UCI-Chef Pat McQuaid Sponsor fordert Radsport-Präsident zum Rücktritt auf

Der australische Sportartikelhersteller Skins will gegen den Radsportweltverband UCI klagen. Firmengründer Fuller spricht gegenüber der SZ von einer "krebsartigen Korruptionskultur" und wirft den führenden Funktionären mehr vor als Amtsmissbrauch.

Nach der Ankündigung einer Millionen-Klage gegen den Radsportweltverband UCI hat der australische Sportartikelhersteller Skins UCI-Präsident Pat McQuaid heftig attackiert und zum Rücktritt aufgefordert. Bei der UCI habe sich unter McQuaid und dessen Vorgänger Hein Verbruggen eine "krebsartige Korruptionskultur" gebildet, sagte Skins-Gründer Jaimie Fuller im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Dienstagsausgabe): "Keine Frage, man kann so eine Kultur nicht ändern, ohne die Leute loszuwerden, die sie schufen. Es braucht Transparenz, die Wahrheit muss ans Licht."

Fuller ließ kein gutes Haar an McQuaid, Verbruggen und weiteren UCI-Funktionären. Der 47-Jährige bezeichnete sie als "Clowns", die "um die Welt jetten, in Fünf-Sterne-Hotels logieren, einander auf den Rücken klopfen und vorschwärmen, wie wundervoll sie sind." Mit der Klage wolle er einen rechtlichen Präzedenzfall schaffen und eine Sportorganisation zur Rechenschaft ziehen. "Das ist höchst attraktiv", sagte Fuller, der zudem ankündigte, auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) einzuschalten: "Das wird einer der nächsten Schritte sein. Der Druck muss erhöht werden."

Skins hatte nach den Doping-Enthüllungen um den früheren Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong bereits Anfang November angekündigt, die UCI auf zwei Millionen Dollar (ca. 1,5 Millionen Euro) zu verklagen. Fuller wirft McQuaid und Verbruggen Amtsvergehen vor. Durch jahrelange Fehlleistungen im Kampf gegen Doping sei zudem das Image des Sponsors geschädigt worden.

Fuller sagte, ihn habe vor allem das Verhalten von McQuaid in der Affäre Armstrong zu juristischen Schritten bewogen. McQuaid habe Armstrong von Anfang an verteidigt und sich verhalten, "wie ein "PR-Arm des 'Teams Lance'". Zudem habe der Radsportweltverband nicht nur eine Kooperation mit der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, die Armstrong zu Fall gebracht hatte, verweigert, sondern die Ermittlungen gegen Armstrong sogar "behindert und blockiert" .

Er habe erwartet, dass McQuaid und Verbruggen freiwillig zurücktreten, sagte Fuller. Aber: "Ich war dumm. Ich hätte nie geglaubt, dass diese Leute so unglaublich schamlos sind. In jeder Organisation oder Firma, die ich kenne, würde der Vorsitzende abtreten. Umso mehr spüre ich eine Verpflichtung - weil ich jetzt die Bedeutung verstehe für die weltweite Sportverwaltung, wenn unsere Klage Erfolg hat."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf Ihrem iPad.