Überführter Dopingsünder Radprofi Schumacher gesteht Doping

Radprofi Stefan Schumacher: Jahrelang gedopt, auch bei den Olympischen Spielen in Peking

(Foto: dpa)

Epo, Wachstumshormone und Steroide: Der frühere Tour-de-France-Fahrer Stefan Schumacher gesteht in einem Gespräch mit dem "Spiegel" erstmals jahrelanges Doping. Den Ex-Rennleiter vom Team Gerolsteiner belastet der Radprofi schwer - von April an stehen sich beide Parteien vor Gericht gegenüber.

Der überführte Dopingsünder Stefan Schumacher hat erstmals zugegeben, während seiner Radsport-Karriere mit unerlaubten Mitteln gefahren zu sein. "Ich habe Epo genommen, auch Wachstumshormone und Kortikosteroide", sagte der 31-Jährige im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Schon mit Anfang 20 habe er gedopt: "Ich habe mich in ein System eingefügt. Das macht mich nicht stolz, aber es war eben so", räumte Schumacher ein. Anfangs habe er "wegen der Dopingmittel einen inneren Kampf geführt, aber dieses Zerrüttetsein ist irgendwann weg", sagte Schumacher, "Doping wird zum Alltag wie der Teller Nudeln nach dem Training."

Schumacher belastet in dem Gespräch Hans-Michael Holczer, Ex-Rennleiter des Teams Gerolsteiner, schwer: "Der hat schon mitbekommen, was um ihn herum passiert ist."

Holczer wehrt sich im Interview mit dem Sportinformationsdienst gegen diese Vorwürfe: "Das ist vollkommen aus der Luft gegriffen." Es werde Aufgabe des Landgerichts sein, "diesen Sachverhalt zu klären".

Weiter sagte Schumacher zum Spiegel, dass die Mannschaftsärzte beim mittlerweile aufgelösten Team sich ebenfalls aktiv an den Dopingpraktiken beteilgt hätten: "Die meisten Sachen konnte sich jeder aus der Medikamentenbox nehmen. Das war völlig verrückt." Schumacher kritisert zudem, dass falsche Rezepte für Kortisonpräperate ausgestellt worden seien, "einen so laxen Umgang mit Medikamenten habe ich nur bei Gerolsteiner erlebt".

Von 2006 bis 2008 fuhr Schumacher für das Team Gerolsteiner, gewann zwei Etappen bei der Tour de France und trug das Gelbe Trikot. In nachträglichen Analysen von Proben der Tour 2008 und der Olympischen Spiele 2008 war Schumacher des Dopings mit dem Epo-Präperat Cera überführt worden. Als Folge war er vom Internationalen Sportgerichtshof CAS bis 27. August 2010 gesperrt worden. Gerolsteiner kündigte ihm im Oktober 2008. Inzwischen fährt der Württemberger beim Drittligisten Christina Watches-Onfone.

Schumacher und Holczer treffen sich ab dem 10. April vor dem Landgericht Stuttgart wieder. Schumacher ist wegen Betrugs angeklagt, die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Holczer durch die Einnahme der Dopingmittel hintergangen zu haben. Es geht um 150.000 Euro, Schumachers Gehalt in den betreffenden Monaten. Das Verfahren ist ein Präzedenzfall, erstmals steht ein Dopingsünder wegen Betrugsverdacht vor Gericht. "Ich bin bereit, mein Wissen mit den relevanten Organisationen wie Wada, Nada, UCI zu teilen - wenn es gewünscht ist", sagt Schumacher.

In einem Interview mit dem Sportinformationsdienst weist Holczer die Anschuldigungen zurück: "Das ist vollkommen aus der Luft gegriffen." Es werde Aufgabe des Landgerichts sein, "diesen Sachverhalt zu klären".