In einem am Ende intensiven Duell gewinnt der Hamburger SV das erste Uefa-Cup-Halbfinal-Spiel in Bremen mit 1:0. Der kleine Piotr Trochowski trifft per Kopf.
Tim Wiese war dieses Mal auffallend zurückhalten gewesen. Vielleicht hatte der Bremer einfach nur sein Repertoire schon vor dem Pokalspiel vor einer Woche mit den unverblümten Attacken "wir müssen dem HSV sofort auf den Sack gehen. Die haben sowieso die Hose voll" verschossen. Wahrscheinlicher aber ist, dass der bekanntermaßen prophetisch begabte Torhüter eine Ahnung hatte, dass Verbalattacken vor diesem zweiten von vier Aufeinandertreffen innerhalb von 19 Tagen nach hinten losgehen würden. Im ersten Uefa-Cup-Halbfinale zwischen zwei deutschen Teams seit 20 Jahren glichen die Hamburger in der Wertung des wahlweise als "Vier-Chancen-Tournee", "Derby-Wahnsinn" oder "norddeutsche Festspielwochen" betitelten Vierteilers durch ein 1:0 aus. Während sich Bremens Trainer Thomas Schaaf über seine Mannschaft ärgerte - "Man muss begreifen, dass man in beiden Hälften Leistung bringen muss" -, mischte sein Gegenüber Martin Jol Lob mit Kritik: "Wir haben es heute gut gemacht, hätten aber schon alles klar machen müssen."
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Vergab zwei Kopfballchancen und wurde ausgewechsel: Hugo Almeida. (© Foto: Getty)
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Viele hätten es vor der Partie wohl eher gewagt, ein genaues Ende der Wirtschaftskrise zu prognostizieren, als einen Favoriten in diesem Halbfinale zu benennen. Die Formkurven beider Mannschaften hatten zuletzt Ausschläge gezeigt wie ein Seismograph bei einem mittelschweren Erdbeben, das Pokalspiel vor einer Woche erst ein famos parierender Torhüter Tim Wiese im Elfmeterschießen entschieden, und auch in punkto Selbstsicherheit schenkten sich die Wortführer der Mannschaften nichts. "Nach der Niederlage im DFB-Pokal sind wir extra motiviert", verkündete Hamburgs Verteidiger Joris Mathijsen, während der von Juventus Turin becircte Bremer Diego erklärte: "Wenn wir am Donnerstag unser Spiel wieder aufziehen können, dann werden wir die Partie auch gewinnen."
Ziemlich ausgeglichen ging es anfangs auch dort zu, wo bekanntlich die Wahrheit liegt: auf dem Platz. Ivica Olic scheiterte nach zwei Minuten aus spitzem Winkel an Wiese, Diego prüfte wiederum postwendend den erst im Nachfassen sicheren Frank Rost. Fortan jedoch staunten die Bremer Zuschauer unter ihren Tim-Wiese-Masken, denn der extra motivierte Mathijsen und dessen Kollegen folgten der Vorgabe ihres Trainers Jol: "Wir müssen auch auswärts versuchen, die Initiative zu übernehmen."
An Paolo Guerreros Schuss kam Wiese noch ran (22.), wenig später war er machtlos. Guy Demel flankte nach feiner Kombination, und auch wenn der nur 1,70 Meter große Piotr Trochowski als Kopfballspieler ungefähr die Gefahr eines Hydranten ausstrahlen mag, sollte man ihn doch nicht gar so frei stehen lassen wie Clemens Fritz. Trochowski zeigte jedenfalls, dass er im Gegensatz zu einem Hydranten springen kann und köpfelte den Ball zum 1:0 in die Maschen (28.)
Und was war mit Bremens Vorhaben, ihrem Trainer Schaaf einen schönen 48. Geburtstag zu bescheren? Zunächst blieb es bei einigen umständlichen Versuchen, wirklich nennenswert war erst Hugo Almeidas Chance nach dem Seitenwechsel und einer von Rost unfreiwillig abgefälschten Fritz-Flanke (51.). Weil Almeida auch den nächsten Kopfball nicht richtig platzierte (61.), beorderte ihn Schaaf im Tausch mit Markus Rosenberg vom Feld.
Zwar nahm nicht unbedingt Rosenberg, dafür jedoch das gesamte Spiel an Fahrt auf. Wiese ließ gegen Olic Taten sprechen, Pitroipa zirkelte das Spielgerät nach einer Hereingabe von Olic am Kasten vorbei, auf der Gegenseite agierte Mesut Özil nach feinem Solo zu uneigennützig und Rosenberg ballerte als echter Almeida-Ersatz über das Tor. Auch die Bremer hätten sich jetzt ein Tor verdient gehabt für ihre Bemühungen, die Versäumnisse des ersten Abschnitts nachzuholen. Jetzt war jedenfalls Schwung drin, den Jol mit einer Auswechslung bremsen wollte. Jerome Boateng kam für Alex Silva.
Bremen dominierte, Hamburg kam nur noch gelegentlich mit schlampig vorgetragenen Entlastungsangriffen über die Mittellinie. Weil Claudio Pizarro auch die letzte Großchance nicht nutzte, rettete Hamburg das 1:0 über die Zeit und hat bei der Fortsetzung nächste Woche im eigenen Stadion nun die besseren Chancen auf den Finaleinzug. Vielleicht haut dann auch Tim Wiese mal wieder auf den Putz.
Werder Bremen: Wiese - Fritz (85. Prödl), Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings - Tziolis, Özil - Diego - Pizarro, Hugo Almeida (61. Rosenberg) Hamburger SV: Rost - Demel, Gravgaard, Mathijsen, Aogo (79. Benjamin) - Jarolim, Alex Silva (75. Boateng) - Pitroipa, Guerrero, Trochowski - Olic (90.+1 Torun)
Schiedsrichter: Webb (England) Zuschauer: 37 500 (ausverkauft) Tor: 0:1 Trochowski (28.) Gelbe Karten: Tziolis / Guerrero, Alex Silva, Aogo
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(sueddeutsche.de/hum)
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