Von Thomas Becker

Bayer Leverkusen musste eine herbe Schlappe gegen St. Petersburg hinnehmen. Die Russen fegten das Team von Trainer Michael Skibbe mit 4:1 vom Platz. Rudi Völler empfiehlt der Mannschaft: "Schalter umlegen!".

Alle laufen sie vorbei. Kein Leverkusener bleibt stehen. Warum auch? Den wartenden Journalisten dieses blamable 1:4 erklären, gegen diese Russen, die ja keiner so richtig kennt? Oder besser: gekannt hat. Denn mit dieser Gala-Vorstellung in der BayArena hat die Elf aus Sankt Petersburg eine internationale Duftmarke gesetzt, die mindestens bis München und wahrscheinlich auch bis in Madrids Vorort Getafe reicht. Ein sichtlich konsternierter Rudi Völler sprach nach der Partie von Champions-League-Format - und er meinte nicht seine Truppe.

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Stefan Kießling erzielte erzielte den Ausgleichstreffer für Leverkusen - mehr Zufall als zwingende Torchance. (© Foto: dpa)

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Einer bleibt dann doch bei den Reportern stehen: Dmitrij Bulykin. Allerdings macht er nicht bei den deutschen Schreibern halt, sondern bei den russischen Kollegen. Was hätte er auch auf deutsch zu erzählen? Das, was in ihm vorging, war wahrscheinlich nicht druckreif. 1:4 lag sein Team zuhause zurück, eine halbe Stunde war noch zu spielen, der Rückstand musste dringend aufgeholt werden. Und was macht sein Trainer, Bayer-Coach Skibbe? Wechselt nach der Rochade Schneider/Barbarez zwar noch zwei Mal aus - bringt aber zwei Defensivspieler. Statt der offensiven Freier und Bulykin. Ergebnissicherung bei 1:4 im Heimspiel?

Ein denkwürdiger Abend, dieses 67. Uefa-Cup-Spiel von Bayer Leverkusen. Schon lange nicht mehr ist eine deutsche Mannschaft derart dominiert worden, von einer russischen Elf womöglich noch nie. Doch diesen 1925 gegründeten Futbolniy Klub Zenit St. Petersburg wird man sich merken müssen. Laudrup und Hitzfeld werden der Truppe des niederländischen Trainers Dick Advokaat dankbar sein für die Demonstration der Stärke: Einer von den beiden wird in der nächsten Runde sein Team auf Zenit einstellen müssen - und dass der russische Meister so stark ist, das hatten die wenigsten gedacht.

Pogrebnjaks siebter Uefa-Cup-Treffer

Das Gazprom-Team, angereist im Schalker Mannschaftsbus, präsentierte sich als ballgewandte, gedanklich und physisch blitzschnelle Weltauswahl. Die Spieler stammen aus der Ukraine, Argentinien, Belgien,Tschechien, Slowakei, Türkei, Norwegen und Südkorea. Die vier Treffer wurden gleichmäßig verteilt, so dass der staunende Betrachter zumindest einen Teil der Truppe auch namentlich kennenlernte.

Da ist zum Beispiel Andrej Arschawin, ein wieselflinker Außenstürmer, was er bei seinem Hochgeschwindigkeits-Solo zum 0:1 in der 20. Minute eindrucksvoll unter Beweis stellte. Auch das 0:2 kurz nach der Halbzeit war sein Verdienst: Diesmal sauste er über links allen davon, bediente den Kollegen Pawel Pogrebnjak, der wahrscheinlich noch nie so mühelos einschob wie bei seinem siebten Uefa-Cup-Treffer in dieser Saison.

Mehr Zufall als Torchance

In Minute 61 machte Aleksander Anjukow mit einem erfolgreichen Fernschuss auf sich aufmerksam, zwei Minuten später Landsmann Igor Denisow mit einem bemerkenswert ungestörten Sololauf. Auch das 5:1 hätte er allein vor Keeper Adler schießen müssen, doch da rührte sich wohl etwas Mitleid im großen Zeh.

Was durchaus unangebracht war. Denn die Leverkusener hatten sich nicht gerade mit Macht gegen diese Niederlage gestemmt. Seltsam blutleer, geradezu lethargisch wirkte der Vortrag der 04er von Beginn an. Das 1:1 durch Kießling: mehr Zufall als zwingende Torchance. Es sollte einer der ganz wenigen Torschüsse der Gastgeber bleiben. Schon zur Halbzeit lautete die Eckballbilanz 8:1 - für die Russen.

Auf der nächsten Seite: Wie Bayer in die zweite Halbzeit startet, was Rudi Völler sagt und ein Stadion-DJ, der sich nicht unterkriegen lässt.

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