Von Jürgen Schmieder, Istanbul

Werder Bremen muss einsehen, dass die Mannschaft ohne Diego, Hugo Almeida und Per Mertesacker nicht gut genug war, um gegen Schachtjor Donezk zu gewinnen - und fürchtet nun, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Tim Wiese beschrieb die Szene wie ein Reporter: "Auf der linken Seite wird nicht richtig angegriffen, der Ball kommt nach innen, da steht Jadson und schießt aus kurzer Distanz." Der Torhüter habe durch die Positionierung des Mitspielers Naldo schlechte Sicht gehabt, sei jedoch schnell am Boden gewesen und hätte den Ball mit ein wenig Glück abwehren können - so jedoch trudelte der Ball über die Linie.

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Freilich ist Tim Wiese kein Reporter, er ist der Torwart, dem das Glück nicht hold war in jener 97. Minute bei diesem Uefa-Cup-Finale zwischen Werder Bremen und Schachtjor Donezk, das die Ukrainer mit 2:1 nach Verlängerung für sich entscheiden konnten. "Natürlich kann man behaupten, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat", sagte Wiese nach dem Spiel. "Ich glaube, dass es das glücklichere Team war."

Die Bremer Spieler haderten ein wenig mit Schiedsrichter Luis Cantaledo nach diesem Endspiel, der in der Verlängerung einen Elfmeter - zu Recht - nicht gab, einem Tor von Sebatian Prödl - zweifelhaft - die Anerkennung verweigerte und kurz vor dem Ende - zu Unrecht - auf Abstoß anstatt auf Freistoß entschied. "Sagen Sie mir, was ich gemacht habe", klagte Claudio Pizarro, wegen dessen Körpereinsatz der Treffer nicht zählen sollte. "Ich erwische den Ball nicht, spiele aber kein Foul."

Vor allem aber mussten die Bremer mit sich selbst hadern. Zu wenige Torgelegenheiten hatten sie sich erspielt in diesen 120 Minuten, es brauchte einen Freistoß von Naldo aus 27 Metern, um überhaupt ein Tor zu erzielen und die Verlängerung zu erzwingen. Donezk dagegen hatte bereits nach fünf Minuten die erste Chance, als sich Sebastian Prödl einen Stellungsfehler leistete und Luiz Adriano allein vor Tim Wiese auftauchte, jedoch knapp scheiterte.

Überhaupt sah es in den ersten 15 Minuten so aus, als würde Donezk eine Sonderprämie vom Oligarchen bekommen, wenn sie in dieser Zeit drei Tore erzielen würden. Alle zehn Feldspieler standen in der Defensive kompakt und veranstalteten nach Ballgewinn einen teaminternen Sprint-Wettbewerb.

Als Gewinner konnte der Brasilianer Ilsinho ausgemacht werden, der immer wieder die rechte Seite hinabgeschickt wurde und den Bremer Sebastian Boenisch in ernsthafte Gleichgewichts-Schwierigkeiten brachte. Es waren vor allem die Paraden von Tim Wiese und die Tatsache, dass eine Schrotflinte ein Präzisionsgewehr gegen die Schüsse der Stürmer von Donezk gewesen wäre, dass es zumindest bis zur 25. Minute 0:0 stand.

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