum in der Arena auf Schalke still. In den Jahren zuvor hatte der Torwart des FC Bayern stets den geballten Unmut der Massen erregt, wenn er sich in Gelsenkirchen blicken ließ, aber diesmal war kein Pfiff zu vernehmen, kein Buhruf, nicht einmal ein vereinzelter Affenlaut. Zu einem schönen Applaus konnten sich die Schalker Fans zwar auch nicht durchringen, aber immerhin verabschiedeten sie Kahn mit respektvollem Schweigen, der aus ihrer Sicht größtmöglichen Anerkennung.

kahn fc bayern uefa-cup

Es werden immer weniger: Die Spiele des Oli Kahn sind gezählt (© Foto: ddp)

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Hinterher im Kabinengang trafen sich Vergangenheit und Zukunft. Kahn, 38, klopfte Schalkes Torwart Manuel Neuer, 21, auf die Schulter. Er gab ihm sein Trikot, er warf es ihm nicht zu, sondern er hielt kurz inne und überreichte es feierlich. Kahn wusste: Das war das letzte Spiel gegen Neuer, das letzte Spiel auf Schalke. Wenn Kahn irgendwo zu Gast ist in dieser Saison, ist es immer das letzte Mal, und immer kann man es an einer kleinen Szene ablesen, wie der Torwart seinen Abschied ganz bewusst erlebt.

Nun fällt auf seiner großen Abschiedstournee ein Gastspiel aus. Am Donnerstagabend im Uefa-Pokal-Spiel beim RSC Anderlecht ist Kahn nicht dabei. Er werde geschont, erklärte Trainer Hitzfeld. Für die Höhepunkte der Saison soll Kahn ja in bester Verfassung sein, für das Spiel gegen seinen ehemaligen Klub Karlsruher SC am Samstag zum Beispiel, für die möglichen Pokalfinalspiele und für den Endspurt in der Bundesliga. Aber es ist nicht so, dass Ottmar Hitzfeld seinen ehrgeizigen Torhüter zu dieser Pause überreden musste: Kahn hat gerade nicht so viel Sinn für Fußball wie sonst. Am Samstag starb Kahns Großvater Rolf im Alter von 86 Jahren - jener Opa, der den achtjährigen Oliver einst für Fußball entflammte, weshalb Kahn zum Großvater väterlicherseits stets eine äußerst innige Beziehung unterhielt.

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